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Für das Leben stark gemacht

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Von: red Redaktion

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Die Jugendlichen der Alteburgschule stellen eine Gerichtsverhandlung nach. © pv

Nidda (red). Bereits ein »Fehltritt«, den der Betroffene als sehr gering einschätzt, kann schnell zu einer Straftat werden. Und wenn Jugendliche straffällig werden, löst dies für alle Betroffenen zahlreiche weitere Konflikte aus.

Eine umfangreiche Prävention ist unerlässlich. Dies nahm Thomas Poser, Lehrer für Gesellschaftslehre an der Alteburgschule in Nidda, zum Anlass, mit den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 7 einen Projekttag mit der Jugendgerichtshilfe zu starten.

Vorher hatten die Jugendlichen im Unterricht eine Menge über das Jugendstrafgesetz erfahren. Mit Bettina Richardt und René Stahl von der Jugendgerichtshilfe des Wetteraukreises hatte man an der Alteburgschule zwei Experten zu Gast. Sie sorgten dafür, dass die Schüler sich noch intensiver und überaus anschaulich mit der Straffälligkeit von Jugendlichen auseinandersetzten.

Die beiden informierten über den Ablauf eines Ermittlungsverfahrens. Auch auf typische Beweggründe von jungen Straftätern wurde eingegangen sowie auf häufige Delikte wie Schwarzfahren oder das Fahren ohne Führerschein. Gängige Strafen für jugendliche Straftäter wurden besprochen und an der Tafel festgehalten. Besonders wichtig hierbei war, dass den Jugendlichen Wege aufgezeigt wurden, wie man »Nein« sagen kann - damit eine Straftat erst gar nicht entsteht. Die Jugendlichen erfuhren über die Jugendgerichtshilfe die eingeschaltet wird, um junge Straftäter bei der Gerichtsverhandlung zu begleiten.

Im zweiten Teil des Projekttages lernten die Schüler, wie Alkohol die Wahrnehmung verändert. Mit der sogenannten »Promille-Brille«, einer speziellen Brille zur Simulation des Sehvermögens unter Alkoholeinfluss, durchliefen die Jugendlichen einen Parcours mit verschiedenen Stationen. Sie sollten dabei beispielsweise einen Ball fangen, Münzen aufheben oder das Schlüsselloch der Klassenraumtür mit einem Schlüssel treffen. Die Stationen fanden die Niddaer Schüler ziemlich belustigend und cool, dennoch hatten sie alle nicht damit gerechnet, dass Alkohol die Wahrnehmung derart stark und negativ verändert.

Schließlich wurde eine Gerichtsverhandlung nachgestellt. Grundlage war eine anonymisierte, echte Anklageschrift: Zwei Schüler hatten einen weiteren Schüler auf einem Schulhof um Zigaretten erpresst und ihm im Anschluss daran Schläge verpasst. Die Rollen der beteiligten Personen vor Gericht - vom Staatsanwalt über den Richter, Verteidiger, Gerichtsdiener, Protokollanten und die Jugendgerichtshilfe bis hin zu den Schöffen - wurden im Vorfeld ausführlich besprochen und verteilt. In der Klasse 7aM endete die Verhandlung schließlich mit einem Freispruch, in der 7bM mit Sozialstunden.

Das Projekt war von den Jugendlichen ausnahmslos als spannend, interessant und informativ empfunden worden.

»Wir wollten die Schülerinnen und Schüler sensibilisieren, ihnen einen groben Leitfaden mitgeben und sie damit für ihr Leben in der Gesellschaft ein Stück weit stark machen. Ich denke, dass uns dies im Rahmen des Projekttages auf jeden Fall gelungen ist«, resümierte Thomas Poser.

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