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Für ökologische Vorgärten

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Ein blühender Vorgarten ist nicht nur fürs Auge gut, sondern auch für die Umwelt, wie hier bei Stadtrat Bernd Schoeps (BL) und seiner Frau Heidi. © Petra Ihm-Fahle

Manch einer findet sie ästhetisch und pflegeleicht, andere nennen sie scheußlich. Die Rede ist von Stein- und Schottergärten. So kontrovers sich der Anblick diskutieren lässt, so eindeutig ist die ökologische Seite. Das Niddaer Parlament will daher Wege finden, Schottergärten künftig auszuschließen. Das hört sich zunächst einfach an.

Der Niddaer Magistrat soll eine Vorgartensatzung erarbeiten, die Schottergärten künftig ausschließt und diese den städtischen Ausschüssen zur Beratung vorlegen. Zudem soll die Stadtverwaltung die rechtlichen Vorgaben hierfür prüfen. Einstimmig beschloss dies das Stadtparlament während der jüngsten Sitzung im Bürgerhaus. Ein CDU- und ein SPD-Antrag gingen der Entscheidung voran. Das Parlament beschloss am Ende einmütig den weitreichenderen Antrag der SPD, verbunden mit einem Punkt des CDU-Antrags, der einen Fotowettbewerb zum Thema vorsah.

Steingärten sorgen für Erwärmung

Wie Sebastian Döll (CDU) erklärte, gestalten viele Bauherren ihre Gärten wenig gärtnerisch. Nicht selten ist laut Döll zu beobachten, dass sie stattdessen Stein- und Schotterflächen anlegen. »In Zeiten der Klimaveränderung bedeutet das eine zusätzliche Erwärmung der Wohngebiete«, stellte Döll fest. Zudem geht diese Art der Gartenanlage nach Ansicht der CDU zulasten der heimischen Artenvielfalt. »Eine weitere Problematik kann das Wasser- und Hochwassermanagement betreffen«, führte er weiter aus. Um die Biodiversität zu fördern, mache es für die neuen Baugebiete Sinn, Vorgärten ökologisch auszuführen: beispielsweise insektenfreundlich und mit heimischen Pflanzenarten. »Begleitend könnte ein Fotowettbewerb ›Lebendiger Vorgarten‹ ausgerufen werden«, schlug Döll vor. Der Antrag zielte auf die Neubaugebiete ab. Wie er erklärte, erhoffen sich die Initiatoren aber auch, weitere Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, die Gestaltung ihrer bestehenden Vorgärten zu überdenken. »Vielleicht ist es möglich, dem einen oder anderen grauen und steinernen Vorgarten ein blühendes Gesicht zu verleihen.«

Laut dem Christdemokraten brachte Nidda in den vergangenen Jahren schon das eine oder andere auf den Weg. »Dazu gehört das Anlegen von sogenannten Blühstreifen auf öffentlichen Flächen und die Aktion ›Nidda pflanzt Zukunft‹«, schilderte er. Schön wäre es seinen Worten zufolge auch, Initiativen wie »Nidda blüht auf« voranzutreiben.

Wie Jürgen Heldt (SPD) ausführte, werden Schottergärten seit einigen Jahren immer öfter angelegt. »Vor allem ältere Menschen haben häufig Sorge, dass sie sonst ihre Gartenpflege nicht mehr organisieren können.« Dabei sind nach Einschätzung des Sozialdemokraten Schottergärten oft arbeitsintensiver als gedacht.

Vor allem in Neubaugebieten sieht er das Prinzip Kies und Schotter auf dem Vormarsch. »Die Humusschicht wird abgetragen, der verbleibende Grund entweder mit Vlies oder Folie abgedeckt.« Statt Blumen und Bäume zu setzen, füllten die Häuslebauer Kleinsteine auf. Wie Heldt feststellte, wirken sich solche Flächen negativ auf Flora und Fauna, aber auch auf das Mikroklima aus. »Die Steine speichern die Wärme und strahlen sie wieder ab, während Pflanzen den Boden beschatten und für Verdunstungskühle sorgen.« Darüber hinaus verringere sich die Fläche, die zur Versickerung von Niederschlägen geeignet sei. Bei Starkregen könne es mithin zu Überflutungen kommen.

»Für Städte und Gemeinden stellt sich die Frage, wie gegen den stetigen Zuwachs von Schottervorgärten effektiv und rechtssicher vorgegangen werden kann«, betonte der Sozialdemokrat.

Vorgaben in neue Bebauungspläne

Wie Heldt erläuterte, müssen bei dem Prozedere rechtliche Grundlagen beachtet werden. Die SPD stellte daher den Änderungsantrag, die umweltschützenden Aspekte in neuen Bebauungsplänen zwingend vorzugeben und zu überprüfen, inwieweit die Stadt diese Vorgaben für bereits bestehende Baugebiete anwenden kann (siehe Info-Box).

Auf Vorstoß von Marcus Stadler (Grüne) einigten sich CDU und SPD auf den weiterführenden Antrag der Genossen. Stadler schlug erfolgreich vor, den Punkt Fotowettbewerb aus dem CDU-Antrag zu übernehmen, da es ein Motivator sei. Joachim Zweiböhmer (Bürger-Liste) regte an, zu überprüfen, inwieweit bezüglich Vorgartensatzungen bereits das Land Hessen oder der Wetteraukreis aktiv sind.

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