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Gänsehaut beim Klassik-Crossover für den Frieden

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Konzertmeisterin Anna-Maria Barth und Lead-Gitarrist Ralf Hübner beim »Duell der Violinen« mit der Neuen Philharmonie Frankfurt um Dirigent Jens Troester. © Annette Hausmanns

»Friede, Freiheit, Sommernacht!« An drei heißen Sommerabenden hintereinander riss die Neue Philharmonie Frankfurt das Publikum in der Friedberger Stadthalle zu Standing Ovations hin.

Die Tür zum großen Saal tut sich auf. Hinter der Bühne funkeln Lichter wie Sterne auf blau-rotem Grund. Ein Gefühl wie Weihnachten. Endlich! Endlich wieder ein Abend mit der Neuen Philharmonie Frankfurt! Ein Abend der großen Gefühle, der unendlichen Liebe zur Musik und der hohen Kunst ohne Grenzen. Zwei bange Corona-Jahre lang hatte die Wetterau auf das sommerliche Kultkonzert verzichten müssen.

Umso größer gerieten am vergangenen Wochenende Dankbarkeit und Hingabe, als knapp 2100 Besucher der Einladung von OVAG, Sparkasse Oberhessen und Stadt Friedberg in die Stadthalle folgten und an drei Abenden im Crossover der Genres förmlich badeten. Die Begeisterung schlug hohe Wellen.

Als »schönes Zeichen für Beständigkeit« und als »Höhepunkt im Festjahr« zum 110. Geburtstag des Energieversorgers bezeichnete Ovag-Vorstandsvorsitzender Joachim Arnold die 18-jährige Konzert-Tradition mit der Neuen Philharmonie Frankfurt. 80 Prozent der Menschen, die ihre Tickets vor zwei Jahren kauften, hatten sie nicht zurückgegeben. »Das zeugt von großem Vertrauen und ist nicht selbstverständlich«, fügte Moderatorin Germaine Stragies hinzu. Flott führte die junge Ortenbergerin bei ihrer Konzert-Premiere durchs überschäumende Programm voll »Friede, Freiheit, Sommernacht!«.

Auf der Bühne ging die Post ab, kaum dass Dirigent Jens Troester mit großer Eleganz seinen Taktstock in präzise Schwünge versetzte. Energische Geigen und warme Waldhörner, zarte Flöten und gewaltige Pauken glitten mit Beethovens Fidelio-Ouvertüre mitten hinein in ein musikalisches Feuerwerk für Freiheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, das vor dem aktuellen politischen Hintergrund tief unter die Haut ging. Im schwindelerregenden Tempo »ritten« 60 Musiker kosakengleich mit Franz Waxman nach Dubno, schwangen sich im Takt von Sousas »Liberty Bell« von den Stühlen und malten die »Bilder einer Ausstellung« von Modest Mussorgsky derart virtuos nach, dass sich spätestens beim »Großen Tor von Kiew« mit kolossalen Glockenschlägen Gänsehaut breit machte.

Rauschender Beifall geleitete ein Orchester in die Pause, das auch dank eingewobener Band und gewaltigen Gesangssolisten wie kaum ein zweites die Grenzen zwischen den Genres vergessen lässt. Dem Freiheits-Programm schenkten Rockröhre Achim Dürr, Wundertüte Karsten Stiers und Vokalmagierin Katrin Glenz ihre starken Stimmen, hervorragend unterstützt von Anja Loges und Mirjam Wolf im Background. Abgesehen vom humorvoll ausgelegten »Wellerman« der kompletten Vokalriege priesen die Songs Frieden und Freiheit. »Come together« lud Dürr mit den friedensbewegten Beatles ein, traf sich mit Katrin Glenz (und David Bowie’s »Heroes«) an der Berliner Mauer zum Sieg der Gefühle über die Waffen und mit Karsten Stiers zu »Don’t let the sun go down on me«.

Furioses Comeback am Schlagzeug

Eine Sternstunde erlebten die Fans, als Dürr im Finale den »Juke Box Hero« für ein Comeback nutzte: Die Welt schien stillzustehen, als sich Deutschlands ehemals bester »schwarz-spielender« Bluesdrummer zum vierhändigen Showdown zu Gabi Jüttner ans Drumset gesellte. Zuvor hatten sich bereits Konzertmeisterin Anna-Maria Barth und Lead-Gitarrist Ralf Hübner unter tosendem Applaus zur Filmmusik »Beim Sterben ist jeder der Erste« ein furioses »Duell der Violinen« geliefert.

Einem Leuchtturm in der Brandung gleich hielt Dirigent Troester Orchester und Band zusammen und schwelgte in den Gesangparts. Komplett unter Strom schlüpfte Karsten Stiers in den Seal-Song »Crazy«, huldigte in den Fußstapfen von George Michael der Freiheit und mahnte mit Katrin Glenz im Duett »Don’t give up!«. Aus den Tiefen ihrer Seele schöpfte Glenz die Carole-King-Hymne »You’ve got a friend«, glänzte mit dem Sehnsuchtssong »Chasing Cars« und konnte den berauschenden Abend nicht ohne Westernhagens Hymne auf die »Freiheit« ausklingen lassen. Fähnchen schwenkend rockte der Saal den Zugabenblock, um mit einem guten Gefühl in die Sommernacht zu ziehen: »We are the Champions« und »We will rock you!«

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