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Ganzjährig gefordert: Ausbildung hat für DLRG-Retter hohen Stellenwert

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Der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Friedberg-Bad Nauheim, Jens Bothe, und weitere Mitglieder der ehrenamtlichen Rettungsorganisation, bereiten sich im Beisein von Willi Zinnel (Stadt Schotten) auf einen Kontrolleinsatz auf dem Stausee-Rundweg vor. © Stefan Weil

Es war zwar ein relativ ruhiger Sommer am Nidda-Stausee. Dennoch haben die DLRG-Mitglieder vor Ort immer gut zu tun. Und die Aus- und Weiterbildung sind ohnehin ganzjährige Aufgaben.

In der offiziellen Badesaison von Juli bis zum ersten Septemberwochenende sind die Rettungsschwimmer am Nidda-Stausee präsent. Sie verrichten keinen unmittelbaren Wachdienst am Wasser, sind aber im Falle eines Unfalls von ihrem Standort im neuen Sanitärhaus des Campingplatzes sofort einsatzbereit, um zu helfen.

»Es gab einige der üblichen kleinen Blessuren, wie eine Wunde oder Hautabschürfungen, die wir versorgt haben«, so der Einsatzleiter. »Die Stadt Schotten dankt der Gruppe für ihren sehr engagierten ehrenamtlichen Einsatz«, sagt Magistratsmitglied Willi Zinnel bei einem Kurzbesuch am See.

Die Gruppe ist seit vielen Jahren Stammgast und auch außerhalb ihrer offiziellen Präsenzeinsatzzeiten öfters in ihrer Unterkunft.

Ein wichtiger Bereich ihrer ganzjährigen Arbeit ist die Aus- und Weiterbildung. »Das trifft besonders für unsere Wasserrettungseinheit zu«, sagt Jens Bothe. Über einen Mangel an Nachwuchs können sich die beiden Führungskräfte nicht beklagen.

»Wir haben bei den Mitgliedern trotz Corona sogar einen leichten Zuwachs und kratzen an der 1000er-Marke. Darunter ist erfreulicherweise viel jüngerer Nachwuchs, aber auch Quereinsteiger im schon etwas fortgeschritteneren Alter zeigen Interesse.«

Spezielle Tauchausbildung

Neben der Grundausbildung muss auch eine spezielle Taucherausbildung absolviert werden. In diesem Sommer war eine Gruppe Jugendlicher im Alter von 14 bis 16 Jahren, darunter viele Mädchen am Stausee, die hier eine Woche lang einen Einsatz übten.

Die Grundausbildung für die Kinder und Jugendlichen findet in den Schwimmbädern in Bad Nauheim statt. Doch durch die Energiekrise könnte sich daran in naher Zukunft etwas ändern. »Wir können in den Wintermonaten ein kleines Warmwasserbecken nutzen. Die Stadt Bad Nauheim hat hier schon eine Sperrung ins Auge gefasst. Dann müssten wir zwei Kurse für Kinder streichen«, so Bothe.

Die beiden Lebensretter sehen zukünftig auch durch den Klimawandel vermehrt Aufgaben auf ihren Verein zukommen. »Die Katstropheneinsätze werden sich häufen. Hochwasser in Büdingen habe ich bereits zum zweiten Mal erlebt. Diese Ereignisse werden uns zukünftig mehr fordern«, ist sich Bothe sicher.

Die Unterkunft der DLRG-Ortsgruppe am Nidda-Stausee hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Ausbildungszentrum entwickelt. Speziell für Jugendliche gibt es Lehrgänge, die sich mit dem Bootsfahren, dem Tauchen oder auch den Grundlagen der medizinischen Ausbildung befassen.

Mit einem Boot umgehen zu können, ist für einen Lebensretter wichtig. »Aus Gründen des Selbstschutzes muss ein Retter möglichst vermeiden, ins Wasser zu gehen«, betont Andreas Gläsing.

Eisrettung ist ebenfalls ein wichtiges Thema, dass die DLRG-Gruppe bei ihren Winteraufenthalten am Stausee regelmäßig probt. »Das machen wir meist am Eisteich. Da bildet sich schnell mal eine dünne Eisschicht. Da können wir Einbrüche gut simulieren«, sagt Jens Bothe.

Neue Inhalte für die Eisrettung

Der Vorsitzende ist auch weit über die Grenzen seines Vereins bis in den Bundesverband der DLRG im Ausbildungswesen aktiv. »Derzeit entwickeln wir neue Ausbildungsinhalte für die Eisrettung. Die wollen wir Ende des kommenden Jahres am Stausee hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit mit bundesweiter Beteiligung erproben.«

Jens Bothe und Andreas Gläsing haben sich ihrer ehrenamtlichen Profession mit ganzem Herzen verschrieben. »Ich bin in das Rettungsschwimmen nicht hineingeboren worden«, erzählt der 47-jährige Vorsitzende.

»Als ich 13 Jahre alt war, hat mich ein Freund zur DLRG mitgenommen. Damals hatte ich Angst vorm Wasser. Die hat sich dann schnell gelegt, da wir am Anfang viel getaucht haben.«

Der heute 46-jährige Andreas Gläsing ist eher ein Späteinsteiger. »Mich hat es erst vor circa acht Jahre gepackt. Vorher war ich Sporttaucher gewesen, und ich wollte mit meinem Tauchschein etwas Sinnvolles machen. Das habe ich bei der DLRG gefunden. Hier kann ich Menschen, die in Notlagen gekommen sind, nach meinen besten Kräften helfen.«

Jens Bothe erinnert sich an besonders schwierige Einsätze. Dazu zählen die Suche nach Personen unter Wasser. »Das ist sehr anstrengend. Man ist ganz allein im Wasser und muss sich durch die Dunkelheit tasten. Und man weiß nicht, was man findet.

Da darf man sich keine Gedanken machen, sondern man muss einfach funktionieren und das Gelernte umsetzen. Deshalb üben wir auch immer sehr praxisnah unter realistischen Einsatzbedingungen.«

Kurze Saison am Gederner See

Am Gederner See stand die Badesaison in diesem Jahr im Zeichen von langem Bangen und abrupten Ende. Da sich keine ehrenamtlichen Rettungsschwimmer mehr finden konnten, verpflichtete die Stadt ein professionelles Unternehmen, das ab Mitte Juni am See die Badeaufsicht versah.

Ohne Wachdienst hätte es keine Badesaison gegeben. Aber auch mit der notwendigen Badeaufsicht war die Saison kurz. Am 9. August sprach das Gesundheitsamt des Wetteraukreises wegen der Blaualgenverseuchung und den damit verbundenen möglichen gesundheitlichen Gefahren ein striktes Badeverbot aus.

»Zuvor waren die Wasserwerte in Ordnung gewesen«, sagt Betriebsleiter Manuel Knaus. »Aber durch die wochenlange Hitze ist der Wasserspiegel stark gefallen. Das hat in Verbindung mit den hohen Temperaturen die Blaualgenbildung stark begünstigt.«

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