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Gekommen, um zu bleiben: Rohrbacher Theatergruppe begeistert Publikum

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Gerlinde und »Locke« (Agnes Lott und Stefan Herd, ganz links und ganz rechts) versuchen Fritz und Maria (Michel Wagner und Angelika Schulte) zu überzeugen, dass man aus der Gartenhütte eine Goldgrube machen könnte. © Monika Eichenauer

Das neue Stück der Rohrbacher Theatergruppe »Mir soins« heißt »Hamburg - Dilsem - einfach!« Das Publikum quittierte die humorige Geschichte um einen unwillkommenen Besuch mit viel Applaus.

»Un awwel hummer de Seload, däi zwaa hunn doch irschend ebbes im Hinnerkopp«, sagt Maria zu ihrem Fritz (Angelika Schulte und Michel Wagner), denn Gerlinde, die Schwester von Fritz, und ihr Kumpel »Locke« (Agnes Lott und Stefan Herd) kommen nicht nur zum kurzen Besuch, sondern um zu bleiben.

Deshalb heißt das neueste Stück der Rohrbacher Theatergruppe »Mir soins« auch »Hamburg - Dilsem - einfach!« Und damit wird das ruhige Leben, das Maria und Fritz im beschaulichen Dörfchen führten, massiv aus der Bahn geworfen.

Dass das auch zu massiver Heiterkeit beim Publikum im Düdelsheimer Rathaus führt, ist kein Wunder: denn das Theater-Quartett spielt mit großer Leidenschaft, unglaublichem Witz und in heimatlicher Mundart. Und mit jeder Menge Improvisation.

Sprudelnder Ideenreichtum

Das Grundgerüst, die Geschichte, steht. Sie stammt aus der Feder von Agnes Lott, der äußerst kreativen Rohrbacher Theaterfrau. Doch bei den Aufführungen ergeben sich durch die Geistesgegenwart und den sprudelnden Ideenreichtum der erfahrenen Theaterleute immer wieder neue Sätze und Wortkreationen. So standen auch die »nachtaktiven Bäckereifachverkäuferinnen«, die Stefan Herd als »Locke« für die »Märechen, die morjens beim Weckschmiern für de Kiosk helfe und wann’s dunkel is, in de Nachtbar danze« aus dem Stegreif formulierte, in keinem Drehbuch.

Zur Geschichte: Gerlinde, die vor Jahren angeblich in Hamburg gelandet sein soll, und »Locke« kommen aus der Hansestadt nach »Dilsem« zu Fritz und Maria, die so gar nicht erfreut sind darüber, aber das irgendwie verbergen können.

»Penunzen« für Italienurlaub locken

Wie sich herausstellt, als Gerlinde und »Locke« alleine sind, wollen die »zwaa Werrerraaer, däi in Hambursch uffm Kiez Karriere gemoacht hu«, aus der Gartenhütte der Verwandten ein Etablissement machen: »Mir wuolle doch uusern Traam häi verwirkliche, a Nachtbar med em Kiosk: doachsüber Kiosk, wu ich de Morje moi geschmierte Weck verkaafe kann, und wann’s dunkel is, a Nachtbar«.

Locke freut sich schon: »Un ich soi de GHW, de Goartehettewirt«. Die zwei wollen »ebbes ganz Grußes uffzäije, dass in Dilsem die Kou fläit«. Am nächsten Tag versuchen die beiden den skeptischen Bruder und seine noch skeptischere und etwas naive Ehefrau zu überzeugen, dass die Gartenhütte zu einer Goldgrube werden kann, wenn man es nur richtig anpackt.

Dass es eine Nachtbar mit Etablissement werden soll, versteht zwar Fritz gleich, aber Maria erst, als man ihr erklärt, dass dort in der Stube die Mädchen übernachten, wenn sie genug getanzt haben.

Damit die Gartenhütte umfunktioniert werden kann, müssen erst die zwei Hasen und Hühner geschlachtet werden, die dort ihren Platz haben. Das ist Fritz und Maria zwar nicht recht, aber dann locken doch die »Penunzen« für den Italien-Urlaub, die man durch Kiosk und Nachtbar erwirtschaften könnte: »Jo, mir harre schun lang kaan Hoasebruore mieh«, meint Maria schließlich.

Naivchen mit langer Leitung

Angelika Schulte spielt dieses Naivchen, bei dem so langsam der Groschen fällt, um was es gehen soll, ganz prima, genauso wie auch die anderen drei in ihren Rollen brillieren. Mit den Dialogen halten sie die heimatliche Mundart lebendig und skizzieren Situationen damit so treffend und bildhaft, wie es in Hochdeutsch oft nicht möglich ist.

Den Theaterleuten ist wichtig, dass der heimische Dialekt nicht verloren geht, weil er zu einer Region und seinen Menschen gehört. Das Publikum, das noch miterlebte, wie der Laden floriert, war begeistert und belohnte die vier Protagonisten mit herzhaftem Lachen und mit langem Applaus. »Das ist mal etwas ganz anderes, man kann abschalten vom Alltag und richtig lachen«, war von den Gästen zu hören.

Nach der Premiere am Donnerstag und Aufführungen am Freitag und Sonntag bieten sich noch zwei weitere Gelegenheiten für einen heiteren Theaterabend: Am morgigen Mittwoch, 3. August, und Freitag, 5. August, jeweils um 20 Uhr mit Einlass ab 19 Uhr. Der Eintritt kostet neun Euro. Kartenverkauf bei Agnes Lott (Telefon 0 60 41-4310), und Traudel Wagner (Telefon 0 60 41-82 02 60; Restkarten an der Abendkasse.

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