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Gemeinsam durch Höhen und Tiefen

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Von: Inge Schneider

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Seit 65 Jahren halten sich Anneliese und Erwin Klier aus Ortenberg die Treue und gehen gemeinsam durch Höhen und Tiefen. © Inge Mueller

ORTENBERG (mü). Sie kannten einander seit ihrer Grundschulzeit, haben sich auch später nicht aus den Augen verloren, jung geheiratet und diesen Schritt nie bereut: Am heutigen Mittwoch, 15. Dezember, feiern die Eheleute Erwin und Anneliese Klier, geborene Metz, in der Ortenberger Straße »In den Rosengärten« das seltene Fest der eisernen Hochzeit.

Natürlich nur im kleinen Rahmen mit den drei Kindern und ihren Familien, drei Enkeln und Urenkeln, wie es sich zu Pandemiezeiten gehört - und doch voller Freude, noch im hohen Alter beieinander sein können. Ihr Erfolgsrezept für eine glückliche Ehe, die 65 Jahre überdauert? »Sich nicht scheiden lassen, so einfach ist das«, sagen die beiden mit großer Überzeugung. »Höhen und Tiefen gemeinsam durchschreiten und nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten die Flinte ins Korn werfen - heutzutage geben viele Paare einfach zu schnell auf.«

Mag sein, es waren auch die Hindernisse aufgrund ihrer Jugend, die Erwin und Anneliese Klier von Anfang an derart zusammengeschweißt haben. Erwin Klier, am 24. Januar 1937 in eine Wippenbacher Landwirts- und Kaufleute-Familie hineingeboren, verlor im Zweiten Weltkrieg seinen Vater, sodass ein Obergerichtsrat als amtlicher Vormund für ihn eingesetzt wurde. Anneliese Metz erblickte am 9. September 1939 in Ortenberg das Licht der Welt. Man besuchte gemeinsam die Grundschule, sah sich regelmäßig, als der junge Erwin Klier seine Malerlehre bei Meister Dietrich begann, dessen Unternehmen wiederum in der Straße der jungen Anneliese und ihrer Familie ansässig war. »Letztlich haben uns aber die fröhlichen Fußballsonntage beim FC Germania Ortenberg zusammengebracht«, erinnert sich Anneliese Klier. »Denn mein künftiger Mann spielte in der Mannschaft, und ich habe kaum ein Spiel versäumt, ihm zugeschaut und die Daumen gedrückt.« Sehr viel später sollte Erwin Klier, der zudem bei den Schützen, der Feuerwehr und im Gesangverein aktiv war, als Vorsitzender zehn Jahre lang die Geschicke der Germania lenken.

Jüngstes Ehepaar im Wetteraukreis

Doch zunächst wurde es ernst für das junge Paar und seine große Liebe: Um am 15. Dezember 1956 zunächst standesamtlich und am gleichen Tag in Selters auch kirchlich heiraten zu können, benötigten die jungen Leute, damals 17 und 19 Jahre alt und somit nicht mündig, das Einverständnis des amtlichen Vormunds - und waren an ihrem Hochzeitstag das jüngste Ehepaar im gesamten Wetteraukreis. Ein weiteres Mal war der Vormund noch gefragt, als es darum ging, dem strebsamen Erwin Klier bereits nach drei, statt nach fünf Jahren den Status eines Malermeisters zuzuerkennen. Es folgten arbeitsame Jahre für das Paar: Die Erziehung der drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, stand ebenso an wie der Aufbau des eigenen Malereibetriebs mit Geschäft, den heute die Söhne in den Sparten Malerfachbetrieb und Fachbaumarkt führen und Aufträge bis weit ins Rhein-Main-Gebiet hinein wahrnehmen. »Über 90 Gesellen haben wir ausgebildet, schon zu meiner Zeit waren wir für etliche Häuser und Wohnungen in Ortenberg mitverantwortlich und haben so auch das Ortsbild ein Stück weit mitgeprägt«, merkt Erwin Klier nicht ohne Stolz an.

Anneliese Klier, die zunächst in einer Frankfurter Schuhfabrik arbeitete, stieg mit dem Älterwerden der Kinder immer mehr ins Familienunternehmen ein, war im Geschäft und im Büro gleichermaßen tätig. Angesichts von derart ausgefüllten Lebensläufen erscheint es mehr als ungewöhnlich, dass das Ehepaar Klier in den 65 Jahren seines Beisammenseins gleich zweimal gebaut hat - zuletzt das schmucke Holzhaus am Waldrand nahe Wippenbach mit dem weiten Blick ins Niddertal.

Beide lieben bis heute die Natur und haben fast ihre gesamte Familie in den NABU und in den örtlichen Obst- und Gartenbauverein hineingezogen. Noch immer hängt ihr Herz am Wechsel der Jahreszeiten und am Garten, nur die Gesundheit spielt den beiden Jubilaren inzwischen so manchen Streich. »Wir sind froh, in unserem schönen Zuhause gemeinsam mit unserem ältesten Sohn leben zu können - mit eigenen Wohnbereichen und doch nah beieinander, wenn es darauf ankommt«, schildern Erwin und Anneliese Klier den Familienzusammenhalt, der auch ihren eisernen Hochzeitstag prägen und verschönen wird.

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