1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Genpool für Tausende Obstsorten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: red Redaktion

Kommentare

dab_bluete_050522_4c
Über die richtige Pflege von Streuobstwiesen informiert Hartmut Wielisch. © pv

Florstadt (red). Zum zweiten internationalen Unesco-Tag der Streuobstwiese hat der Arbeitskreis »Streuobstwiesen in Florstadt« jetzt bei schönen Frühlingstemperaturen eine Gruppe von fast 40 Interessierten begrüßt.

Ziel: die Streuobstwiesen oberhalb des Wohngebietes »Schwarzer Berg«. Sie sind ein ökologisches Kleinod geblieben und bieten Spaziergängern gemütliche Wiesenwege durch die noch bestehenden und zum Teil auch gut gepflegten Obstwiesen. Einige Mitglieder des Arbeitskreises, der sich inzwischen auch »Die Obstler« nennt, hatten sich gut vorbereitet und informierten sachkundig.

Aus heutiger Perspektive seien Streuobstwiesen aufgrund ihrer Artenvielfalt wichtig, sie böten Insekten, Schmetterlingen, Vögeln, Reptilien und kleinen Säugetieren eine Überlebenschance. »Die Streuobstwiese ist der Genpool für mehrere Tausend Obstsorten, von denen nur wenige in den Handel kommen«, heißt es in einer Mitteilung dazu. Monika Rhein vom örtlichen BUND gab zu diesem Thema umfassende Informationen.

Veredelung der Bäume wichtig

Über die Nutzung der Streuobstwiese im bäuerlichen Betrieb informierte an der zweiten Station AK-Mitglied Michael Muche. Früher diente die Obstwiese der Vorratshaltung und der Versorgung des Viehs mit Gras. Neben Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Nüssen wurde die Wiese für die Beweidung genutzt.

Deshalb habe man dann schon vor langer Zeit Hochstämme gepflanzt, um das Abfressen der Bäume zu verhindern und um darunter mähen zu können. An manchen Bäumen waren Pilze zu sehen. Diese seien so etwas wie die natürliche Müllverwertung und ein untrügliches Zeichen, dass es bald mit dem Baum zu Ende gehe. Schätzungen aus anderen Streuobstbeständen besagten, dass alleine in den nächsten zehn Jahren jeder vierte Baum verschwinden werde. Anschließend gab es Informationen über die Bedeutung der Veredelung, »denn alle Obstbäume entstehen nicht aus einem Samen, sondern die Edelreißer werden auf einen stabilen Stamm gepfropft«. Um diesen Bäumen dann eine lange Lebensdauer zu ermöglichen, sei es unabdingbar, die Bäume zu schneiden.

Über die richtige Pflege der Wiese informierte OGV-Mitglied Hartmut Wielitsch. Die erste Mahd solle frühestens Ende Juni erfolgen, denn nur dann schütze man Wiesenbrüter und gebe vielen Pflanzen die Chance, Samen auszubilden. Eine Nutzung durch Pferde und Kühe sei dann kein Problem, wenn man deren Abfallprodukte entferne.

Monika Bernhard informierte über Möglichkeiten, Obstprodukte wie Apfelmus haltbar zu machen, und über die ideale Lagerung von Äpfeln. Beim kulinarischen Abschluss des Spaziergangs gab es von Isabell Büchel Informationen zu Kräutern, die man beispielsweise in Kräuterbutter verarbeiten kann. In der Kostprobe waren Gundermann, Spitzwegerich, weiße und gefleckte Taubnessel, Sauerampfer, Schafsgarbe, Knoblauchsrauke, Löwenzahn und Gänseblümchen verarbeitet.

Abschließend informierte Gudrun Neher vom BUND über die vielfältigen Eigenschaften der Brennnessel als Lebensraum für Schmetterlinge, als Heilkraut, als Dünger und ganz besonders als kulinarischer Genuss. Als Kostprobe gab es eine Brennnessel-Quiche, die begeistert verkostet wurde.

Auch interessant

Kommentare