Chaos im Wetterauer Busverkehr

Gericht: Stroh darf nicht weiterfahren

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In Büdingen und Altenstadt werden ab 11. Dezember keine Linienbusse der Firmen Stroh (Altenstadt) und Balser (Büdingen) mehr unterwegs sein. Das hat das Verwaltungsgericht Gießen im Eilverfahren entschieden. Damit wird das Chaos im Wetterauer Busverkehr allerdings nicht kleiner: Welches Unternehmen dort ab dem Fahrplanwechsel unterwegs ist, ist bisher ebenso offen.

Stroh und Balser hatten beantragt, in einem Notbetrieb für die nächsten sechs Monate den Linienverkehr in der südöstlichen Wetterau aufrecht zu erhalten. Die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) hatte das Linienbündel ausgeschrieben und den Zuschlag der Bahn-Tochter Busverkehr Hessen (BVH) aus Gießen erteilt.

Allerdings wehren sich Stroh und Balser dagegen: Sie werfen der VGO Verfahrensfehler vor und haben nun beantragt, die Linien auf eigene Rechnung zu bedienen. Dies hätte laut Gesetz Vorrang vor einem subventionierten Verkehr, den die VGO vergibt. Die VGO weißt die Vorwürfe zurück: Die Ausschreibung sei nicht unrechtmäßig gewesen, ein eigenwirtschaftlicher Verkehr trage sich nicht und Stroh/Balser hätten den Antrag nicht fristgerecht gestellt. Doch: Weder einen Aufruf für ein Angebot habe die VGO gemacht, wonach sie verpflichtet gewesen sei, noch eine Frist gesetzt, erklärt Friedel Stroh. Die Klage liegt inzwischen vor dem Oberverwaltungsgericht Frankfurt.

Anders als üblich sei die Entscheidung nicht ergangen, weil das Gericht wenig Chancen für einen Sieg von Stroh/Balser im Hauptverfahren sehe, erläutert die Gießener Gerichtssprecherin Evelyn Graul-Hofmann. Doch seien die Formfehler der VGO „nicht so eindeutig“.

Hinzu komme, dass das Thema sehr kompliziert sei und sich das Gericht erst tief in die Materie einarbeite. „Der Fall muss in Ruhe im Klageverfahren geklärt werden“, erläutert Graul-Hofmann.

Friedel Stroh will die Gerichtsentscheidung akzeptieren. „Dann fahren unsere Busse nicht mehr in Altenstadt und Büdingen.“ Gerichtssprecherin Graul-Hofmann rechnet damit, dass das Regierungspräsidium wohl die BVH mit dem Notbetrieb ab Dezember betraut.

Stroh und Balser fordern die VGO auf, ein sauberes Verfahren für einen eigenwirtschaftlichen Betrieb einzuleiten. „Das wäre wahre Größe anstatt sich durchzuwurschteln“, findet Friedel Stroh.

Er bietet der VGO an, mit den frei werdenden Bussen und Fahrern einen Notbetrieb für Friedberg auf die Beine zu stellen. Dort liegt die Entscheidung für den Busbetrieb ab 11. Dezember auf Eis, weil sich die Offenbacher Deinbus.de gegen die Vergabe an die BVH wehrt (die FNP berichtete). Deinbus hatte zwar das günstige Angebot abgegeben, die VGO zweifelt aber die Zuverlässigkeit der sonst im Fernbusgeschäft tätigen Firma an.

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