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»Gesang ist wichtig für Dorfgemeinschaft«

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Von: red Redaktion

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Jeder dritte Mann in Usenborn ist Mitglied im Liederkranz, zu den regelmäßigen Chorproben kommen etwa 20 Sänger. © pv

Wetteraukreis (red). Vor 50 Jahren wurde der Wetteraukreis gegründet. Aus diesem Anlass lädt Landrat Jan Weckler (CDU) für Sonntag, 28. August, zu einem Liedernachmittag mit zehn Chören in die Stadthalle Friedberg ein. Die teilnehmenden Chöre aus Oberhessen stellt der Kreis-Anzeiger gemeinsam mit dem Wetteraukreis in einer kleinen Serie vor. Den Auftakt macht der Männergesangverein Liederkranz Usenborn.

Der Ortenberger Stadtteil zählt knapp 600 Einwohner. 116 davon sind Mitglied des Liederkranzes, 23 davon sind Sänger. Der Männerchor ist der älteste Verein des Dorfes. In den vergangenen Jahren ist es dem Liederkranz gelungen, einige neue und junge Sänger zu gewinnen.

Warum das so ist, weiß Robert Wegener. Er ist seit 2002 Vorsitzender. »Chorgesang ist wichtig für die Dorfgemeinschaft. Mitglied im Gesangverein zu sein, gehört einfach zum Ort. Und so ist der Liederkranz überall dabei, ob bei der Kirmes oder der Maibaumaufstellung, beim Grillnachmittag oder bei sonstigen Veranstaltungen. Es wird gesungen.«

Die wichtigste Rolle im Chor hat Joachim Lotz. Er ist seit 2014 musikalischer Leiter und Dirigent, mit ihm wurde das Repertoire erneuert und erweitert. Heute ist der Liederkranz Usenborn breit aufgestellt und singt Volkslieder, Kirchenlieder und Pop in deutscher, englischer und französischer Sprache.

Seinen größten Erfolg verbuchte der Verein im Jahr 2016: Für das am besten gesungene Volkslied erhielt der Liederkranz beim Chorwettbewerb in Bad Salzhausen das Gold-Diplom.

Ein Chor mit Haltung

»Chorgesang ist Mannschaftssport«, sagt Joachim Lotz, »da braucht es Disziplin, man muss sich selbst auch zurücknehmen und sich in den Chor integrieren.« Die Kunst sei es, aus den leisen und den kräftigen Stimmen ein Gesamtgebilde zur formen.

Zur Chorprobe kommen knapp 20 Männer im Alter zwischen 15 und 75 Jahren. Sie beginnt mit Tonleitern, die auf und ab gesungen werden. Chorleiter Lotz erinnert auch an die hohen Basslagen und dass es dann wieder ganz tief nach unten geht. Er gibt den Takt vor, gestikuliert, legt beide Hände auf die Kiefergelenke, um zu zeigen, dass im geöffneten Mund der Ton erzeugt wird.

»Willenlos« von Marius Müller-Westernhagen wird a cappella gesungen. Dann kommt ein Gospel, der den Sängern viel abverlangt. Die hohe Taktzahl lässt sie an ihre Grenzen kommen. »All my sins been taken away, taken - ta-ha-ken away. Mit vielen H.s am Ende«, sagt Dirigent Lotz.

Ein klassisches Wander- oder Abschiedslied ist »Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus«, das schon Elvis Presley interpretiert hat, aber vom Liederkranz Usenborn deutlich peppiger gesungen wird. Die Texte sind unterschiedlich, sie reichen von modern bis zum traditionellen Volkslied, bei dem es oft um die Liebe zu einem Mädchen geht.

Nicht alle Lieder werden von allen Sängern geschätzt. Wenn das Jägerlied erklingt und von der Freude am Schießen gesungen wird, mag nicht jeder zustimmen. Aber es gehört dazu, dass auch Stücke akzeptiert werden, die nur wenigen gefallen - schließlich geht es um die Vielfalt und Breite des Repertoires.

Zum Abschluss wird noch ein modernes und aktuelles Lied geprobt. »Prayer of the children« (Das Gebet der Kinder) hat der Autor Kurt Bestor anlässlich des Krieges in Jugoslawien komponiert und getextet. Heute erinnert es an die Leiden der Kinder im Ukraine-Krieg.

»Wir sind kein politischer Chor«, sagt Vorsitzender Wegener, »aber wir sind ein Chor mit Haltung. Dazu gehört es auch mit, solchen Liedern aufzutreten.«

Zwei Stücke des Liederkranzes aus Usenborn kann man sich auf der YouTube-Seite des Wetteraukreises anhören: www.youtube.com, Stichwort Wetteraukreis.

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