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Gesundheitsamt des Wetteraukreises sperrt den Gederner See

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Blick über den Gederner See: Wo sich an einem sonnigen Sommertag Hunderte am Strand und im Wasser tummeln, herrscht gähnende Leere. © Judith Seipel

Die Badesaison ist vorläufig beendet. Regen, der zu einer Verbesserung der Wasserqualität und damit zur Aufhebung des Badeverbotes führen könnte, ist weiterhin nicht in Sicht.

Weit über tausend Tagesgäste tummeln sich an einem sonnigen Sommerferientag am und im Gederner See. Dazu kommen die Urlauber und Dauercamper vom Campingpark und aus dem Feriendorf. Dem munteren Treiben auf dem idyllisch gelegenen Fleckchen Erde hat das Gesundheitsamt des Wetteraukreises nun vorläufig ein Ende gemacht. Aus der Warnung vor einer Verunreinigung des Gewässers durch Blaualgen, die seit Mitte Juli galt, ist am Dienstagnachmittag ein Badeverbot geworden.

Am Montag hatte das Gesundheitsamt an vier verschiedenen Stellen Gewässerproben gezogen und am Folgetag, nachdem das Labor eine starke Erhöhung der sogenannten Cyanobakterien nachgewiesen hatte, umgehend per Fax ins Rathaus das Verbot erlassen. »Dabei wird es wohl vorerst bleiben, denn Regen, der die Wasserqualität verbessern könnte, ist nicht in Sicht«, sagt Bürgermeister Guido Kempel.

Mitarbeiter des Campingparks haben gestern vormittag den Sandstrand und das Seeufer auf der Gederner Seite mit Flatterband abgesperrt und große Hinweistafeln aufgestellt: »Badeverbot«. Einzig die Tretboote dürfen noch aufs Wasser und werden weiterhin vermietet. Dabei waren erst vor drei Wochen, rechtzeitig zum Beginn der großen Ferien, die schwimmenden Inseln des Aquaparks auf dem Grund des Sees verankert worden.

Kostenlos

ins Hallenbad

Wo normalerweise junge Menschen ausgelassen johlen und toben, herrscht irritierende Stille. Ein einziger Strandkorb ist belegt, vereinzelt liegen Sonnenanbeter auf der verbrannten Wiese. Fröhlichkeit versprühen nur ein paar junge Leute, die Volleyball spielen. So mancher Tagesgast hat sich vermutlich zunächst gefreut, weil entgegen der Erwartung so viele Parkplätze frei waren. Die Ernüchterung kam an der Schranke. Erst gegen Mittag veröffentlichte die Stadt auf der Homepage des Campingparks einen Hinweis auf das Badeverbot.

Enttäuschung auch bei den Urlaubern: Statt Badehose und Handtuch zu schnappen und über den Platz zum Strand zu schlendern, packten einige Campinggäste gestern vormittag ihre Klamotten zusammen, bauten die Zelte ab und traten die Heim- oder Weiterreise an. »Wer an einem See zeltet oder campiert, der möchte natürlich auch baden«, zeigt Kempel Verständnis für das Verhalten der Urlauber.

Die Stadt ist um Ausgleich bemüht und bietet jenen Gästen, die bleiben oder trotz des Badeverbots ihren Urlaub am Gederner See verbringen wollen, an. ab Samstag, 13. August, kostenfrei das städtische Hallenbad zu besuchen. »Dafür weiten wir die Öffnungszeiten aus auf täglich von 10 bis 21 Uhr.«

Möglich ist das Angebot nur, weil die Stadt in diesem Jahr zum ersten Mal ein Unternehmen für die Sicherstellung der Badeaufsicht am See engagiert hat. Statt am See werden die Rettungsschwimmer nun im Hallenbad eingesetzt. »Das Unternehmen ist uns da zum Glück sehr entgegen gekommen, so dass wir unseren Vertrag erfüllen können«, ist Kempel erleichtert. Die erweiterten Öffnungszeiten und der kostenfreie Eintritt für See-Urlauber sollen bis zum Ende der hessischen Sommerferien gelten.

Nichts los

am Kiosk

Gäste, die ihren Urlaub noch vor sich haben, wurden vom Campingpark umgehend über das Badeverbot informiert. Sie haben die Möglichkeit, zu stornieren und sollen davon auch Gebrauch gemacht haben. »Es gibt zwar einige Nachrücker auf der Warteliste, aber die meisten möchten natürlich den See auch nutzen, wenn sie hier sind«, sagt ein Mitarbeiter des Campingparks.

An Tagen wie diesen, wenn die Sonne vom Himmel knallt und es so richtig brummt, geben Kioskbetreiber Simone Rogani und sein Team Currywurst und Pommes im Minutentakt raus. Eigentlich. Die Sonnenterrasse wäre proppenvoll und die Kasse würde klingeln. Gestern freute er sich, dass wenigstens eine größere Männer-Wandergruppe bei ihm Rast einlegte.

»Die Saison war bisher so gut. An den Feiertagen ging es hier nur zack, zack, zack. Das ist jetzt ein richtiger Cut«, so Rogani. Er sieht die Situation dennoch gelassen. Was kann er auch tun. Seit März wohnt er am See und hat bisher an jedem Tag gearbeitet. »Ich will mich nicht beklagen. Es ist ein Saisongeschäft an einem wunderschönen Platz,« sagt er, »aber so macht es einfach keinen Spaß.«

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Die Rettungsschwimmer werden im Hallenbad arbeiten. © Judith Seipel

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