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Mit Digitalkamera und Robotertechnik werden die Objekte erfasst. 

Glauberg

Glauberger Keltenwelt in 3D

Museumsexponate werden aufwendig digitalisiert. Das Projekt ist auf mehrere Jahre ausgelegt.

Den Keltenfürst als dreidimensionale Abbildung in einem Raum projizieren oder Fundstücke wie eine 2500 Jahre alte Kannen nahezu originalgetreu ausdrucken? Die Voraussetzungen hierzu werden derzeit im Museum Keltenwelt am Glauberg geschaffen.

Dieser Tage ist das Projekt „3D-Digitalisierung“ in Kooperation mit dem Frauenhofer Institut und der Restaurationwerkstatt von Archäologie Hessen angelaufen. In einer ersten Phase sollen die rund 200 Objekte der Dauerausstellung mit hochauflösender Kameratechnik dreidimensional gescannt werden. Später würden auch die Objekte im Depot an die Reihe kommen. Über die Höhe der Kosten gibt es noch keine konkreten Angaben.

Grabbeigabe des Keltenfürstes wird für den Scan vorbereitet. 

Das Projekt ist auf mehrere Jahre angesetzt. Eine genaue Zeitspanne sei schwierig vorzugeben, sagt Projektkoordinator und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museum Christoph Röder auf Anfrage der FR. Die Arbeit sei sehr aufwendig. Allein der Scan für ein Vase dauere drei bis vier Stunden, hinzu kommen 15 bis 30 Stunden Nachbearbeitung. Dabei rechnet ein Hochleistungs-PC die vielen Einzelbilder zu einem virtuellen Objekt.

„Mit der 3D-Digitalisierung eröffnen sich für die internationale Forschung wie auch für die Besucher der Keltenwelt neue Möglichkeiten“, sagt Röder. Die Auflösung der Abbildung sei sehr hoch, so dass Archäologen in aller Welt sehr genaue Studien an den Objekten vornehmen könnten. Überdies erlaube die Technik eine Vergrößerung von feinsten Details, etwa Verzierungen oder kleinster Exponate, die so neben dem Original dem Besucher präsentiert werden können. Die 3D-Erfassung dient jedoch nicht zuletzt der Archivierung der einmaligen Fundstücke.

„Wenn die Daten erst einmal vorliegen, lassen sie sich für alle Arten der Ausgabe aufbereiten“, sagt Röder. Denkbar seien etwa 3D-Brillen für den intensiveren visuellen Eindruck oder eben das Printen mit farbigen Material. Erste Versuche habe das Frauenhofer-Institut bereits unternommen. Eine Auswahl der 3D-Abbildungen soll auch auf der neuen Homepage der Keltenwelt gestellt werden, die 2020 geschaltet wird.

Röder ist sich sicher, dass die Besucherzahl nicht zurückgehen wird, weil man sich etwa den Keltenfürst in seiner Körperlichkeit vom Sofa aus ansehen kann. „Das Gemälde ‚Mona Lisa‘ ist überall als Replik zu sehen und dennoch strömen die Menschen in den Louvre, um das Original zu betrachten“, sagt Röder.

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