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Neben füttern und Stall ausmisten nimmt sich Iris Wilfling auch Zeit für Streicheleinheiten wie hier mit Ziege Snowy.

Tierrettung in Niddatal

Gnadenhof Bönstadt: Iris Wilfling hat ein großes Herz für Tiere

Unzählige Tiere hat Iris Wilfling schon vor dem Schlachter gerettet und ihnen eine neues Zuhause geschenkt. Doch der Alltag auf Issis Ranch ist nicht immer einfach.

Auf einer Weide in Richtung Wickstadt grast Noel: Braun gefleckt, mehrere hundert Kilo schwer und mit zwei spitzen Hörnern. Neben dem massigen Bullen sieht Iris Wilfling fast winzig aus. Doch die kleine Frau mit den blonden Haaren hat keine Angst vor ihm. Sie krault ihn hinter den Ohren. Das mag er am liebsten.

Noel ist eines von über 60 Tieren, die auf Issis Ranch am Ortsausgang von Bönstadt leben. Er kam über den Tierschutz Frankfurt auf den Gnadenhof. Weil er mit einem gebrochenen Bein geboren wurde, sollte er geschlachtet werden. Doch dank Iris Wilfling konnte er in Frieden aufwachsen - und er liebt es zu schmusen. "Er wäre, glaube ich, lieber eine Katze geworden", scherzt Sina Glienicke. Sie unterstützt Iris Wilfling an diesem regnerischen Nachmittag auf dem Gnadenhof. "Den könnte man auch mit auf die Couch nehmen, wenn er durch die Tür passen würde."

Gnadenhof Bönstadt: Iris Wilfling aus Niddatal ist täglich im Einsatz

Egal ob bei Regen, Schnee oder großer Hitze - Iris Wilfling ist jeden Tag für ihre Tiere im Einsatz, obwohl sie Vollzeit als Altenpflegerin arbeitet. Füttern, Wasser auf die Weiden bringen, Stall ausmisten, Tierarztbesuche und Einkäufe - darum kümmert sie sich oft ganz alleine. Nur manchmal hat sie Hilfe von Freiwilligen wie Sina Glienicke.

Schon als Kind hat sich Iris Wilfling den Tieren verschrieben. "Damals habe ich einen Hasen vor dem Schlachter - meinem Vater - gerettet", sagt sie. Später kamen weitere Kleintiere dazu. "Das hat zu Hause für Ärger gesorgt." Doch davon hat sich Iris Wilfling nicht abhalten lassen. "Vom Konfirmationsgeld habe ich mir dann einen Traum erfüllt und mir ein Pferd gekauft - ohne die Einwilligung meiner Mutter." Nach und nach nahm sie immer mehr Tiere unter ihren Schutz. So wie Ganter Franz, der "gerade noch so aus dem Topf gehüpft ist", oder die Schweine Piggeldy und Frederick, deren Pflege dem Besitzer doch zu viel Arbeit war. Und auch das Kaninchen, für das nach dem Umzug kein Platz mehr ist, findet auf Issis Ranch ein Zuhause.

Dort ist kein Tag wie der andere. Ein Tier wird krank, ein Zaun geht kaputt oder das Dach ist undicht. "Zum Glück ist mein Arbeitgeber flexibel, und ich kann auch mal schnell weg, wenn zum Beispiel ein Tier abhaut und eingefangen werden muss." Denn die hören eben manchmal nur auf "Mama Iris".

Gnadenhof-Verein in Niddatal gegründet

Die Tiere machen nicht nur viel Arbeit, Iris Wilfling muss auch viele Rechnungen bezahlen. Das kann sie nicht allein von ihrem Gehalt bezahlen kann. Im Sommer hat sich deshalb ein Verein gegründet, der die Arbeit auf dem Gnadenhof unterstützt. Vorsitzende ist Sina Glienicke, doch die Gründerin ist eigentlich eine Schaf-Dame namens Paula - weshalb der Verein auch Issi, Paula und Co. heißt. Ihre Söhne wollten Paula vor dem Schlachter retten, deshalb hat die Familie bei Iris Wilfling angefragt. "Und da Iris so schlecht Nein sagen kann, war auch für Paula noch Platz", sagt Glienicke. Der Hof habe sie sofort begeistert. "Hier dürfen die Tiere leben, wie sie sind, und man sieht, wie gut es ihnen dabei geht. Was Ines hier vollbringt ist eine unglaubliche Leistung." Und das findet nicht nur Sina Glienicke. Viele Bönstadter bringen altes Brot vorbei, in der örtliche Metzgerei steht eine Sammelbüchse für den Gnadenhof.

Für ihre Tiere tut Iris Wilfling alles - und steckt dabei selbst viel zurück. "Ich fahre nicht in den Urlaub und verbringe jede freie Minute auf dem Hof." Warum sie ihre ganze Freizeit opfert? Für die Antwort muss Iris Wilfling nicht überlegen: "Weil ich Tiere über alles liebe. Wenn ich am Abend mit allem fertig bin und die Tiere satt und zufrieden sehe, sind aller Stress und die Anstrengung vergessen."

Besonders ans Herz gewachsen ist Wilfling Hanni, eine Araberstute. Sie ist an Krebs erkrankt und deshalb aus dem Zuchtbetrieb aussortiert worden. Eine Frau kaufte sie frei und brachte sie auf den Gnadenhof. Der Krebs hatte bereits gestreut, Hanni war erblindet. Der Tierarzt prophezeite ihr nur noch wenige Monate Lebenszeit, war nicht mal sicher, ob sie den Winter überstehen würde. Doch dank der Pflege von Iris Wilfling verbrachte die Stute noch fünf glückliche Jahre auf dem Gnadenhof. "Das zeigt, dass es sich für jedes Tier zu kämpfen lohnt."

Gnadenhof Bönstadt: Schweinesuhle soll entstehen

Wer die Pferde, Esel, Alpakas, Ponys, Kühe, Enten, Gänse, Meerschweinchen, Hühner, Hasen, Vögel, Bartagamen, Schildkröten, Chinchillas, Schweine, Ziegen, Igel und Schaf Paula unterstützen möchte, kann dies über ein Spendenkonto tun. Auch über Sachspenden freut sich Iris Wilfling. Vor kurzem wurde ein neuer Traktor angeschafft, das nächste Projekt ist eine Schweinesuhle.

Spendenkonto: Issi, Paula und Co. e.V., IBAN: DE69 5185 0079 0027 1769 68, BIC: HELADEF1FRI, Sparkasse Oberhessen

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