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Gnadenhof ist Geschichte

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Von: red Redaktion

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Das Anwesen wird nicht mehr als Gnadenhof betrieben. FOTO: GST © pv

Vogelsbergkreis (an). Der Gnadenhof in Lanzenhain ist Geschichte. Zwar hatten die Betreiberinnen gegen das Betriebsverbot, das das Veterinäramt des Vogelsbergkreises wegen gravierender Tierschutz-Mängel ausgesprochen hatte, beim Verwaltungsgericht in Gießen Klage erhoben. Doch ließen sie die Klage am Freitag durch ihre Anwälte im Einvernehmen mit den anderen Prozessbeteiligten für »erledigt« erklären, da sie nach Spanien verzogen seien und nicht beabsichtigten, die Einrichtung weiter zu betreiben.

Das Verwaltungsgericht Gießen hatte nur noch darüber zu entscheiden, wer die Kosten des Verfahrens trägt. Das Betriebsverbot bleibt bestehen. Die am Verfahren beteiligten Richter Schmidt, Höfer und Weiß entschieden, dass die Kläger die Prozesskosten zu tragen haben.

Die beiden Frauen hatten auf der Grundlage einer behördlichen Genehmigung den Hof in Lanzenhain betrieben. Erlaubt war es ihnen, 20 Pferde und 29 Hunde zu halten. Allerdings stellte das Veterinäramt mehr als 15 Mal Haltungsmängel fest und untersagte den Betrieb. Zu den Mängeln zählten zu wenige trockene Liege- und Schlafstellen, unzureichende Hufpflege, die Menge an zur Verfügung gestelltem Futter, mangelnde Trinkwasserversorgung sowie zu wenige Unterstände. Das führte dazu, dass der Vogelsbergkreis am 25. Mai 2020 die Erlaubnis zur Tierhaltung widerrief und zugleich unter Androhung von Zwangsmitteln ein Haltungs- und Betreuungsverbot von Pferden anordnete. Die Klägerinnen seien Anordnungen nicht in ausreichendem Maße nachgekommen, sodass davon auszugehen sei, dass den Tieren auch in Zukunft Leiden und Schäden drohten.

Beide Klägerinnen stritten die Vorwürfe ab und beschritten den Rechtsweg. Die Tiere lebten in Freilandhaltung, das Erscheinungsbild der Ponys und Pferde sei dieser angepasst, so ihr Argument. Da beide Klägerinnen zusammen mit einigen Pferden und Hunden mittlerweile nach Spanien umgezogen sind und den Gnadenhof nicht mehr betreiben wollten, wurden die Klagen in der mündlichen Verhandlung übereinstimmend für erledigt erklärt.

Die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Schmidt folgte der Darstellung des Vogelsbergkreises, sodass die beiden Klägerinnen die Verfahrenskosten in Höhe von jeweils 5000 Euro (für zwei Verfahren) zu tragen haben. Dies begründete die Kammer insbesondere damit, dass die Klägerinnen gegen die amtstierärztlichen Feststellungen bei den über 15 Kontrollen des Gnadenhofs wiederholt und grob gegen ihre Pflichten aus dem Tierschutzgesetz verstoßen hätten. Dadurch seien den Pferden und Ponys erhebliche und länger anhaltende Schmerzen und Leiden zugefügt worden.

Die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Gießen sind rechtskräftig (Beschlüsse vom 3. Juni 2022, Aktenzeichen 4 K 2482/21.GI und 4 K 2429/21.GI).

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