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Golfplatz in Eschenrod: Nur die Greens sind noch grün

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Wie in der Natur herrscht auch auf dem Golfplatz in Eschenrod die Farbe Braun vor. © Stefan Weil

Wassersparen ist angesagt. Wasser wird aber andererseits benötigt, um den Betrieb von Anlagen aufrecht zu erhalten. Dazu gehören auch Golfplätze - was mitunter auf Kritik stößt.

Wie reagieren Golfplätze in der Region auf die anhaltende Trockenheit? Und wie meistern sie den Spagat zwischen der Notwendigkeit, Wasser zu sparen, und die Anlagen weiter in Betrieb zu halten? »Wir müssen täglich bewässern«, sagt Jürgen Reichert, Betreiber des 18-Loch-Platzes und Präsident des Golfclubs Eschenrod. Allerdings werde nicht die gesamte Fläche des Geländes oberhalb von Eschenrod an der Bundesstraße von Schotten nach Gedern täglich mit Wasser versorgt.

»Wir bewässern nur die Greens, die direkten Flächen rund um die Löcher. Das sind zusammen etwa 10 000 Quadratmeter. Insgesamt umfasst die Anlage rund 300 000 Quadratmeter. Wir bewässern also nur rund drei Prozent«, betont Reichert.

Das Wasser entnähmen Mitarbeiter aus einem Hydranten am Rande des Golfplatzes und damit aus dem öffentlichen Trinkwassernetz. Die Menge hänge natürlich von den Niederschlägen ab. Blieben die aus, müsse mehr Trinkwasser verwendet werden.

Spezialrasen mit dünnen Wurzeln

Im vergangenen Sommer, als es oft geregnet habe, »war der Kubikmeterverbrauch lediglich im mittleren zweistelligen Bereich«, schildert Reichert. Die beiden Jahre zuvor habe er im dreistelligen Bereich und im Trockenjahr 2018 im unteren vierstelligen Bereich gelegen. Jährlich würden im Durchschnitt aus dem Tiefbrunnen Eschenrod 30 000 Kubikmeter Wasser gefördert.

Normaler Rasen erhole sich auch nach längerer Trockenphase. Für die Greens werde jedoch ein Spezialrasen verwendet, der ganz dünne Wurzeln habe. »Die würden ohne Wasser verbrennen. Dann könnten Risse und andere Unebenheiten im Boden entstehen, die den Lauf der Bälle beeinflussen«, erklärt Reichert. Das habe dann wenig mit Golfspielen zu tun - und an Turniere könne man dann sowieso nicht mehr denken. Ein Green neu aufzubauen, sei eine teure Angelegenheit. »Der Golfverband hat dafür genaue Vorschriften und DIN-Normen. Das würde für jedes Green einige Zehntausend Euro kosten«, sagt der Vorsitzende des Golfclubs.

Auf die große Hitze habe er reagiert. Bewässert werde nur in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. »In der Mittagszeit geht durch die starke Sonneneinstrahlung etwa die Hälfte des Wassers durch Verdunstung verloren. Dem können wir abends und morgens entgegenwirken«, sagt Reichert und verweist darauf, dass das Wasser - bis auf den Verdunstungsanteil - nicht verloren gehe. »Wir geben das Wasser wieder in die Erde zurück. Es fließt ja nicht weg wie bei den Toilettenspülungen.« Es gebe auf dem Platz kein fest installiertes künstliches Bewässerungssystem. Das Wasser werde mit Tankwagen zu den Greens gebracht.

Auf dem Gelände des Golfclubs Eschenrod gibt es auch vier Teiche, die eigentlich für die Bewässerung vorgesehen sind. Sie sollen das Regenwasser zurückhalten. Allerdings versickere aus den Teichen viel Wasser in das Erdreich. In diesem Sommer seien sie trocken, berichtet Reichert.

Eine Lösung wäre das Abdichten mit einer Teichfolie, das sei allerdings sehr teuer, das könne der Verein nicht stemmen, sagt Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab (SPD). Das bestätigt Jürgen Reichert, der auch auf die aktuell stark gestiegenen Kosten, zum Beispiel beim Diesel, beim Einkauf von Düngemitteln oder für die Beschaffung von Ersatzteilen für die eingesetzten Maschinen, hinweist.

Sieben Speicherteiche

Schaab hat dem Verein daher geraten, beim Landessportbund Hessen anzufragen, ob die Teichsanierung als Investition in eine Sportstätte eingestuft werden könnte. »Dann würden auch Fördermittel vom Kreis und der Stadt fließen«, sagt die Bürgermeisterin.

Anders ist die Situation auf dem Golfplatz in Altenstadt. Wie Geschäftsführer Peter Vetter auf Anfrage mitteilt, gibt es auf der Anlage im Norden von Altenstadt sieben Speicherteiche. »Die sind zum großen Teil noch gut gefüllt«, berichtet Vetter. Trotzdem werde die Bewässerung auf ein Minimum reduziert, um mit den Reserven über die Sommermonate zu kommen. Trinkwasser werde nicht verwendet. »Aufgrund der kürzer werdenden Tage und des näher rückenden Herbstes sollten wir keine Probleme mit der Bespielbarkeit des Platzes haben«, betont der Geschäftsführer. Kritik aus der Bevölkerung habe es keine gegeben. »Wir sind für Wetterverhältnisse wie diese vorbereitet, und es ist nicht der erste trockene Sommer, den wir erleben«, sieht Peter Vetter dem weiteren Saisonverlauf optimistisch entgegen.

Aus der Bevölkerung gab es dagegen eine Beschwerde über die Bewässerung auf den Golfplatz Eschenrod. Neben einem anonymen Flugblatt wurde bei der Unteren Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises eine Anzeige wegen Wasserverschwendung erstattet. Der Kreis hat Bürgermeisterin Susanne Schaab daher um eine Stellungnahme gebeten. Darin teilt die Schottener Rathauschefin mit, dass ein Verbot der Bewässerung nach allen Gefahrenabwehrverordnungen nur im Falle eines drohenden Trinkwassernotstandes möglich sei. Einen Notstand gebe es jedoch (noch) nicht. »Sowohl der Eschenröder als auch alle weiteren städtischen Tiefbrunnen weisen keine sinkenden Pegel auf«, berichtet Schaab. Probleme gebe es nur bei oberirdischen Schürfquellen, Bachläufen und privaten Brunnen oberhalb von etwa 450 bis 500 Höhenmetern. VON STEFAN WEIL

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