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Gott will das Leben und nicht den Tod - von Gert Holle

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Von: red Redaktion

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Gert Holle © pv

»Gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten.« - Wie oft haben Christinnen und Christen in aller Welt diese Worte, die die Geschehnisse um Jesus von Nazareth in den Stunden von Karfreitag bis Ostersonntag vor über zweitausend Jahren kurz und knapp zusammenfassen, in unterschiedlichen Sprachen gesprochen.

Jesus ist als der Gekreuzigte auferstanden und hat die Macht des Todes und alle Mächte, die uns fesseln wollen, gebrochen. »Jesus Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!« Das glaube ich, das glauben Christinnen und Christen in aller Welt. »Jesus lebt. Gott will für uns das Leben« - mit diesen etwas anderen Worten sprachen bereits die Frauen, die das leere Grab an Ostersonntag vorgefunden haben, ein wegweisendes erstes Glaubensbekenntnis. Eine Botschaft, von der ein Tag zuvor noch niemand etwas ahnen konnte - und die auch niemand geglaubt hätte. Jesus Christus, Gottes Sohn, der die Qualen bis in den Tod erlitten hatte, um die Menschheit zu befreien von Drangsal, Unglück und ererbter Sünde, hat durch die Auferstehung von den Toten eine Garantie für ein erneutes Leben gegeben - eine Hoffnung, die ein wenig Licht in die Finsternis bringt.

Doch wenn der Osterglaube wirklich in unserem Alltag und vor allem in unseren Herzen ankommen soll und wir es in der Erinnerung an die damaligen Geschehnisse als Fest feiern wollen, dann kann das nur in Freiheit gehen. Anstelle eines unkritischen Verständnisses von Religion an den Tag zu legen, ist es notwendig, in Freiheit auch Fragen an den Glauben zu stellen, so wie es in der Bibel bereits der »ungläubige Thomas« getan hat. Und es braucht verständliche Antworten.

Ostern ist ein Fest der Freude, aber es ist auch ein Ringen um die Köpfe und die Herzen der Menschen und um ihre Hoffnung. Wer auf das Osterlicht vertraut, darf zu den Bildern des Todes in dieser Welt nicht schweigen.

Damit nicht der Eindruck entsteht, Macht und Gewalt hätten doch das letzte Wort.

Ostern bricht die Spirale der Gewalt und steht für einen gewaltfreien Kampf für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Ostern hat als Fest des Lichtes eine zentrale Bedeutung, gerade für die bedrängten Christen in vielen Ländern der Welt.

Ich finde es beeindruckend, wie sich ukrainische Christen gegenseitig in der Zeit des menschenverachtenden Angriffskrieges auf ihr Land in der Hoffnung stärken, dass die Macht des Todes schon gebrochen ist - auch wenn sie sich in diesen Jahren so schrecklich aufbäumt.

In vielen Gottesdiensten wird in Osterliedern eine Erfahrung von Auferstehung mitten im Dunkel des Lebens besungen werden. Über die Gemeinschaft im Gottesdienst hinaus ist tatkräftiger Beistand von allen Seiten erforderlich, der den weltweit bedrängten und vertriebenen Menschen das gibt, was sie in ihrer Not brauchen - der sie tröstet und aufrichtet, der ihnen Lebensmut und Perspektive verleiht. - So ist Ostern im Besonderen ein Fest des Friedens. In Ostermärschen und Kundgebungen wie in Friedberg auf der Seewiese am Montag ab 14 Uhr und überall in Deutschland werden Menschen wieder Zeichen gegen Krieg und Gewalt setzen. Hoffnungsvolle Zeichen, sich dem entgegenzustellen, was tötet und sie werden dafür eintreten, was dem Leben aller dient. Ein Sieg gegen die Mächte des Todes ist nicht auf dem Schlachtfeld zu gewinnen; da bekommt der Kreislauf der Gewalt nur immer neuen Schwung; da wird der Hass nur wieder neu angeheizt; da wächst nur immer neues Elend.

Martin Luther King hat einmal gesagt: »Wer sich dem Gott des Lebens anvertraut, sucht nach dem, was dem Leben dient. Und stellt sich dem entgegen, was tötet.« Gerade das Osterfest zeigt, dass der Tod am Kreuz nicht das Ende bleibt. Es gibt eine Hoffnung, die über den Tod hinausreicht. Gott will das Leben. Und wenn Gott ein Liebhaber des Lebens ist, dann hat das auch Bedeutung für unser Leben - hier und jetzt. Wir könnten genau dies als Ansporn nehmen, wertzuschätzen, was dem Leben dient, nämlich Frieden und Freiheit. Wir könnten intensiv darüber nachdenken, was wir zum Leben wirklich brauchen und ob die Abhängigkeit von zweifelhaften wirtschaftlichen Kooperationen im Sinne unseres Wohlstands nicht dem Freiheitsgedanken zuwiderläuft. - Möge die Kirche im Geist von Ostern für viele Menschen zu einem Kraftzentrum werden, sich aufrecht machen in den Fußstapfen von Jesus Christus und die Gemeinschaft aller, die das Leben lieben, neue Wege des Friedens und der Gerechtigkeit suchen. »Jesus Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!« - Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest. - Ihr Gert Holle

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Gert Holle ist Theologe und Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Ev. Dekanat Büdinger Land

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