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Gottes Lobpreis in vielen Stimmen

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Eine Bandbreite von 400 Jahren Musikgeschichte deckt der Kurt-Thomas-Chor bei seinem Auftritt in der Abteikirche des Klosters Engelthal ab. Zurecht erhalten Sängerinnen und Sänger im Anschluss dafür stehenden Beifall. © Ingeborg Schneider

Mit Werken vom 17. Jahrhundert bis hin zu Gegenwartskompositionen begeistert der Frankfurter Kurt-Thomas-Chor bei seinem Auftritt im Kloster Engelthal seine Zuhörerschaft.

Altenstadt (mü). Mit stehendem Beifall würdigt das Publikum in der Abteikirche des Benediktinerinnenklosters Engelthal das exquisite Konzert des Frankfurter Kurt-Thomas-Chors unter dem Motto »Pater noster«. Unter Leitung von Andreas Köhs, der in der Abtei zugleich Titularorganist ist, spannt das Ensemble einen weiten musikalischen Bogen über 400 Jahre hinweg - von den englischen Komponisten William Byrd und Thomas Weelkes, beide verstorben 1623, über Johann Sebastian Bach bis zu den zeitgenössischen baltischen Meistern Arvo Pärt, geboren 1935, und Peteris Vasks, geboren 1946.

Andreas Köhs übernahm die Begrüßung und umriss das Konzert als großen Lobpreis Gottes in vielen Stimmen und Ausdrucksformen durch die Jahrhunderte, gipfelnd in Peteris Vasks titelgebendem »Pater noster« als Gebet des Herrn.

»Laudibus in sanctus - Lobet Gott in seinem Heiligtum« von William Byrd setzte Jubel und Dank der Schöpfung mit einer großen Vielfalt an Stimmen und tänzerischen Anklängen um, wo der Chor das Musizieren der zarten Zimbeln ebenso darstellte wie den Klang der mächtigen Posaunen.

Anspruchsvolles Repertoire

Zur »Messe für zwei vierstimmige Chöre« von Frank Martin (1890 bis 1974) wechselten die Sängerinnen und Sänger zum ersten, aber nicht zum letzten Mal in diesem Konzert ihre Aufstellung, um die anspruchsvolle Vorgabe von bis zu 14 unterschiedlichen Stimmen realisieren zu können. Martins Werk greift den Ablauf der klassischen lateinischen Messe mit einer Vielzahl von Musikstilen auf - von den Psalmen über die Gregorianik bis hin zu modernen Clustern mit Reibungen und überraschenden Harmonien. Wie Köhs eingangs verdeutlichte, »beließ der Komponist die in den Jahren 1922 bis 1926 entstandene Partitur 40 Jahre lang unveröffentlicht, die Uraufführung in Hamburg fand erst 1963 statt. Frank Martin sagte stets, das Werk sei eigentlich eine sehr persönliche Angelegenheit, eine Sache zwischen Gott und ihm.«

Reizvoll und intensiv, emotional und facettenreich, mit ungewöhnlich zurückhaltender und behutsamer Gestaltung im Sanctus und Benedictus, dann wieder flehend, Gott um sein Erbarmen bestürmend, innig das Geheimnis der Menschwerdung und des Leidens Christi ausmalend und schließlich in die Bitte um Frieden mündend, forderte diese Messe die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums. Sie evozierte starke Bilder und nahm weit über den Glauben des einzelnen hinaus Menschheit und Welt in den Blick.

Werk zum Reger-Jubiläum

Im Rahmen des Max-Reger-Jahrs anlässlich dessen 150. Geburtstags intonierte Andreas Köhs anschließend Praeludium und Fuge in d-moll/D-Dur, opus 65, Nummer 7 und 8. »Beide Werke gehören zu einer Reihe von Charakterstücken, in denen Reger zu Heiterkeit und Gelassenheit findet«, erläuterte der Organist einleitend. Tatsächlich wechselten zahlreiche zarte, sangesähnlichen Passagen mit tänzerischen Synkopen, um im Finale des zweiten Stücks über zahlreiche Stimmungs- und Registerwechsel schließlich in einen vollen, festlichen Schlussklang zu münden.

Von Johann Sebastian Bach erklang wiederum als komplexer Chorgesang »Singet dem Herrn ein neues Lied«. Die Aufforderung »Singet« wurde zunächst vielstimmig und freudig wiederholt, der Mittelteil vom erneut zweigeteilten Chor im Stil eines Dialogs zwischen klassischem Gemeindegesang und konzertanter Reflexion über die Flüchtigkeit menschlichen Daseins vorgetragen. Der abschließende Lobpreis schlug eine Brücke zwischen Himmel und Erde, denn in den Gesang der Gläubigen mischte sich das Gloria der Engel.

»The Deer’s Cry« von Arvo Pärt gestaltete sich als innovativer, spannungsreicher und dynamischer Wechselgesang zwischen dem melodieführenden Sopran und den übrigen Stimmen, der auf das perfekte Zusammenspiel zwischen Dirigent und Chor angewiesen war.

Von Thomas Weelkes stammten das Maginificat als Lobgesang Mariens und ebenso das »Nunc dimittis - Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren« des greisen Propheten Simeon, der einst das neugeborene Jesuskind in seinen Armen halten durfte. Den Abschluss des stimmig arrangierten und emotional bewegenden Konzerts bildete das »Pater noster« von Peteris Vasks, das als inniges Gebet Jesu jeglichen anderen Lobpreis überhöhte und die wichtigsten Bitten der Menschheit eindringlich zusammenfasste.

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