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Gymnasium Nidda erteilt Rassismus eine Absage

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Momentaufnahmen mit wenigen Strichen - erste Ergebnisse des Comic-Workshops. FOTO: PM © Ingeborg Schneider

Die Schulgemeinde des Gymnasiums in Nidda wählte eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen rund um Rassismus und Ausgrenzung. In diesem Rahmen gab es einen Comic-Workshop.

Seit Mitte 2021 läuft am Gymnasium Nidda eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage«. Im Frühjahr haben sich 87 Prozent der Schulgemeinde dafür ausgesprochen, dass das Gymnasium dem gleichnamigen bundesweiten Netzwerk beitritt. »Man wählt damit eine Schulgemeinschaft, die sich aktiv gegen menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Muslimfeindlichkeit, Abwertung von Menschen mit Handicap oder der Herabwürdigung von Mädchen und Frauen einsetzt und dabei auch das eigene Verhalten immer wieder auf den Prüfstand stellt«, erläutert Schulsozialpädagoge Marc Lang, der den Prozess in enger Kooperation mit der Schulleitung, dem Kollegium, den Eltern und der Schülervertretung angestoßen hat.

Im Rahmen dieses Weges sind die jüngsten Aktivitäten am Gymnasium zu sehen, wie die »Internationalen Wochen gegen Rassismus« sowie die Behandlung des Themas in den Fächern Deutsch, Kunst, Religion/Ethik, Politik und Wirtschaft. Zahlreiche weitere Aktivitäten sind geplant.

Am heutigen Freitag wird im Kunstraum des Gymnasiums eine Ausstellung mit dem Titel »Plakate gegen Rassismus - Plakate für Courage« des Leistungskurses Q2 der Oberstufe unter der Leitung des Pädagogen und Künstlers Matthias Weidmann eröffnet, die in den Pausen, nach Absprache aber auch zu anderen Zeiten und von externen Besuchern besichtigt werden kann.

Weidmann, der als Klassenlehrer der Klasse 10b dort Deutsch unterrichtet, hat diese etwas jüngere Gruppe von Schülerinnen und Schülern zudem angeregt, im Rahmen der Wetterauer Diversity-Wochen an einem vierstündigen Comic-Workshop mit den beiden Teamern Kai Schmitz und Jonas Möhring von der Gruppe »1-2-3 Comics« aus Berlin teilzunehmen. Der Workshop wurde vom Wetteraukreis angeboten und finanziert, berichtet Weidmann. »Die erfahrenen Comic-Künstler leiteten die Klasse an, mit wenigen Strichen eigene einfache Comic-Figuren zu entwerfen, ihnen einen Charakter zu geben und Ideen für kurze Storys zu entwickeln.« Rasch füllten sich alle freien Wandflächen des Klassenraums mit den Zeichnungen und Ideenskizzen, die Zeit reichte kaum aus, alle kreativen Einfälle zeichnerisch umzusetzen.

Das Thema Identitäts- und Sinnsuche, das Spiel mit den eigenen Möglichkeiten und Grenzen sei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr nahe, erläutert der Pädagoge und Künstler, der an dem Workshop selbst quasi wie ein Mitglied seiner eigenen Klasse teilnahm. »Wir haben zunächst aus Einzellern Einkörperwesen entwickelt, sie zu Kopffüßlern und Zweikörperfiguren zusammengesetzt, und sind der Frage nachgegangen: Wie zeichnet man aus einem U ein Gesicht und wie gibt man zeichnerisch Emotionen wieder?«, sagt Weidmann.

Wie verändert man Klischees?

Dann ging es darum: Wie macht man Parameter wie Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Kultur sichtbar, welche Klischees verwendet man, wie könnte man diese verändern? Schließlich ging es an das echte »Character-Design«, bei dem einer Figur außer ihrem Aussehen auch Stärken, Schwächen, eine Mission und schließlich ein Name beigelegt werden.

Um abschließend die Figuren in Bewegung zu setzen und zu einer Comic-Geschichte zu gelangen, initiierten die beiden Profis einen Konflikt. »Ein Charakter sollte den anderen stören und aus diesem Geschehen sollten durch Weitergeben der Anfangsblätter innerhalb jeder Arbeitsgruppe zwei mögliche Alternativen entwickelt werden, wie die Geschichte weitergehen könnte«, erklärt Matthias Weidmann. War die Story soweit gediehen, wurden die Blätter zurück an die erste Station gereicht und dort entschied sich der Initiator für eine der beiden Alternativen, sodass am Ende eine kurze Geschichte aus sechs Bildern vorlag.

Die Deutschklasse sei, ebenso wie sein Leistungskurs Kunst in Sachen Plakate, mit großem Elan und viel Motivation zu Werke gegangen, resümiert der Pädagoge.

Die Fragen »Wer bin ich? Wer sind die anderen? Wohin möchte ich gehören, wo werde ich ausgegrenzt, wo und wie grenze ich mich selbst ab?« spielten erkennbar eine große Rolle. Der Comic-Workshop habe zudem bewiesen, wie schnell man tiefgehende Fragen prägnant zu Papier bringen könne.

»Die Jugendlichen waren selbst überrascht von ihren Ergebnissen und fanden den Workshop viel cooler, als sie es erwartet hätten.« Auch die Teamer hätten sich mehr als zufrieden mit der Begeisterung, Motivation und Konzentration in der Klasse gezeigt.

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