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Hanflabyrinth öffnet - Berauscht der Trip durchs Feld?

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Von: Constantin Hoppe

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Auf drei Hektar Fläche entsteht in Pohl-Göns ein Hanflabyrinth - Sorgen um einen Drogenrausch muss man sich darin aber nicht machen. © Constantin Hoppe

In der Wetterau öffnet an diesem Wochenende ein Hanflabyrinth seine Pforten. Auf sechs Kilometern Länge kann man nun durch die Felder irren. Ist dabei ein Rausch zu erwarten?

Spaziergänger in Pohl-Göns konnten sie bereits seit einiger Zeit sehen: Eine riesige Hanf-Plantage direkt am Ortsrand des Butzbacher Stadtteils. Auf fast drei Hektar Fläche sind die unverkennbaren Blätter der Cannabis-Pflanze zu sehen. Etwa eine Drogenplantage im offenen Feld? Weit gefehlt, denn was an dieser Stelle wächst, das ist Nutzhanf - ganz ohne die berauschende Wirkung, die die meisten mit Cannabis in Verbindung bringen. Stattdessen soll man sich in den kommenden Wochen zwischen den Hanfpflanzen verirren können - und das ganz ohne Dröhnung.

»Wir wollen den Menschen die Angst vor der Hanfpflanze nehmen«, sagt Walter Strasheim-Weitz. Er lebt in Pohl-Göns, ist Aufsichtsratsvorsitzender der Hanffaser Uckermark eG. Ihm geht es vor allem darum, den Hanf als vorzügliche Kulturpflanze wieder stärker ins Bewusstsein zu bringen. »Lass uns doch mal was mit Hanf machen«, sagte er deshalb vor zwei Jahren zu Landwirt Steffen Buß, der Experimenten nie abgeneigt ist. Und dieser sagt heute: »Da hat er bei mir natürlich offene Türen eingerannt.« Gemeinsam machten sich die beiden Pohl-Gönser daran, ihre Idee für ein Hanflabyrinth in der Wetterau auszuarbeiten.

Hanflabyrinth Butzbach: Sechs Kilometer lange Wege

Nach dem Start im vergangenen Jahr gibt es in diesem Sommer die zweite Auflage: Rund sechs Kilometer lang sind die angelegten Wege, die sich durch das drei Hektar große Hanffeld ziehen - im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Fläche damit verdoppelt.

Die Verwendung des Hanfs als Droge klingt bei Gesprächen mit Besuchern immer wieder an, diese Erfahrung haben Buß und Strasheim-Weitz bereits im vergangenen Jahr gemacht. »Es gibt kein Thema, über das hier so viel gesprochen wird, wie über die berauschende Wirkung von Hanf«, berichtet Buß. »Auch die Behörden kontrollieren, wie hoch der THC-Gehalt in den Pflanzen ist.«

Hanflabyrinth Butzbach: »Erleben Menschen, die Angst vor der Pflanze haben«

Sollte der THC-Gehalt bei mehr als 0,2 Prozent liegen, müssten die Pflanzen vernichtet werden. Bei medizinischem Cannabis oder der illegalen Verwendung liegt der THC-Gehalt um ein Vielfaches höher. »Wir erleben hier immer wieder Menschen, die wirklich Angst vor der Pflanze haben, wegen ihres Rufs als Drogengrundlage. Dabei ist Hanf für so viel mehr gut«, sagt Strasheim-Weitz.

Dieses einseitige Image des Hanfs als Rauschpflanze stört ihn schon lange. Viel lieber erzählt er von gutem Hanföl und der Qualität von Hanffasern, von der Anspruchslosigkeit der Pflanze im Anbau, von den Vorzügen in der Fruchtfolge und für den Boden. Auch für Tees oder als Gewürz eignet sich Hanf hervorragend. »Und der Hanf will am liebsten in Ruhe gelassen werden. Er braucht keinen Dünger, nur wenig Wasser und keine Pflanzenschutzmittel«, erklärt Landwirt Buß.

Hanflabyrinth Butzbach: Immer wieder werden Hanf-Pflanzen gestohlen

Aus dem in Pohl-Göns angebauten, sehr faserreichen Hanf der Sorte »Fedora« lässt sich Einstreu oder Brennmaterial herstellen. »Gegen Ende der Wachstumsperiode sind die Stängel des Hanfes weitestgehend verholzt. So entsteht auf einem Hektar Fläche in kürzester Zeit dreimal so viel Holz wie auf einer gleichgroßen Waldfläche«, erklärt Buß. Andere Sorten eignen sich dagegen besser zur Ölherstellung. Genau diese verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten wollen die beiden Partner den Besuchern im Labyrinth näherbringen.

Dabei machten sie im vergangenen Jahr durchaus skurrile Entdeckungen. »Immer wieder wurden Pflanzen vom Acker gestohlen«, berichtet Strasheim-Weitz. Besonders kurios: Während der Öffnungszeiten haben die Veranstalter die Hanfpflanzen am Ackerrand an Besucher verschenkt, ein Diebstahl wäre nicht nötig gewesen. »Einmal hat ein Mann einen ganzen Rucksack voller Hanfpflanzen mitgehen lassen. Das haben wir gesehen, aber er war eindeutig berauscht und sehr aggressiv. Wir wollten keinen Ärger haben und haben ihn deshalb machen lassen«, sagt Strasheim-Weitz.

Hanflabyrinth Butzbach: Hanf erreicht Höhe von drei bis vier Meter

Was der Mann danach mit den Pflanzen gemacht hat, können Buß und Strasheim-Weitz nur spekulieren - eine berauschende Wirkung haben die Pflanzen ja eben nicht. »Man müsste schon eine Tonne davon rauchen, um eine Wirkung zu spüren«, meint Strasheim-Weitz.

Zum Start an diesem Wochenende sind die Hanf-Pflanzen noch recht klein. 50 bis 60 Zentimeter messen die größten aktuell. Strasheim-Weitz erläutert: »Wir eröffnen in diesem Jahr absichtlich so früh. Nach Möglichkeit wollen wir die Besucher dreimal hierherlocken, damit sie die Entwicklung der Pflanze erleben können.«

Denn schon in zwei Wochen wird der Hanf über 1,5 Meter hoch sein. Spätestens Mitte August wird er eine Höhe von drei bis vier Metern erreichen. »Dann«, sagt Buß, »ist es hier wie in einem Dschungel.«

Info: Öffnungszeiten

Das Hanflabyrinth in Pohl-Göns ist vom 25. Juni bis zum 11. September an allen Samstagen von 10 bis 21 Uhr und an allen Sonntagen von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Unter der Woche ist ein Besuch dienstags, mittwochs und freitags von 13 bis 19 Uhr möglich. Während der Sommerferien vom 23. Juli bis zum 4. September wird zudem donnerstags von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Weitere Information findet man auf der Homepage des Hanflabyrinths: www.halawe.de.

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