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Hans-Peter Seum: Für Nidda und seine Menschen

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KALOK23-B_103704_4c © pv

Nach zwölf Jahren endet kommenden Dienstag die Amtszeit des Bürgermeisters. Im Interview mit dieser Zeitung zieht der 63-Jährige ein Resümee, spricht über schöne Momente und Aussichten.

Es sind die letzten Tage vor der Übergabe der Amtsgeschäfte nach zwölf Jahren. Wie erleben Sie diese Phase?

Für mich gehen nicht nur zwölf Jahre als Bürgermeister, sondern auch beinahe 40 Jahre Arbeit im Rathaus Nidda zu Ende. Ich habe natürlich bis zuletzt einen vollen Terminkalender und viele Begegnungen, sodass noch so recht gar keine Gelegenheit war, innezuhalten und zu resümieren.

In Ihrem Dienstzimmer sind verschiedene Andenken und Geschenke. Welche werden auch bei Ihnen zu Hause einen besonderen Platz einnehmen und warum?

Jedes Geschenk wird in meinem Herzen bleiben. In der Zeit ist eine ganze Sammlung an Bildern und Zeichnungen entstanden, die ich archiviert habe und mich noch lange erfreuen werden. Ganz besonders werde ich ein Plakat in Erinnerung behalten, das mir ein an Leukämie erkranktes Kind aus Dankbarkeit für unsere Hilfe und Unterstützung geschenkt hat.

Eine Übergabe in diesen schweren Zeiten ist bestimmt nicht einfach, zahlreiche Themen überschneiden sich. Wie kann man sich den Wechsel vorstellen?

Mein Nachfolger und ich tauschen uns schon seit einiger Zeit über die laufenden Projekte aus. So ist gewährleistet, dass er auf dem Stand der Dinge ist und gemeinsam mit den Mitarbeitern im Rathaus die Projekte unmittelbar weiterführen kann.

Als Sie im Frühjahr ankündigten, nicht mehr antreten zu wollen, waren viele geschockt. Was war der Grund für Ihren Rückzug?

Das Bürgermeisteramt ist eine sehr intensive Aufgabe und mit nun 63 Jahren musste ich mir die Frage stellen, ob ich das noch mal sechs Jahre machen möchte. Ich habe diese Entscheidung gemeinsam mit meiner Familie getroffen. Immer, wenn ich mal ins Wanken geriet, habe ich auf ein Bild meines Enkels geschaut und war mir dann wieder sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Das Jubiläum 50 Jahre Großgemeinde Nidda konnte wegen der Pandemie nur auf kleiner Flamme gekocht werden. Welche Hauptaussage ist nach diesen 50 Jahren voller Entwicklungen die wichtigste?

Das Projekt Großgemeinde wird nie abgeschlossen sein. Es ist Verpflichtung und Auftrag zugleich, gemeinsam für die Großgemeinde die richtigen Entscheidungen zu treffen, sie weiterzuentwickeln und gleichzeitig aber die Individualität der 18 Stadtteile zu respektieren und zu erhalten.

In den Ortschaften sind es gerade die Dorfgemeinschaften, die in diesen schweren Zeiten manche Mitbürger aufgefangen haben. Auch die autarke Energieversorgung wird in einigen Städten und Stadtteilen diskutiert. Stärken Krisen die Bedeutung des dezentralen Engagements?

Krisen stärken zumeist den Zusammenhalt und fördern soziales Engagement. Vertraute Strukturen und die Angebote vor Ort haben sicher in der Zeit der Pandemie für viele hilfreich gewirkt.

Der Interkommunale Gewerbepark in Borsdorf könnte als grünes, regionales Vorhaben ein Aushängeschild der Region werden, das im Gegensatz zu den überregionalen Logistikzentren steht. Welches sind die nächsten Schritte für Borsdorf?

Es ist ein schon seit fünf Jahren von uns forciertes Projekt. Wir stehen heute vor der Bildung eines Zweckverbandes, für den in den teilnehmenden Städten und Gemeinden gerade die Gremienbeschlüsse herbeigeführt werden.

Die Ansiedlung des Lumos-Kinos war von Hürden geprägt und erforderte einen langen Atem. Welche Bedeutung hatte dies für Nidda?

Das Lumos ist für die Stadt Nidda und die ganze Region ein Glücksfall. Ich bin mehr als glücklich, dass letztlich viele Partner geholfen haben, das Projekt zu realisieren. Das Kino ist zum Publikumsmagneten und Aushängeschild unserer Stadt geworden. Für Jung und Alt ist es gleichermaßen Treffpunkt für kulturelle und gastronomische Vielfalt. Selbst durch die Pandemie haben sich die Geschäftsführer nicht unterkriegen lassen und auch in dieser Zeit die Weiterentwicklung vorangetrieben.

Welches war der schönste Moment Ihrer Laufbahn, welches war die schwärzeste Stunde?

Für mich sind und waren die vielen Begegnungen mit den Menschen unserer Stadt und Region die Momente, für die ich das Amt gerne und von morgens bis abends engagiert ausgeübt habe. Wir hatten viele auch schwierige Momente auszuhalten. Ob die Hochwasserkatastrophe oder die Flüchtlingskrise - immer hat sich aber auch unglaublich solidarischer Zusammenhalt gezeigt, der uns gemeinsam den Weg leichter gemacht hat.

Welches Projekt hätten Sie gerne noch bis zum Schluss begleitet?

Da gibt es einige Projekte, die wir auf den Weg gebracht haben und die mir besonders am Herzen liegen. Ob die interkommunale Landesgartenschau, die Weiterentwicklung der Stadtteile und Bad Salzhausens, der Neubau des Finanzamtes mit der Schaffung von zahlreichen zusätzlichen Arbeitsplätzen, die Digitalisierung mit der Zurverfügungstellung von ultraschnellem Internet, der Neubau einer Kindertagesstätte in der Kernstadt, die Ortsumfahrung von Borsdorf, das Stadtentwicklungskonzept für die Schillerstraße, die energetische Sanierung kommunaler Liegenschaften oder die weitere Umsetzung des Bedarfs- und Entwicklungsplans für unsere Feuerwehren mit dem Neubau von Feuerwehrgerätehäusern in Stornfels, Ober-Widdersheim und Ober-Lais - das sind wirklich nur einige Beispiele.

Wo sehen Sie die Großgemeinde in zehn Jahren?

Die Großgemeinde ist ein stetiger Prozess. Ich wünsche uns die erfolgreiche Fortsetzung unserer begonnenen Projekte, dass eine weitere auch verkehrstechnische Annäherung an das Rhein-Main-Gebiet gelingt und wir trotzdem unseren ländlichen Charakter, der von den Menschen gelebt und geliebt wird und der uns allen eine hohe Lebensqualität sichert, gewahrt bleibt.

Den Übergang aus einem Amt solcher Tragweite zu einem reinen Privatier kann man sich kaum vorstellen. Was werden Sie mit Ihren freien Stunden anfangen?

Das ist für mich ein wirklich spannendes Projekt. Zunächst muss ich zur Ruhe finden. Dabei wird mir meine Familie helfen und nach einer Weile des Durchatmens werde ich sicher wieder neue Herausforderungen annehmen.

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myl_HAns-PeterSeum_Lenz__4c © Myriam Lenz

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