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Happy Birthday, Seven

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Seven sei vermutlich der älteste Hund Deutschlands, sagen ihre Halter Jürgen und Irene Krieg aus Usenborn. Nachweisen lässt sich das freilich nicht. Unbestritten aber ist, dass der große Hütehund-Mix ein biblisches Alter erreicht hat.

Keine Frage, das Leben mit einem alten Hund ist anstrengend. Seven hört und sieht nicht mehr gut und das Laufen ist beschwerlich geworden. Nachts müssen Jürgen und Irene Krieg - meistens Irene, denn »sie kriegt das eher mit«, sagt Jürgen - mehrmals aufstehen und den Hund in den Garten lassen. Manchmal sind sie nicht schnell genug, dann geht schon mal was daneben. So ist das halt. Seven ist steinalt. Heute wird der Hütehund-Mix 19 Jahre und ist damit vermutlich einer der ältesten Hunde in Deutschland. Ihre Halter haben bei ihrer Internet-Recherche zumindest keinen Hund gefunden, der älter ist als ihre Seven, schon gar nicht in der Gewichtsklasse mit 30 Kilogramm.

» 19 Jahre sind für einen Hund dieser Größe wirklich ungewöhnlich. Mir ist in meiner langjährigen Berufspraxis noch kein großer Hund begegnet, der so alt geworden ist«, sagt der Gederner Tierarzt Dr. Peter Kroth. Kleine Hunde würden in Ausnahmen schon mal 17 oder 18 Jahre alt. »Aber ein 19 Jahre alter Hütehund, das ist der Johannes Heesters unter den Hunden«, scherzt Kroth. Mit 14, 15 Jahren sei ein großer Hund eigentlich schon »steinalt«.

Der Welpe, der nicht trinken will

Als Seven im Jahr 2003 bei den Kriegs zur Welt kam, war sie - der Name verrät es schon - der siebte und letzte Welpe des Wurfes. »Sie kam mit deutlichem Abstand zu ihren Geschwistern, war das schwächste Junge und hatte keinen Saugreflex«, erinnert sich Jürgen Krieg. Weil das Hundchen die Zitzen der Mutter verweigerte und partout nicht trinken wollte, habe sie schon daran gedacht, das Tier zu erlösen, erzählt Irene Krieg. Ihr Mann habe dann einen letzten Versuch unternommen, mit den Fingern das kleine Maul geöffnet und die Handvoll Hund angelegt. »Und von da an ging es bergauf«, sagt Jürgen Krieg. Die Hündin sei immer unkompliziert gewesen, unscheinbar und friedlich, weder aufdringlich noch dominant. »Sie war einfach immer da«, sagt ihr Halter.

Ärger, wenn man so will, hat sie nur einmal gemacht. Vor neun Jahren sei sie ausgebüxt und habe sich mit dem Irish Setter des Fürsten eingelassen, berichtet Jürgen Krieg. Der schwarze, bildschöne Albert, eines der Ergebnisse dieser kurzen Liaison, blieb bei den Kriegs, die anderen Welpen wurden, wie schon Sevens Geschwister, an Familien vermittelt. Hunde, sagen die Kriegs, gehören einfach dazu.

Deshalb fällt es ihnen auch nicht schwer, ihr Leben den Bedürfnissen des betagten Tieres anzupassen und auf manche Annehmlichkeit zu verzichten. Sevens Wohlergehen bestimmt in weiten Teilen den Familienalltag: Urlaube oder Wochenendausflüge sind ausgesetzt, weil der Hund nicht lange alleine bleiben kann. Der Umbau der Terrasse ist auf unbestimmt verschoben, weil dort Sevens Lieblingsplatz ist, »den wollen wir ihr nicht nehmen«. Im riesigen Garten hat Jürgen Krieg sämtliche Treppenstufen entfernt und rutschfeste Matten ausgelegt, damit Seven barrierefrei ihre Kontrollgänge machen kann.

Eine Torte mit 19 Würstchenkerzen

Denn ihre Gene schlagen noch immer durch. Mutter Altdeutscher Hütehund, Vater Kuvasz, Arbeitshunde beide, eigenständig und selbstbewusst, gezüchtet fürs Hüten, Wachen und Beschützen. Auch wenn Seven ihrem Sohn Albert nicht mehr hinterherjagen kann, so ist sie doch am Geschehen rund um Haus und Garten interessiert. Bis auf ein Schmerzmedikament, so Irene Krieg, verabreichen sie dem Hund keine Medizin. In den Napf komme hochwertiges Trocken- und Nassfutter, ab und an gibt es einen Knochen oder rohes Fleisch. »Wenn Fütterungszeit ist, ist Seven nach wie vor pünktlich zur Stelle.« Zum heutigen Geburtstag gibt’s was Besonderes: eine Torte mit 19 kleinen Würstchen-Kerzen. VON JUDITH SEIPEL

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