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Harmonie mit Zwischentönen

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Glückwünsche und Geschenke für Harris und Spamer. © Petra Ihm-Fahle

VON PETRA IHM-FAHLE

Büdingen. Die Atmosphäre war nicht ausnahm,slos harmonisch, als die Büdinger Stadtverordnetenversammlung den scheidenden Bürgermeister Erich Spamer (FWG) verabschiedete und den neuen Rathauschef Benjamin Harris (CDU) ins Amt einführte. Ort war der mit etwa 100 Personen besetzte Saal in der Lorbacher Wolfgang-Konrad-Halle. Neben Lob und guten Wünschen schimmerten Animositäten genauso in den Grußworten durch wie politische Probleme und Konflikte.

Mit Courage

So war es etwa ein bewegender Moment, als die Vorsitzende der Bürgermeisterkreisvereinigung Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD) von einem ihrer Besuche in Büdingen erzählte. Damals war sie noch sehr jung und erlebte ihren künftigen »Lieblingskollegen« Erich Spamer so richtig. Es war ein Gedenktag an die Reichspogromnacht gewesen, grölende Neonazis seien eingezogen. Die Courage, mit der Spamer der Horde Einhalt bot, gemeinsam mit Ex-Landrat Rolf Gnadl und anderen, habe ihr sehr imponiert.

Wie sich am Freitagabend nun zeigte, galt es auch für den neuen Bürgermeister Harris, Haltung zu zeigen. Nicht gegenüber grölenden Nazihorden, sondern einem emotionalen Überredungsversuch des AfD-Vertreters Robert Wasilew, der eindringlich für eine Zusammenarbeit warb: »Unabhängig vom Parteibuch, mit Menschen, die sich für die Stadt einsetzen.« Damit meinte Wasiliew vermutlich sich und behauptete: »Wir sind politisch nicht so weit auseinander.« Benjamin Harris bedankte sich nicht für die Worte. Anders als bei den meisten anderen Rednern blieb er sitzen und reichte Wasiliew nicht die erbetene Hand.

Aus dem Saal

Alte Feindseligkeiten klangen an, als Wolfgang Patzak (FDP) nach vorne ging. Während er gegen FWG und SPD austeilte, verließ Spamer den Saal. Er sei nur zur Toilette gegangen, sagte er zu dieser Zeitung - nicht wegen Patzaks Worten. »Das ist mir doch egal«, meinte er.

Ulrich Majunke (FWG) siezte Harris plötzlich, dem er im Bürgermeisterwahlkampf unterlegen war: »Wir werden Sie konstruktiv in die Zukunft Büdingens begleiten.« Wie er auf Nachfrage erklärte, habe das keinen besonderen Hintergrund, sondern schien ihm für eine Amtseinführung angemessen. Dem »lieben Erich« dankte er für seinen Einsatz für Büdingen und den soliden Haushalt.

Landrat Jan Weckler (CDU) attestierte dem scheidenden Bürgermeister, ein Mensch mit Ecken und Kanten zu sein, zu dem der kurze Draht gut funktionierte. Dem neuen Rathauschef wünschte der Wetterauer Landrat, auch weiterhin für seine Familie da sein zu können.

Wie Stadtbrandinspektor Stephan Naumann unterstrich, sei Spamer stets ein zuverlässiger Ansprechpartner für die Feuerwehr gewesen. Auch mit Harris habe er bereits gute Gespräche geführt. Der Calbacher Ortsvorsteher Frank Lämmchen würdigte die stets konstruktive und faire Zusammenarbeit mit Spamer, CDU-Fraktionsvorsitzender Jonathan König beglückwünschte Harris. »Die neue Aufgabe wird Dir sicher gut gelingen.« Für die »hervorragende Zusammenarbeit« dankte Manfred Scheid-Varisco (SPD) Spamer, Harris gratulierte er. Gunnar Bähr (Pro Vernunft) wünschte dem scheidenden Bürgermeister alles Gute, zu Harris sagte er: »Wenn Du uns in Deine Entscheidungen für Büdingen einbeziehen willst, stehen wir gern zur Verfügung.

Aufbruch

Wie Joachim Cott (Bündnis 90/Die Grüne) erklärte, sei mit der Übernahme des Amtes durch Benjamin Harris eine Aufbruchshoffnung verbunden. Spamer bescheinigte er unter Beifall, ein Bürgermeister durch und durch gewesen zu sein: »Nicht nur acht Stunden am Tag, sondern jede Sekunde.«

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Feierlicher Augenblick: Stadtverordnetenvorsteher Dieter Jentzsch (r.) nimmt dem neuen Bürgermeister Benjamin Harris den Amtseid ab. © Petra Ihm-Fahle
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