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Harter Brocken für St. Nikolai: Bei Sanierung des Altenstädter Kirchturms laufen die Kosten davon

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jub_turm5_230622_4c © Judith Seipel

Immer wieder wurde die Instandsetzung des Kirchturmes von St. Nikolai in Altenstadt zugunsten anderer kirchlicher Sanierungsfälle verschoben. Derweil laufen die Kosten davon.

Mit einer Höhe von 30 Metern ist der Kirchturm von St. Nikolai in Altenstadt das höchste Gebäude in der Umgebung. Zudem ist der Turm aus dem 15. Jahrhundert das älteste Gebäude in Altenstadt. Eine dendrochronologische Untersuchung habe ergeben, dass das Holz der oberen Turmgeschosse im Winter 1469/1470 geschlagen worden ist. sagt Pfarrer Klaus Willms. Im Jahr drauf sei vermutlich der Turm erbaut worden. Eine Besonderheit sind vier Erker, sogenannte Wichhäuschen, die Platz für Wachposten boten. Sie zeugen davon, dass der Kirchturm einst auch Wehrturm war.

Kostensteigerung um 50 Prozent

Nur wenig wurde seit der Errichtung an dem Turm verändert, aber die Jahrhunderte haben Spuren hinterlassen. Die Schieferdeckung ist zum großen Teil verwittert und wird nun komplett erneuert. Doch zunächst ist die hölzerne Konstruktion des Dachstuhles an der Reihe, die sich dahinter verbirgt. Diese habe eine gute Substanz, sagt Bauleiter Christian Schäfer vom Ingenieurbüro Frischmuth aus Gelnhausen. Deshalb werde nur das Nötigste entfernt und ersetzt. »Wir legen die Konstruktion frei, schauen sie uns an und entscheiden dann, wie saniert wird.« Die Zimmerleute der Firma Eifert aus Grebenau arbeiten sich dabei von der Turmspitze nach unten vor. Saniert wird Holz in Holz, ausschließlich mit historischen zimmermannsmäßigen Verbindungen wie Zapfen und Holznägeln. Für die »passgenaue Verbindung« sei ein »Riesenerfahrungsschatz« der Zimmerleute unabdingbar, so Schäfer.

Den fantastischen Ausblick vom Gerüst in knapp 30 Metern Höhe bis zum Vogelsberg und zur Skyline nach Frankfurt nehmen die Zimmerleute kaum noch wahr. »Anfangs ist das großartig«, sagt Alexander Merker, »aber irgendwann ist das ganz normal.«

Sind die Zimmerleute fertig, kommen die Dachdecker dran, Zum Jahresende soll das Projekt abgeschlossen sein. »Es ist ein altes Gemäuer, da weiß man nie, was noch kommt«, gibt Bauleiter Schäfer zu bedenken.

Eventuelle Überraschungen fürchtet die evangelische Kirchengemeinde Altenstadt. Seit der Sanierungsbedarf vor sieben Jahren festgestellt wurde, sind die Kosten um rund 50 Prozent gestiegen. 2015 habe sich die Schätzung auf etwa 600 000 Euro belaufen, sagt Pfarrer Willms. Dann sei der Turm von St. Nikolai zugunsten anderer Sanierungsfälle auf der Prioritätenliste der Landeskirche immer wieder nach hinten gerutscht. Durch das Aufschieben, allgemeine Kostensteigerungen und Materialmangel summieren sich die voraussichtlichen Kosten jetzt auf über 900 000 Euro, 20 Prozent davon muss die evangelische Kirchengemeinde aufbringen. »Und wenn es länger dauert, wird es für uns noch teurer«, sorgt sich Willms.

35 000 Euro Spendengelder hat die Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren für das Vorhaben gesammelt. Auch gibt es immer wieder originelle Ideen, um für das Projekt zu werben. So hat Dieter Stahl, ein ehemaliger Lehrer von Klaus Willms, ein Modell von St. Nikolai zum Nachbauen entworfen. Den Bastelbogen kann man für zehn Euro im Gemeindebüro erwerben. Ein großes Jubiläumsfest zum 300. Jahrestag der Kircheneinweihung 1720 hätte Geld in die Kassen spülen sollen, fiel vor zwei Jahren aber der Pandemie zum Opfer. Die 1 200 Mitglieder zählende Kirchengemeinde werde nicht umhinkommen, ein Darlehen aufzunehmen, sagt der Pfarrer.

Immerhin beteiligt sich das Landesamt für Denkmalschutz mit 100 000 Euro an den Sanierungskosten, die allerdings auf die jeweiligen Kostenträger umgelegt werden. Für die St. Nikolai-Gemeinde bedeutet das gemäß ihres 20-Prozent-Anteils eine Entlastung um 20 000 Euro.

Keine Beteiligung der Kommune

Gerne hätte Willms die Gemeinde Altenstadt ins Boot geholt. »Ich finde, es ist nicht die alleinige Aufgabe der Kirche, so ein Baudenkmal, immerhin das älteste noch existierende Gebäude in Altenstadt, zu erhalten.« Aber von der Kommune sei wohl keine Unterstützung zu erwarten.

Bürgermeister Norbert Syguda bestätigt auf Nachfrage, dass eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde nicht geplant sei. Ein entsprechender Antrag sei allerdings gar nicht gestellt worden. »Mit der Ablösung der kommunalen Kirchenbaulasten durch eine Rahmenvereinbarung vor 16 Jahren liegt die finanzielle Zuständigkeit bei den Bistümern und der evangelischen Kirche«, so Syguda.

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jub_kirche5_150622_4c_2 © Judith Seipel

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