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Hauptsache, es kommt von Herzen

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Von: red Redaktion

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An zahlreichen Mama-Betten werden morgen Kinder mit selbst gemalten Bildern stehen, liebevoll geschriebenen Gutscheinen oder mit Schokolade. Macher Papi muss schon früh mit dem Nachwuchs los, um Blümchen mit Herz zu ergattern. Während der Pandemie sah ich zum ersten Mal einen Automaten, an dem Muttertagssträuße »gezogen« werden konnten. Auf der To-do-Liste der Kindergärten war meist in der vergangenen Woche eine Basteleinheit für den Muttertag vorgesehen:

Muttertag. Mein Büro zieren etliche Kunstwerke mit Handabdrücken, Herzen und Gutscheinen aus 20 Jahren Muttertage. Ich erinnere mich, dass ich meiner Mutter als Kind das Frühstück ans Bett brachte mit einem selbst gepflückten Blümchen und einem Kaffee, für den ich mit Sicherheit viel zu viele Löffel Pulver verwendet hatte. Natürlich sagte sie nie etwas und freute sich trotzdem. Als ich älter wurde schlief dieser Brauch allmählich ein und meine Mutter und ich kamen überein, dass man das ganze Jahr über die Mütter schätzen sollte und sie nicht als selbstverständlich hinnimmt.

Das war zu biblischen Zeiten offensichtlich ähnlich, denn schon in den zehn Geboten ist die Rede davon, dass man Mutter und Vater ehren soll. Und das natürlich grundsätzlich und nicht nur an einem Jahrestag.

Die Bibel erzählt von vielen Müttern, die es nicht leicht hatten. Angefangen bei Eva, die das Paradies verlassen musste und erlebte, wie ihr eigener Sohn vom anderen erschlagen wurde. Als erste, von Gottes Hand selbst gestaltete Frau erlebte sie zum einen ein so wunderbares Leben in vollkommener Harmonie mit ihrem Schöpfer und ihrem Partner Adam. Zum anderen aber auch den Absturz aus dieser Harmonie in den Abgrund menschlicher Trennung von Gott mit all seinen Auswirkungen. Später schenkte Gott Eva einen weiteren Sohn, Set, und zeigte damit, dass er ihr immer noch nah war, sie liebte und gnädig ansah. Und Set blieb bei ihr, um die Trauer über den Verlust des anderen Sohnes erträglicher zu machen.

In der »Erzvätergeschichte« treffen wir auf Sara, obwohl es ja eher eine »Erzelterngeschichte« war. Sie verließ ihr durchaus angenehmes Leben, um mit Abraham in ein unbekanntes Land zu ziehen. Ganz schön mutig! Durch das Wunder der späten Geburt wurde Sara mit Isaak zur Stammesmutter jüdischer Völker. Isaak wird sicher nicht mit einem Muttertagsstrauß in der Morgendämmerung am Zelteingang gestanden haben, aber die Kinder zollten auf andere Art und Weisen ihren Eltern Respekt und Wertschätzung: Sie waren gehorsam und ließen sie nicht im Stich. Die Kinder waren die Altersvorsorge von damals und auch heute ist es in vielen Kulturen noch üblich, dass das nicht der Staat, sondern die Familie regelt.

In einer weiteren bekannten Bibelgeschichte wird von der Treue der Schwiegertochter zur Schwiegermutter berichtet: Noomi und Ruth. Durch den Tod ihrer Männer blieb den beiden mittellosen Frauen nur die Rückkehr zu früheren Verwandten, um versorgt zu sein. Noomi gab Ruth den Rat, erneut zu heiraten. Ruth liebte ihre Schwiegermutter jedoch sehr und blieb bei ihr und diese Loyalität und Unterstützung sollte sich auch als positiver Wendepunkt für ihr eigenes Leben erweisen. Also Treue, Wertschätzung und Liebe zu den Müttern, auch zu den Schwiegermüttern, kann sich für unser eigenes Leben positiv auswirken.

Die Eltern oder wie jetzt die Mütter zu verwöhnen, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie geliebt und geschätzt werden, ist somit doch grundsätzlich ein schöner und wichtiger Brauch. Dabei ist es ganz egal, ob die Wertschätzung in Form von Schokolade, Blumen, Bildern oder Gutscheinen geschieht. Hauptsache ist doch, es kommt von Herzen und zeigt allen Müttern: Schön, dass ihr in unserem Leben seid! In diesem Sinne wünsche ich allen Mamas einen wunderschönen Muttertag.

Tanja Langer ist Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Eckartshausen.

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