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Hier im Bereich der Burg fließt die Nidda noch kanalisiert und ist kaum zugänglich. Ein Versuch das zu ändern, war schon vom Magistrat abgelehnt worden, eine Petition soll nun für ein Umdenken sorgen

Neue Petition

Zweite Chance fürs Burgpark-Ufer?

Ja, hieß es zuletzt zum Naturerlebnis Nidda. Nein, sagte der Magistrat hingegen zum Standort Burgpark. Marion Kittlaus-Liebig will das nicht akzeptieren. Sie hat eine Online-Petition gestartet, mit der sie bewirken will, dass der Fluss doch wie ursprünglich vorgesehen in Bad Vilbels Innenstadt erlebbar gemacht wird. Ideengeber Gottfried Lehr freut’s.

Bad Vilbel - Es gibt eine neue Petition, die sich dafür einsetzt, dass das sogenannte Naturerlebnis Nidda statt nördlich der Büdinger Straße doch im Burgpark umgesetzt wird – so wie es die ursprüngliche Ideenskizze des Gewässerökologen Gottfried Lehr vorsieht. Am Freitag ist die Unterschriftensammlung auf der Plattform openpetition.de online gegangen, 97 Mal wurde sie bislang unterschrieben. Ziel ist es, mindestens 600 Unterstützer zu finden. 

"Ich habe bisher viel positives Feedback bekommen", sagt Marion Kittlaus-Liebig, die die Petition auf den Weg gebracht hat. Unter den potenziellen Unterstützern seien auffällig oft junge Menschen gewesen, auch ihre erwachsenen Töchter stehen in Sachen Naturerlebnis voll hinter der Mama, die die Innenstadt für den einzig sinnvollen Standort für das Projekt hält. 

Pädagogischer Effekt? 

Lehr will die Nidda an einer ausgewählten Stelle erlebbar machen. Geplant ist dafür eine Mischung aus Mini-Park und Renaturierungsgebiet, mit abgeflachtem Ufer, Kiesbank, Sitzstufen und Dauerausstellung zum Öko-System Fluss. 

Außerdem sollen anderen Baumarten neu an gepflanzt werden. Auf Initiative der Freien Wähler hat die Stadt geprüft, ob ein solches Naturerlebnis oberhalb der Alten Mühle möglich wäre. Ein wichtiger Punkt, erhofft sich Lehr doch einen Ort zum Verweilen und Entspannen zu schaffen, der gleichzeitig einen umweltpädagogischen Wert hat, beispielsweise für den Bio-Unterricht im Freien. Der Magistrat lehnte die vorgeschlagene Stelle aber ab, hauptsächlich aus logistischen Gründen. 

So hieß es, für das Naturerlebnis im Burgpark müssten unterirdische Leitungen verlegt werden – was das Vorhaben unverhältnismäßig teuer mache. Gleichzeitig will die Stadtregierung nicht die Verantwortung dafür tragen, wenn wie vorgesehen Bäume gefällt würden. Das Gegenangebot: Das Naturerlebnis kommt, wird aber kostengünstig an die Renaturierung unterhalb des Dottenfelderhofs angedockt. Die Initiatoren reagierten enttäuscht. 

Einen Standort außerhalb der Stadtmitte halten sie für witzlos. "Der Burgpark mit der Nidda ist die zentrale Lebensader der Stadt", sagt auch Kittlaus-Liebig. "Hier fehlen bislang Renaturierungsmaßnahmen." Im vom Magistrats ausgewählten Bereich auf halber Strecke nach Dortelweil sei schlicht zu wenig los. Und er sei nicht für jedermann erlebbar. Den weiten Weg dorthin könnten die Senioren des Quellenhofs etwa kaum bewältigen. "Die Petition soll bewirken, dass zum Naturerlebnis auch die Bürgerstimmen gehört werden. Damit der Magistrat nicht allein entscheidet", sagt die 51-Jährige. 

Dass die Stadt sich gerade bei einer "ökologisch sinnvollen Maßnahme" als Baumschützer hinstelle, sei für sie unannehmbar, nachdem andernorts "ohne Rücksicht" Bäume gefällt worden seien. Zumal, wie Gottfried Lehr auf Anfrage erläutert, die Rodung für das Naturerlebnis gut begründet sei. "Wir fällen ein paar Parkbäume und pflanzen dafür Erlen und Weiden", sagt er. 

Den Eingriff habe der Fluss zwar zu verkraften, mittelfristig sei er aber ungemein wertvoll für dessen Ökosystem. In den vergangenen Tage heizte sich die Nidda an den Messstellen in Bad Vilbel auf bis zu 28 Grad auf. Das Gewässer drohte zu kippen – eine große Gefahr für Tiere und Pflanzen. 

Den Fluss abkühlen 

Eine passendere Uferbepflanzung könne die Nidda gegen die Überhitzung wappnen, etwa durch mehr Schatten. "Ein Abschnitt wird nicht die ganze Nidda retten", sagt Lehr. "Aber es hilft, das Ökosystem stabiler zu bekommen." Das müsse aber in der Innenstadt passieren, wo der begradigte Flusslauf nach Jahrzehnten weiter einem Kanal ähnele, und nicht dort, wo die Nidda bereits wieder ihrem natürlichen Zustand angenähert wurde. 

"Ehrlich gesagt hatte ich eigentlich schon einen Haken an das Projek gemacht", erzählt Lehr. Nun habe er durch die Petition neue Hoffnung geschöpft. Logistische Probleme, wie die der Leitungen glaubt er aus dem Weg räumen zu können, ohne dass die Kosten explodieren. Das habe er im Vorfeld mit einem Ingenieur abgesprochen, der die örtlichen Gegebenheiten kenne. Außerdem gebe es bereits mündliche Zusagen für Fördergelder. Zeit den Magistrat zum Umdenken zu bewegen wäre genug. Sechs Monate läuft die Petition noch. Kittlaus-Liebig glaubt aber, das zeitnah Bewegung in das Projekt kommen dürfte. Die Nachfrage nach Nähe zur Natur sei bei den Bad Vilbelern jedenfalls groß.

Wo kann man die Petition finden?

Online zu finden ist die Petition zum Naturerlebnis Nidda in Bad Vilbel auf www.openpetition.de unter dem Suchbegriff "Durchsetzung des Antrags Naturerlebnis im Burgpark Bad Vilbel". 

Openpetition ist eine unabhängige Plattform aus Berlin, auf der Vereine, Institutionen und Privatleute kostenfrei ihre Unterschriftensammlungen starten können. Auch die Bürgerinitiative Freibad nutzt sie. Auf dieser Seite gibt es die Petition.

von Alexander Gottschalk

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