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Hessischer Kabarettpreis für den Pelzig

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Wallernhausen (em). »Hessischer Kabarettpreis 2020 - Ahle Worscht« hatte die Künstlerin Ulrike Obenauer auf der Trägerplatte des Hessischen Kabarettpreises eingraviert und Frank-Markus Barwasser bekam diesen Ehrenpreis im Alten Dorfladen Wallernhausen kürzlich in die Hand gedrückt.

Sozusagen »falsch datiert« war auch die »Grie Soß«, der Förderpreis, der Christoph Fritz aus der nächsten Kabarettistengeneration übergeben wurde.

Eigentlich hätte ergänzend noch der »Hessische Durchhaltepreis« verliehen werden müssen - an die Organisatoren des Wettbewerbs, die sich vom Virus nicht hatten in die Knie zwingen lassen. Sie verschoben Termine, organisierten hin und her, verloren aber ihr Ziel nicht aus den Augen: Die Großen der Kleinkunst auszuzeichnen, der Lust des Publikums an Wortwitz und Pointenfeuerwerk, an hellsichtiger Kritik und skurriler Verspieltheit Futter zu geben.

2017 vergaben vier Bühnen - die Kleinkunstbühne »Piazza« in Vellmar, die Bürgerhäuser Dreieich, der Fresche Keller im Alten Dorfladen Wallernhausen und damals noch die Kulturscheune Herborn - zum ersten Mal den Hessischen Kabarettpreis, der von der Sparda-Bank Hessen unterstützt wird, Medienpartner ist hr-2 Kultur.

Vier hessische

Geschmäcker

Der Preis wird in vier typisch hessischen »Geschmacksrichtungen« vergeben. Am pfiffigsten ausgestattet ist der Förderpreis »Grie Soß‹» für hoffnungsvolle Jungtalente - sie bekommen je einen gut honorierte Aufführungstermin auf den drei beteiligten Bühnen. Über »Grie Soß« und den Ehrenpreis »Ahle Worscht« entscheidet eine Fachjury, um den Publikumspreis »Handkäs‹ mit oder ohne Musik« und den Jurypreis »Bethmännchen« wird in einem öffentlichen Wettbewerb gerungen, die letzteren drei sind mit Geldpreisen verbunden.

2020 fiel die Verleihung aus. Aber trotz aller Einschränkungen ging es 2021 weiter. Die Jury entschied sich dafür, die »Grie Soß« an Eva Karl-Faltermeier zu geben, die »Ahle Worscht« an Christoph Sieber. Im Oktober 2021 konnte Lars Ruppel mit dem Publikumspreis »Handkäs ohne Musik« ausgezeichnet werden, die Jury zeichnete Florian Wagner mit dem Bethmännchen aus. Hessisch-ländliches Ambiente - blühende Kletterrosen, Feierabendstimmung im Innenhof, ein Hauch von frischem Heu - hatte der Alte Dorfladen bei der Gala zu bieten und Betreiber Michael Glebocki konnte Gäste aus der ganzen Region begrüßen. Mit medialer Präsenz trotzte der erkrankte Laudator Severin Groebner dem Virus. In einem ergreifend weichgespülten »Wort zum Sonntag«-Ton beschrieb er als digitale Stimme den »Grie Soß«-Preisträger Christoph Fritz, Jahrgang 1994, Kabarettist und Stand-up-Comedian.

Lob für gescheite Boshaftigkeit

Er gestand dem jungen Mann mit dem Chorknabengesicht gescheite Boshaftigkeit zu, Strategie und Taktik bei der Umsetzung des höchsten Ziels eines Österreichers: »Deutschland erobern!«

Nach der Preisübergabe knüpfte Fritz mit einer Szene an sein erstes Soloprogramm »Das jüngste Gesicht« an, nahm die Zuhörer mit in die kleine Welt seines fiktiven Einöd-Dorfes, »wo ein Bus höchstens hält, wenn er einen Unfall hat« - zugleich ein satirischer Spiegel der »großen Welt«.

Auf einer Weinkiste am Rand der Reihen saß derweil Frank-Markus Barwasser und genoss die Zuhörerrolle. Für die Preisverleihung aber schlüpfte er in Erwin Pelzig-Dienstkleidung, hatte Karohemd, Janker und Cordhütchen mitgebracht. So sprach ihn Laudator Michael Glebocki denn als sein zweites, dem Publikum so liebgewordenes Ego an. Glebocki hob die Zivilcourage hervor, mit der Barwasser sich auch gegen die Sendeanstalten-Hierarchie durchsetzte, die Entwicklung der Kunstfigur: »Er ist frecher geworden und weniger einfältig.« Barwasser-Pelzig ganz nah - das Publikum genoss den Live-Auftritt des profilierten Kabarettisten, beklatschte lebhaft die »Ahle Worscht«-Übergabe.

Der hessische Kabarettpreis soll auch weiterhin diese Richtung haben, die drei Organisatoren haben schon Pflöcke eingeschlagen: Sie schrieben hessische Kleinkunstbühnen an, sammelten Infos von hoffnungsvollen Talenten, gelungenen Auftritten, zündenden Ideen.

Die Wallernhäuser Gastgeber Dorotheè Arden und Michael Gebocki sind gespannt: »Da ist sehr lohnendes Material zusammengekommen.«

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