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Hilfe beim Ankommen durch ein spezielles Bürgerbüro in Ranstadt

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Unterstützt und betreut durch das Ranstädter Rathaus, hier vertreten durch (v. l.) die Fachbereichsleiterin Zentrale Dienste, Anna Kaiser, und Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel, stehen Hanna Ipatko und Miroslava Vachnovan (nicht auf dem Foto) in einem ukrainischen Bürgerbüro ihren Landsleuten beim Ankommen im fremden Land bei und helfen auch im Umgang mit Behörden. © Ingeborg Schneider

In einem fremden Land ankommen nach Flucht vor Krieg, ist nicht leicht. Besser geht dies, wenn Landsleute beim Eingewöhnen helfen. In Ranstadt gibt es nun ein Beispiel, das Schule machen kann.

Z urzeit leben 75 Geflüchtete aus der Ukraine in Ranstadt. Das sind mehr Personen, als der Verteilschlüssel des Wetteraukreises vorschreibt. Dank eines ukrainischen Bürgerbüros im Rathaus sind sie bestens organisiert und beginnen, sich in Deutschland heimisch zu fühlen.

Wesentlich verantwortlich dafür ist die Bereitstellung und Betreuung des Büros durch die Gemeinde und der Einsatz der beiden dortigen ukrainischen Kontaktpersonen: Miroslava Vachnovan und Hanna Ipatko schafften es innerhalb weniger Wochen, sich als Bindeglied zwischen ihren Landsleuten und der Verwaltung zu etablieren. Während Vachnovan als Hochschuldozentin für Deutsch in Kiew vor allem für Sprachkurse und die Verbindung zu weiteren Bildungseinrichtungen zuständig ist, übernimmt Ipatko, gelernte selbstständige Kosmetikerin aus Saporischschja, die administrativ und organisatorisch geprägten Aufgaben, wie das Ausfüllen von Anträgen für Jobcenter, Arbeitsamt, Familienkassen, Rentenstellen, Kitas, Schulen, Banken und das Gesundheitswesen.

»Es ist wichtig, dass wir mitarbeiten, wenn wir länger hierbleiben wollen«, sagt Ipatko. »Wir geben zurück, was wir Deutschland zu verdanken haben - und das ist sehr viel in diesen Zeiten.« Die Mutter von fünf Kindern traf am 5. März mit ihrer Familie in Deutschland ein, nachdem sie Warnungen erhielt, der Flughafen ihrer Heimatstadt, nur drei Kilometer von ihrem Wohnhaus entfernt, könnte Ziel russischer Angriffe werden. »Und so geschah es auch«, sagt Ipatko. Im Gespräch wird sie von Anna Kaiser, Fachbereichsleiterin Zentrale Dienste und Personalwesen im Rathaus unterstützt, Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel erläutert die grundsätzliche Organisation des Projekts und dessen Verbindungen zu Jan Rösch als Leiter des Ordnungsamts sowie Thomas Wettig als Flüchtlingsbeauftragtem. Vieles habe man 2015 im ersten Zustrom Schutzsuchender gelernt, könne Fehler vermeiden, schätze die jetzige Situation aber aufgrund des kulturellen Hintergrunds der Geflüchteten auch als einfacher ein. Generell wisse man in inzwischen, dass es wenig Sinn ergebe, wenn »alle alles gleichzeitig machen wollen«, sagen die Rathauschefin und Anna Kaiser. Es sei wichtig, die Energie von Ehrenamtlichen und Verwaltungsangestellten gezielt und sinnvoll einzusetzen, um niemanden zu überlasten und wichtigen Aufgabe im Dienst der Bürgerschaft nicht zu vernachlässigen.

Angestellt bei

der Gemeinde

In diesem Ablauf sei der Einsatz von Miroslava Vachnovan und Hanna Ipatko von unschätzbarem Wert. Beide werden inzwischen von der Gemeinde als Minijobberinnen bezahlt. »Sie berichten von zahlreichen Anfragen Geflüchteter aus anderen Kommunen, was beweist, dass wir im Team aktuell wohl vieles richtig machen«, sagt Reichert-Dietzel, die auch das Engagement der Bevölkerung betont, ob es um das Kleiderstübchen der Landfrauen, die Nachbarschaftshilfe, die Freundlichkeit der Vermieter oder das Anpacken heimischer Männer bei Umzügen gehe. Richtig dosiert und kanalisiert könne all dies funktionieren und habe sich eingespielt, ohne dass jemand unter zusätzlichem Arbeitsaufwand zusammenbreche.

Hanna Ipatko hat inzwischen eine lebhafte Whatsapp-Gruppe gegründet, in der man viele Fragen untereinander klärt und einander hilft. Man schätze das deutsche Gesundheitswesen, versuche, Perspektiven im Bildungswesen zu entwickeln, ohne den Kontakt zur Heimatkultur zu verlieren, und das Bankensystem zu vermitteln. »Das ist bei uns in der Ukraine einfacher und vielseitiger aufgestellt«, konstatiert Ipatko. »Eine Kontoeröffnung inklusive Bankkartenausgabe dauert etwa eine halbe Stunde, zudem kann man Zusatzservices, wie die Bestellung von Flugtickets, nutzen.« Ihre Kinder sprechen inzwischen schon sehr gut Deutsch, besuchen Schulen und Kitas - die älteste Tochter Sonja habe in der Ukraine allerdings unmittelbar vor dem Abitur gestanden und ein Universitätsstudium im Blick gehabt.

»Insgesamt sind wir sehr dankbar für alles«, sagt Ipatko, die täglich auch tragische Nachrichten aus der Heimat erhält und überbringen muss. Sie weiß von deutschen Vermietern, die inzwischen Freundschaften zu ihren Landsleuten aufgebaut haben. Man kocht füreinander und unternimmt Ausflüge. »Büdingen war für mich ein Fest!« stellt sie mit einem Lächeln fest.

Infos, Termine und Kontakte zum ukrainischen Bürgerbüro erhält man wegen des hohen Aufkommens an Anfragen am besten per E-Mail an die Adresse miteinander@ranstadt.de.

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