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Hilfe ohne erhobenen Zeigefinger

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Myriam Mank, Nina Gutmann, Daniela Martin und Yvonne Buchholz (v.l.) haben mehrere offene Angebote für Kinder und Jugendliche in Schotten entwickelt. © Stefan Weil

Hilfsbedürftigen oder sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten bieten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und Unterstützung bei Problemen zu bekommen, das ist Ziel des FaJuSo in Schotten. Dafür hat das Team ein zielgruppenspezifisches und breitgefächertes Angebot entwickelt.

W ir kümmern uns um die Lücke«, sagt Matthias Bernges. Der Leiter der »Familienbezogenen Hilfe im Sozialraum« (FaJuSo) spricht von offenen Angeboten, die seine Einrichtung in Schotten für Kinder und Jugendliche entwickelt. Die Jugendhilfe sei heute anders als früher aufgestellt. »Wir bieten Möglichkeiten, mit denen sich Kinder und Jugendliche, die Hilfe bedürfen, möglichst früh verändern können.« Entscheidend sei dabei die Freiwilligkeit. »Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe, drohen aber nicht mit dem Zeigefinger«, betont Bernges.

Das FaJuSo-Team hat zahlreiche zielgruppenspezifische Angebote entwickelt. »Es gibt dabei keinen Zwang oder eine Kontrolle«, sagt Yvonne Buchholz. Ein Angebot findet im Alteburgpark statt. Immer donnerstags, von 15 Uhr bis 17 Uhr, lädt Daniela Martin zum zwanglosen Treffen »mittendrin« ein. »Wir haben Spielzeug, es gibt Kaffee, Wasser, Gebäck und Obst, das uns teils Schottener Geschäfte zur Verfügung stellen.« Familien können dabei unbeschwert in Kontakt kommen, auch über Kultur- und Ländergrenzen hinweg. »Kinder erleben so einen offenen und toleranten Umgang mit der Vielfalt von Kulturen, Sprachen und Menschen«, sagt Martin.

Aus diesen Treffen entstand auch die Idee, Anfang Juni ein Fest für Kinder und Familien zu veranstalten. »Dabei hat uns die Resonanz total überrascht«, erzählt Martin. Einige Mütter organisierten etwa das Kinderschminken. »Das trifft den Ansatz unserer Arbeit. Wir möchten motivieren und anregen, selbst aktiv zu werden und sich mit Ideen einzubringen.« Donnerstags findet im Park auch das Angebot »Pimp my Bike« statt. Hier überprüfen FaJuSo-Mitarbeiter den technischen Zustand der Fahrräder von Kindern und Jugendlichen.

Treffpunkt nach der Schule

Jeden Mittwoch und Freitag gibt es in der Sporthalle der Gesamtschule mit dem Mehrgenerationenhaus (MGH) eine Spiel- und Bewegungs-AG für Sieben- bis 13-Jährige. Von 16 Uhr bis 17 Uhr bietet Hanni Mustapha verschiedene Ballspiele an. Technik und Grundlagen der Aerodynamik stehen bei ferngesteuerten Modellautos und -flugzeugen im Vordergrund, mit denen sich Kinder alternativ beschäftigen können. Wertvolle Tipps und Erläuterungen dazu gibt Andreas Maurer. Für dieses Angebot gibt es eine Kooperation mit der Grundschule. Schüler mit Migrationshintergrund nehmen regelmäßig an der AG teil, ebenso Kinder, die Hilfe und Unterstützung benötigen.

Ein junges Projekt ist »Kinder im Zentrum« (KiZ). »Das ist ein Ort mit und für Kinder«, sagt Myriam Mank. Das KiZ ist eingerichtet im ersten Stock des Jugendhauses mitten in Schotten. Vornehmlich gedacht ist es für Grundschulkinder. Sie können ohne vorherige Anmeldung teilnehmen und spielen, kochen, essen, basteln, malen oder Hausaufgaben machen. Nachmittags wird auch Unterricht erteilt, etwa Deutsch als Fremdsprache. Daran können auch Erwachsene teilnehmen. Ein Computerarbeitsplatz ist vorhanden. Einmal wöchentlich kommt eine Gruppe der Grundschulbetreuung zum Spielen. In den Ferien finden gemeinsame Unternehmungen statt. »Die Kinder sollen sich ausprobieren und ihre Stärken kennenlernen. Im Vordergrund steht gegenseitige Unterstützung, aber auch Anerkennung und Bestätigung«, sagt Mank. »Wir freuen uns auch auf Eltern, Geschwister oder Großeltern, die sich als Gäste oder Helfer einbringen und auch selbst Ideen entwickeln können.« Die FaJuSo-Mitarbeiterin verdeutlicht, dass das KiZ keine Betreuungsstätte im eigentlichen Sinn ist. »Wir übernehmen keine Aufsichtspflicht. Die Kinder kommen aus Interesse oder Hilfsbereitschaft.«

Nina Gutmann rief einen Mädelstreff für Grundschülerinnen ins Leben. Im 14-tägigen Abstand plant man verschiedene Unternehmungen und setzt sie um. Als Nächstes geplant ist für den 7. Juli die Gestaltung von T-Shirts. Treffpunkt ist immer am KiZ.

Angebot für junge Familien

Ein weiteres Angebot ist in Kooperation mit dem MGH entstanden. Das »Drop In(klusive)« findet dienstags, von 9 Uhr bis 12 Uhr, statt und ist ein zwangloser Treff für Familien mit Kindern im Alter von null bis drei Jahren. Hier können sich Eltern in entspannter Atmosphäre über Fragen und Erfahrungen hinsichtlich Erziehung und Alltag austauschen.

Ebenfalls gemeinsam mit dem Mehrgenerationenhaus entstand das Projekt »Aufholen nach Corona«. Ziel ist, Kindern und Jugendlichen nach der langen Corona-Zeit wieder zu ermöglichen, gemeinsam Spaß zu haben, sich zu entwickeln und sich zu entfalten.

Geplant ist darüber hinaus von FaJuSo für die Kitas »Am Park« in Schotten und »Wiesenwichtel« in Rainrod ein wohnortnahes, niederschwelliges Beratungsangebot zu Fragen der Erziehung, Entwicklung des Kinds und zu familiären Problemen im Alltag.

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