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Die Schüler der Arbeitsgemeinschaft Verantwortung richten den Fokus auf die gute Sache, wie hier bei der Bürgeraktive (von links): Schülerin Hilina Mezmur, Silke Schöck (Bürgeraktive), Lehrerin Nina Wollenhaupt und Kameramann und Schüler Felix Haas bereiten ein Interview vor.

Hilfsbereit und ausgezeichnet

Wetterauer Schulpreis geht an das Georg-Büchner-Gymnasium

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Ein Preis für junge Menschen, die anderen helfen: Der Schulpreis des Wetteraukreises geht in diesem Jahr an die Arbeitsgemeinschaft Verantwortung am Bad Vilbeler Georg-Büchner-Gymnasium. Die Schüler bedanken sich dafür auf ihre eigene Art: mit einem Film.

"Das war super, wir machen trotzdem noch eine", sagt der 16-jährige Felix Haas zu der 14-jährigen Hilina Mezmur und Silke Schöck. Die Schülerin interviewt gerade vor laufender Kamera die Mitarbeiterin der Bürgeraktive. Auch Haas ist Schüler, hat Erfahrung mit Videos und schon mehrere Schulprojekte realisiert. Bei der Bürgeraktive im Haus der Begegnung entsteht nur eine von fünf Szenen, die die Schüler für ihre große Ehrung am 19. Dezember vorbereiten. Denn dann erhält die AG Verantwortung des GBG den mit 2500 Euro dotierten Schulpreis des Wetteraukreises.

Beim Kreativmarkt der Bürgeraktive haben die inzwischen ehemaligen Schüler der AG – die ist nämlich nur für die siebten und achten Klassen bestimmt und deshalb immer wieder unterschiedlich besetzt – ehrenamtlich Waffeln gebacken. "Das war ein Renner", unterstreicht Schöck im Interview. Der Erlös kommt der Bürgeraktive zugute.

Geschenke spenden

Szenenwechsel: In der Frankfurter Straße geht Thierry Hertzog (14) vor den Stolpersteinen von Siegfried und Henny Wechsler in die Hocke. Er war im November 2016 dabei, als die Schüler die Steine gegen das Vergessen der Nazi-Gräueltaten an jüdischen Bad Vilbelern aufpolierten und dabei viel über die Ereignisse erfuhren.

Insgesamt fünf Drehorte suchen die Schüler an diesem Tag gemeinsam mit ihren Lehrerinnen Nina Wollenhaupt und Bärbel Tiessen auf. In der Kita Sankt Nikolaus haben die Schüler über einen längeren Zeitraum als Paten für jeweils ein Kind agiert. Auch bei der Bad Vilbeler Tafel sind die Schüler der AG aktiv. Im Zuge der Wunschbaum-Aktion, bei der Eltern von GBG-Schülern Weihnachtsgeschenke spenden, legen die Schüler noch Tüten Selbstgebackenes drauf.

Das Engagement überwindet aber auch Ländergrenzen. So engagiert sich die gesamte Schulgemeinde seit Jahren für die integrative Schule CPFAM für blinde und sehbehinderte Kinder in Maroua in Kamerun. Die Schüler der AG backen dafür einmal im Monat Kuchen und verkaufen ihn in der Schule. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Denn vom Erlös springt ein Lehrergehalt heraus.

An mindestens einem Termin in der Woche und zusätzlichen Terminen auch am Wochenende wird ehrenamtliches Engagement durch die Schüler erlebt und geleistet. Dadurch lernen die Jugendlichen viele unterschiedliche Einsatzbereiche im ehrenamtlichen Engagement kennen.

Über 30 Schüler, überwiegend Siebtklässler, waren im vergangenen Jahr bei der AG dabei, sie ist ein Selbstläufer. Auch Hilina Mezmur hat es viel Spaß gemacht, über den Tellerrand der Schule hinaussehen zu können. Ihre Mitschüler Daniel Sudholt (14) und Scherbel Barakat (13) sehen das ähnlich. Daniel sagt: "Man kann viel für andere Leute tun, auch wenn man das zunächst gar nicht denkt. Das beginne damit, älteren Menschen beim Einkauf zu helfen und ihnen die Tüten zu tragen." Auch Scherbel hat seit seiner Teilnahme ein anderes Verhältnis zu Hilfen im Alltag. "Ich helfe meiner Mutter und passe auch einmal auf meine kleine Schwester und meine Cousine auf."

Intensiver als Hausaufgaben

Zehn bis 15 Minuten Länge soll der Film insgesamt aufweisen. "Er soll den Menschen aus dem Wetteraukreis, die zur Ehrung kommen, zeigen, was wir machen. Da ist ein Film doch viel besser geeignet als ein vorgelesener Bericht", befindet Wollenhaupt.

Die Idee für das Projekt wurde bereits im Schuljahr 2013/14 entwickelt. Seit 2015/16 steht die AG für Schüler der Jahrgangsstufe 7 und 8 jährlich und mit wachsendem Erfolg zur Verfügung. "Die AG ist mir manchmal mehr wert als meine eigentlichen Unterrichtsfächer", sagt Wollenhaupt über die Bedeutung der AG. "Es ist viel intensiver, man kann erfahren, wie die Schüler wirklich sind, anstatt ihnen nur Hausaufgaben aufzugeben", sagt sie. "Wahnsinnig dankbar" ist sie dafür, dass ihrer "an einem Freitag auf der Couch" geborenen Idee so viel Gehör geschenkt wurde.

Die Schüler bekämen die Möglichkeit, in ihrer Stadt auf Menschen zu treffen, die ähnlich denken und Hilfe leisten wollen. "Wir sind stolz darauf, dass Leute zu der Einsicht gelangen, dass es sich hier um tolle Jugendliche handelt." Das widerspreche dem oft gepflegten Klischee der desinteressierten Jugend. Ihre Kollegin Tiessen findet es toll, dass die Schüler nun für ihr Engagement geehrt werden, "wir sind schon stolz darauf", sagt sie.

Ganz klar umrissen ist noch nicht, was die AG mit dem Preisgeld von 2500 Euro anfangen wird. Doch etwas schwebt Tiessen schon vor: "Wir möchten vielleicht einen stark alltagsbezogenen Erste-Hilfe-Kurs anbieten, der sich vom Kurs für den Führerschein unterscheidet. Und wir wollen alle zusammen lecker essen."

Das Projekt der AG Verantwortung läuft auf jeden Fall weiter, da sind sich die beiden Lehrerinnen sicher. Der Kalender für soziale Aktionen der AG fülle sich sehr schnell. "Nur ein paar Lücken für spontane Sachen wollen wir offen lassen", sagt Wollenhaupt und lacht.

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