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Hochsitz demoliert: Kein Dummejungenstreich

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Beschädigte Hochsitze gefährden Menschen. Im Revier Haubenmühle wurden Tragpfosten durchgesägt. © pv

Unbekannte zersägen die Tragpfosten eines Jägersitzes im Revier Haubenmühle in der Gemarkung Unter-Schmitten und werfen ihn um. War es gar eine Tat von Jagdgegner?

Unter-Schmitten (em). Es muss schätzungsweise zwischen 5.30 und 16 Uhr am 2. August geschehen sein. Zuvor stand der kürzlich aufgerichtete Hochsitz im Revier Haubenmühle des Bereichs Reinhäuser Hof unbeschädigt da. Am Spätnachmittag sah das anders aus: Die Tragpfosten waren angesägt, die Konstruktion dann umgestoßen worden. Durch die Wucht des Falls war auch der Korb, der eigentliche Sitz, in Trümmer gegangen. Allenfalls einzelne Bretter sind noch brauchbar.

Es geht nicht nur um den Sachschaden, der sich nach Einschätzung des Jagdpächters Peter Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und der Polizei auf mehrere Hundert Euro beläuft. Das Ganze ist kein Dummejungenstreich, sondern Vandalismus, der Menschen gefährdet kann.

Zunächst fehlt von den Tätern jede Spur. Die Polizei bittet mögliche Zeugen um Rückmeldung unter der Telefonnummer 0 60 42/9 64 81 81.

Sind Jagdgegner in der Wetterau unterwegs? Bei einer Nachfrage konnte der Sprecher der Wetterauer Polizei dies nicht bestätigen. Es gebe ab und zu Beschädigungen an Hochsitzen, aber eher selten und nicht als erkennbare Serie. Auch Bekennerschreiben, wie sie organisiert auftretende Jagdgegner in Metropolregionen schon platziert hätten, seien nicht bekannt, auch nicht bei dem Schaden im Revier Haubenmühle.

Gründe von Gegner und Befürwortern

Wie argumentieren Jagdgegner, etwa die Mitglieder der Organisation PETA Deutschland? Sie schätzen die Jagd als moralisch und ethisch verwerflich ein, halten sie auch für ökologisch überflüssig.

Sie vertreten die These, natürliche Umwelteinflüsse und der Umfang des Nahrungsangebotes regelten die Tierpopulation in steigendem und sinkendem Bestand von selbst. Das Bejagen von Beutegreifern wie Füchsen, Wölfen oder Waschbären störe das ökologische Gleichgewicht. Das Kernanliegen von PETA, auch bei Sachthemen außerhalb der Jagd, ist das Vermeiden von Tierleid.

Die Vorstellung vom sich selbst regelnden Tierbestand ziehen wiederum Förster und Jagdbefürworter in Zweifel. Sie verweisen etwa auf das Phänomen der erst im letzten Jahrhundert in Deutschland eingeführten Waschbären. Ohne natürliche Feinde haben sich Bestände aufgebaut, die in einzelnen Regionen, etwa in und um Kassel, zur echten Landplage geworden sind, Jungtiere anderer Arten dezimieren und erhebliche Gebäudeschäden verursachen. Geht man vom Jagdgegner-Argument der »natürlichen Umwelteinflüsse« aus, fehlen aber in der Tat Großraubtiere wie Bären und Wölfe, die Jahrtausende lang in Mitteleuropa heimisch waren und Bestände anderer Arten reduzierten.

Bestände an

Rehwild zu hoch

Philipp Schünemann, Betreiber der Jagdschule Nidda, verweist auf die tatsächlich nachweisbaren Wildschäden in den ohnehin durch den Klimawandel geschädigten Wäldern: »Die von der Jagdbehörde vorgegebenen Abschusszahlen werden oft gar nicht eingehalten, sei es, dass die Jäger gar nicht so viel Fleisch verbrauchen oder vermarkten können oder aus anderen Gründen« meint er. »So sind insbesondere die Bestände an Rehwild oft zu hoch. Gerade in extremen Trockenperioden wie jetzt holen sich die Tiere die Flüssigkeit, die sie brauchen, von Zweigen, Triebspitzen, Laub und selbst Rinden junger Bäume. Schäden sind damit vorprogrammiert.«

Dass die Niederwildbestände - Hasen, Fasane, Rebhühner und mehr - so bedauerlich zurückgegangen seien, hänge vor allem mit dem Verlust von Lebensräumen insbesondere durch Besiedelungsdruck und Intensivlandwirtschaft zusammen. So sei es aber wichtig, dass auch die natürlichen Feinde des Niederwilds wie Füchse und Waschbären nicht überhandnähmen.

Schünemann weist das Argument von Jagdgegnern, Jägern gehe es vor allem ums »Trophäensammeln« energisch zurück: »Ganz klar sind Jäger auch Heger. Sie legen Wildäcker und Blühstreifen an, bieten, wenn nötig, Winterfutter, stellen momentan Tränken auf.« Weiter trügen die Jäger zur Eindämmung der Wildtollwut und damit indirekt auch zum Schutz von Menschen bei, indem sie Impfköder auslegten und damit die Tiere resistent machten.

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