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Hochwasserschutz und mögliche Rückhaltebecken: Wie lässt sich der Wolfsbach zähmen?

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Herbstidylle im Wolfsbachtal: Nordwestlich von Wolf könnte ein Hochwasserrückhaltebecken entstehen. Noch ist die Standortfrage aber nicht geklärt. © Björn Leo

Hochwasserschutz gehört nicht in Büdingen und den Stadtteilen zu den wichtigsten Themen. Etwa in Wolf, wo das Ingenieurbüro Lotz jetzt die Möglichkeiten eines Rückhaltebeckens erläutert hat.

Der Saal im Dorfgemeinschaftshaus Wolf war gut besucht, als die Planer des Ingenieurbüros Lotz aus Wächtersbach am Mittwochabend über die Möglichkeiten eines Rückhaltebeckens am Wolfsbach informierten. Anlass war eine Sitzung des Ausschusses für Bauangelegenheiten, Umwelt- und Hochwasserschutz.

»Wir haben den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie umzusetzen«, erläuterte Diplom-Ingenieur Holger Christanz. Wie er betonte, ist solch eine Studie eine grundsätzliche Überlegung und noch keine konkrete Planung. Um ein Rückhaltebecken zu planen, müssen seinen Worten zufolge viele Daten einfließen.

Die Studie basiert demnach auf einem Simulationsmodell, das die Ausbreitung des Wassers im Wolfsbach und den gewässernahen Flächen darstellt. Die Menge des Wassers hängt laut Christanz von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem sei dies die Regenintensität.

Mögliche Standorte

Um den Ort zu schützen, nannte er verschiedene Möglichkeiten. »Das eine ist, das Wasser in einem Becken zurückzuhalten. Das andere, innerörtliche Hochwasserschutzanlagen zu errichten, um die Ausbreitung des Wassers zu verhindern.« Er stellte die möglichen Standorte 1 und 3 für ein Rückhaltebecken vor. Standort 2 wurde bei einer Ortsbegehung mit Vertretern der Stadt ebenfalls festgelegt. Da sich dabei kein großer Unterschied zu 1 ergab, zeigte Christanz diese Variante im Dorfgemeinschaftshaus nicht.

»Diese möglichen Standorte sind zu prüfen: Einmal hinsichtlich ihrer Wirksamkeit auf den Hochwasserschutz, aber auch auf die Auswirkungen.« Damit meinte er die Aspekte Umwelt, Natur und Eignung des Baugrunds. Ein Hauptpunkt sei die Frage, ob die Flächen verfügbar sind. »Die Stadt muss ja erst mal die Genehmigung von den Eigentümern haben«, sagte er. In der Regel erfolge das, indem die Kommune die Grundstücke kauft oder bei Widerstand enteignen muss.

»Die Frage ist auch, inwieweit solche Hochwasserbecken oder Schutzanlagen die Nutzung der Flächen einschränken oder nicht mehr zulassen, etwa die Landwirtschaft«, sagte Christanz.

Funktion der Becken sei, das Wasser zurückzuhalten, aber den Durchfluss nicht völlig zu verhindern. Größtenteils werden sie laut Christanz aus Boden beziehungsweise Erde errichtet. Dort, wo der Bach die Dämme quert, sind Kreuzungsbauwerke aus Stahlbeton vorgesehen. Die Bruttokosten schätzte er auf grob 4,7 Millionen Euro (Standort 1) und fünf Millionen Euro (Standort 3). Diese Summen beinhalteten alles, beispielsweise auch Planung und Genehmigungsgebühren. Der Ingenieur wies auf die Baukostensteigerungen hin, deren Entwicklung nicht absehbar sei. Den zeitlichen Horizont, um den Hochwasserschutz umzusetzen, schätzte er auf sechs bis sieben Jahre.

Standort 1 läge am nordwestlichen Ortsrand von Wolf, Standort 3 nördlich des Dorfes unterhalb der Landesstraße zwischen Wolf und Dudenrod. Christanz beschrieb mögliche Probleme: Die Eigentumsverhältnisse bei Standort 3 seien einfacher, da der Stadt vieles gehört. Andererseits wäre der Eingriff in den Naturschutz größer, hinzu käme die Sicherung der Landesstraße, die am Hang verläuft.

Er ging auch auf die Alternative eines innerörtlichen Schutzes mit Einzelmaßnahmen ein. Diese Variante sähe vor, Mauern entlang des Bachs zu errichten. Dazu sei wichtig, dass alle anliegenden Eigentümer zustimmen, da ihre Grundstücksgrenzen teilweise einbezogen würden, wenigstens während der Bauarbeiten.

Erddamm am Fallbach

In Diebach am Haag besteht die Überlegung, ein kleines Rückhaltebecken für den östlichen Ortsrand zu errichten. »Es wäre wesentlich kleiner und bestünde auch aus einem Erddamm, der mit einem Bauwerk versehen wird, durch das der Fallbach fließt.« Problem in Diebach ist laut Christanz, dass der Fallbach die Landesstraße von Büdingen nach Ronneburg quert, die relativ tief liegt. »Deshalb müssen wir zum Schutz der Straße verschiedene kleine Wälle errichten.« Schutzmaßnahmen an den Häusern als Alternative sprach er für Diebach nicht an. »Der Damm ist dort relativ klein und die wesentlich wirtschaftlichere Lösung.« Das eigentliche Bauwerk sei 1,50 bis zwei Meter hoch, die zusätzlichen Wälle lägen bei 50 bis 70 Zentimetern Höhe. Kosten für Diebach wurden bislang nicht ermittelt.

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Auch nördlich des Wasserhäuschens am Wolfsbach - in Richtung Sportplatz - könnte ein Becken errichtet werden. © Björn Leo

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