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Hört nicht auf zu beten

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Von: red Redaktion

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koe_Krueger_260322_4c © pv

Wir befinden uns mitten in der Passionszeit. Die Wochen vor Ostern sollen uns an das Leiden und den Tod Jesu erinnern. Vom Tag der Kreuzigung an bis heute ist genau das immer wieder ein Kritikpunkt am christlichen Gottesbild: Ein Gott, der schwach ist, der leidet? Nicht der allmächtige Herrscher? Gleichzeitig fallen diese Wochen in eine Passionszeit ganz anderer Art, in denen uns infolge des Krieges in der Ukraine Leiden und Sterben von Menschen jeden Tag aufs Neue nahegebracht werden.

Jede Woche, jeden Tag wenden sich Menschen verzweifelt an Gott, teils aus der Ferne in vielen Ländern der Welt, teils unmittelbar in Todesnot.

Wenn Menschen mir von Schicksalsschlägen erzählen und ich versuche, ihnen Trost zuzusprechen, dann höre ich oft den Satz: »Das kann niemand nachvollziehen, der das nicht selbst erlebt hat.« Diesen Gedanken kenne ich auch von mir selbst. Wenn ich anderen mein Leid klage, tut es gut zu wissen, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Und genau darin liegt die Kraft des christlichen Gottesbildes. Ich kann mich auch in leidvollen Erfahrungen vertrauensvoll an Gott wenden, weil ich weiß, er kennt das, er weiß, wie ich mich fühle, er hat selbst die Last des Kreuzestodes auf sich genommen. Gott leidet mit mir. Doch ich weiß auch: nach Karfreitag kommt Ostern. Das gibt mir die Hoffnung, dass Leid und Tod eben nicht das letzte Wort behalten, manchmal auch gegen den Augenschein. Das gibt mir Kraft, immer wieder aufzustehen gegen den Tod und gegen Kräfte, die Tod bringen.

Ich weiß, das ist aus der Entfernung leicht gesagt. In vielen Bereichen sind mir die Hände gebunden. Doch ich weiß auch, dass das Wissen, dass andere für mich beten, mir selbst Kraft geben kann. Darum ist es wichtig, in diesen Zeiten nicht aufzuhören zu beten. Passend dazu lautet der Monatsspruch für März »Hört nicht auf zu beten und zu flehen. Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.« (Epheser 6, 18). Bleiben wir also dran mit unseren Gebeten im Vertrauen auf Gott, der Leid aus eigener Erfahrung kennt und es doch überwunden hat.

Pfarrer Christian Krüger , Pfarrteam Karben

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