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»Ich will euch erquicken«, sagt Jesus

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Von: red Redaktion

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»Erquicken: Was bedeutet eigentlich dieses Wort?«, fragte mich neulich ein Konfirmand. Wir hatten gerade in der Konfi-Stunde den Psalm 23 gelesen. »Er erquicket meine Seele«, heißt es im dritten Vers. Die Frage ist verständlich. Das Wort »Erquicken« benutzt heute in der Alltags-Sprache kaum noch jemand. Doch in der Lutherübersetzung der Bibel kommt es häufig vor - mehr als 25 Mal.

Auch im Wochenspruch für die neue Woche ist es enthalten. Jesus sagt in Matthäus 11, Vers 28: »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.« Martin Luthers Sprache ist in mancher Hinsicht eine alte Sprache. Sie enthält Worte, die wir heute nicht mehr benutzen. Andererseits ist diese Sprache sehr poetisch, bildhaft. Das Wort »Erquicken« wirkt auf mich wie ein herrlich sprudelndes Getränk nach einer langen Wanderung durch die Hitze, wie ein Erfrischungsbad im kühlen See, wie ein entspannter Abend nach langem Arbeitstag. »Erquicken«: Das Wort spricht irgendwie schon für sich, finde ich. Im Duden entdecke ich diese Erläuterung: »lebendig machen, wieder beleben«. Das Wort Jesu könnte also auch so formuliert werden: »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch lebendig machen, wieder beleben.« Das Neue Testament wurde jedoch ursprünglich in Griechisch verfasst. Das Wort, das hier an dieser Stelle steht, wird im Wörterbuch mit »ausruhen machen, Ruhe gewähren« wiedergegeben. Und so übertragen modernere Übersetzungen den Satz Jesu etwas anders: »Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.« (Übersetzung »Hoffnung für alle«) Ja, was stimmt denn da nun? »Lebendig machen« oder »Ruhe geben«? Das sind doch zwei unterschiedliche Dinge - oder? Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher merke ich, dass beides zusammengehört. Eine echte Erfrischung, ein wirkliches »Wieder-lebendig-Werden« ist oft erst dann möglich, wenn wir auch mal zur Ruhe kommen. Diese Ruhe, diese innere Ruhe, die Ruhe für die Seele: Sie will uns Jesus geben. Wenn wir bei ihm sind, uns Zeit für ihn nehmen und dann bei ihm zur Ruhe kommen, kann unsere Seele Erholung finden - eine Erholung, die uns wieder lebendig macht und uns für neue Aufgaben die Kraft gibt.

Ulrich Bauersfeld ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Wenings/Merkenfritz.

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