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Idee für Landesgartenschau: Blühstreifen auch in Düdelsheim

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Krokusse, früh im Jahr, wie hier im Garten von Werner Luft, sind ein erweitertes Nektar- und Pollenangebot für Hummeln. © Georgia Lori

Einer, der vor der Haustür über Jahrzehnte viele kleine Naturschutzprojekte angestoßen hat, ist Werner Luft aus dem Büdinger Stadtteil Düdelsheim. Er schlägt vor, auch innerorts Blühstreifen anzulegen.

Die Schönheit der Natur beginnt auch in der Region vor der Haustür. Eine intakte Natur ist die Grundlage, um die Klimakrise zu stoppen. Fördergelder in Verbindung mit der Landesgartenschau im Jahr 2027 sind eine Chance, kleine und große Projekte anzustoßen, die nachhaltig wirken. Doch die meisten Menschen scheuen es, sich bei großen Projekten zu beteiligen.

Der heute 83-jährige Werner Luft aus Düdelsheim war von 1985 bis 2007 Vorsitzender der Natur- und Vogelschutzgruppe Düdelsheim. Im Jahr 2000 erhielt er den Umweltschutzpreis des Wetteraukreises. Heute betreibt Luft Naturschutz im eigenen Garten.

Täglich in Feld oder Wald unterwegs

In seinen aktiven Jahren verging kein Tag, an dem man Luft nicht im Feld oder im Wald antraf. Er scheute auch nicht die Auseinandersetzung mit politischen Verbänden und Vertretern, wenn es um den Naturschutz ging. Früh erkannte er, dass es notwendig war, im Wald südlich von Düdelsheim Nistkastenreviere einzurichten. Unter seinem Vorsitz legte der Verein auch Feuchtbiotope an, kaufte oder pachtete Grundstücke und pflanzte Obstbäume.

Arbeit gab es immer - und die Pflegemaßnahmen setzen sich bis in die Gegenwart fort. 18 Monate lang bauten die Vereinsmitglieder die Schutzhütte am Waldrand, die 1973 eingeweiht wurde. Seit 2012 wurde das Projekt »Blühende Feldwege« auf einer Länge von acht Kilometer forciert, um den Lebensraum von Insekten, Bodenbrütern und Niederwild zu verbessern. Heute haben sich die Prioritäten verschoben. Ackerflächen werden mit Bienenweide und Blühmischungen eingesät, um auch regional gegen das weltweite Insektensterben anzukämpfen. Der dramatische Schwund der Fluginsekten hat besonders dem Mauersegler zugesetzt, der sich ausschließlich von Insekten ernährt. »Durch die Nisthilfen ist es mittlerweile gelungen, den Mauersegler wieder heimisch zu machen«, sagt Luft.

Viele Themen der Vergangenheit wirken in der Gegenwart nach. So sind der Erhalt und die Pflege der Streuobstwiesen auch heute aktuell. Und das dramatische Insektensterben ist seit Jahrzehnten bekannt. Dieses Thema könnte mit ausgesuchten Flächen und der Anlage von Blühstreifen in Düdelsheim zu einem Beitrag für die Landesgartenschau 2027 werden.

Nicht nur im Garten oder im Feld

»I ch halte es für eine gute Idee, nicht nur im eigenen Garten oder im Feld, sondern auch innerorts auf ausgesuchten, öffentlichen Rasenplätzen in Düdelsheim Blühstreifen oder Blühbeete anzulegen«, sagt Luft. Flächen müssten noch ausgewiesen werden. Als Stellen würden sich der Fußweg an der Seemenbachstraße, der Steinweg, der Kindergarten oder Parkstreifen an den Ortseinfahrten von Lindheim, Büches und Orleshausen eignen.

Laut Luft hat sein Nachbar, der Naturschützer Andreas Mohr, der in Düdelsheim ein Büro für Umweltplanung betreibt, mit dem Ortslandwirt Heinrich Schmück bereits Ackerrandstreifen vorbereitet. Laut Luft müssen die Samen von den Landwirten nicht jedes Jahr eingesät werden, da es mehrjährige Blühmischungen gibt. So könnten ab März blaue Traubenhyazinthen und Küchenschellen als frühe Nahrungsquelle für Wild- und Honigbienen dienen.

Lufts Beobachtungen in der Natur dienen auch den Singvögeln. So stellten Werner Luft, Karl Heinrich Hinkel und Ulrich Borst im Sommer vergangenen Jahres eine in Eigenregie gefertigte »Pfahltränke« neben dem Brunnen auf dem Friedhof auf einem Pfahl auf, der Schutz vor Räubern bietet. Sie besteht aus einer auf dem Mast fixierten und einer losen Schale zum Wasserwechsel.

Diese Idee wirkt dem Rückgang der Singvögel entgegen. In Düdelsheim gibt es noch zahlreiche Refugien mit einer Vielzahl an Vogelarten, wie der Düdelsheimer Friedhof, der unterhalb des Vogelschutzgebietes »Weinberg« liegt. Bis zu 30 Prozent aller Brutvogelarten sind rückläufig, davon 34 Prozent Feldvögel. Zu den Ursachen gehören die Klimaerwärmung, der Verlust von Wildblumen und Insekten durch Monokulturen, die Beseitigung von Nistmöglichkeiten oder die Ausbringung von Spritzmittel der industriellen Landwirtschaft.

Bei einem Rundgang durch seinen Garten weist Luft auf zahlreiche Insektenhotels hin. Die Vielfalt reicht von kreativen Einzelbauten bis hin zu bearbeiteten Baumscheiben, die an verschiedenen Ecken des Gartens aufgestellt oder aufgehängt wurden.

»Die künstlich geschaffenen Überwinterungshilfen für Insekten könnten mit Kindern in Schulen und Kindergärten gebaut werden«, sagt Luft und weist darauf hin, dass Wildbienen in seinen Kästen überwintern. Unweit eines Zwetschgenbaumes fällt ein Wildblumenbeet auf, das bereits eingesät ist. An den Ästen des Baumes sind Nist- und Futterhilfen angebracht.

Krokusse als Schlemmerbuffet

Zwei Kästen für Fledermäuse befinden sich unter dem Dach des Wohnhauses von Luft. »Sie wurden bisher leider noch nicht angenommen«, sagt er und zeigt beim Rundgang auf größere und kleinere Flächen von Krokussen, die sich wild ausgesät haben und bereits Farbkleckse auf dem grünen Rasen bilden. Früh im Jahr sind sie ein erweitertes Nektar- und Pollenangebot für Hummeln.

Mit der Verschönerung ihrer Gärten könnten die Bürger in den Kommunen in Oberhessen ihren Teil zur Landesgartenschau beitragen, findet Luft. Nicht nur die Zusammenarbeit im ländlichen Gebiet werde so gefördert, sondern es würden auch neue, kreative Projekte angestoßen und realisiert. Naturschutz vor der Haustür, in und für die eigene Kommune könnte als kleiner Beitrag für ein großes Projekt zur überregionalen Akzeptanz der Gartenschau beitragen. VON GEORGIA LORI

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