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Ihnen gehört die Zukunft: Junge Leute kämpfen für Jugend- und Kulturzentrum im alten Hallenbad

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Die jungen Leute erarbeiten sich Stück für Stück eine größere Lobby in der Stadt. Liam Ulrich (vorne in der Mitte) ist neuer Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirats. © Björn Leo

Die Richtung stimmt: Der Büdinger Kinder- und Jugendbeirat forciert das Vorhaben, das alte Hallenbad in ein Zentrum für junge Menschen und Kultur zu verwandeln, vehement.

Aufbruchstimmung ist zu spü.ren Der Kinder- und Jugendbeirat hat zuletzt deutlich an Format gewonnen und weiß um seine Möglichkeiten. Das Gremium tritt inzwischen selbstbewusst auf, knüpft Kontakte zum seit dem Frühjahr aktiven Jugendring und mischt sich politisch ein. »Die Jugendarbeit trägt einen entscheidenden Teil dazu bei, wie sich die Zukunft Büdingens entwickeln wird«, sagt Liam Ulrich, der Laura Blumenthal an der Spitze des Beirats abgelöst hat. Der 22-Jährige schaut sich im Versammlungsraum des Casa Atriums um, der Teil des Jugendzentrums ist, das unter keinem guten Stern steht. Steril, dunkel, unpersönlich - nichts, was junge Menschen wirklich anmacht. »Sie sehen es ja selbst. Das kann nicht die finale Lösung für die Jugendarbeit sein.«

Antrag fürs Parlament

Vor diesem Hintergrund ist der Antrag zu sehen, den der Beirat nun den Stadtverordneten zur Abstimmung vorlegt. »Der Magistrat wird beauftragt, die Möglichkeiten einer Sanierung oder eines Neubaus zur Einrichtung eines Jugend- und Kulturzentrums im ehemaligen Hallenbad zu prüfen«, lautet der Beschlussvorschlag. Aus der Begründung geht hervor, dass die von Politik und Verwaltung getroffene Entscheidung für das Casa Atrium an der Lebenswirklichkeit junger Leute vorbeiging. Der Mittelpunkt der Büdinger Jugend sei vielmehr am Dohlberg. Dort, in der Nähe der Schulen, könnten sich die Jugendlichen im Anschluss an den Unterricht mit Freunden treffen, ihren Hobbys nachgehen und sich kreativ ausleben.

Der Antrag, sagt Liam Ulrich, ist bewusst offen formuliert. Das Gremium möchte dem Magistrat Handlungsspielraum geben. Der junge Mann, der aktuell beim Wetteraukreis eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten absolviert und ein Duales Studium bei der Stadt Frankfurt anschließen wird, fordert dennoch: »Es müssen endlich Zahlen auf den Tisch. Ist das Hallenbad noch zu retten? In welchem Zustand ist die Bausubstanz? Wie steht es um die Hallendecke?«

Auch Liam Ulrich ist nicht entgangen, dass es nach der Schließung des Hallenbades Anfang 2012 Befürworter und Gegner von weiteren Investitionen in den maroden Zweckbau gab. Der damalige Bürgermeister Erich Spamer (FWG) zum Beispiel sprach vor zehn Jahren im Zusammenhang mit einer Gesamtsanierung von drei Millionen Euro. Er war es auch, der stets mahmend das tragische Unglück von Bad Reichenhall anführte. Dort war 2006 das Dach einer Eishalle unter einer tonnenschweren Schneelast eingestürzt, 15 Menschen starben. Er wolle so etwas in Büdingen nicht erleben. Zum Hallenbad am Dohlberg gibt es freilich Gutachten - doch wie aktuell sind die Papiere? Und beziehen die sich nicht ausschließlich auf den Badebetrieb?

Der Kinder- und Jugendbeirat hat bei allen Überlegungen aber nicht nur das Hallenbad, sondern das gesamte Gelände im Fokus: die Haupt- und Realschule, das Gymnasium, die Sporthallen und die Infrastruktur der Zukunft - einen Haltepunkt für Züge unterhalb des Schulzentrums und einen adäquaten Sportplatz, den kein Verein exklusiv nutzen, sondern allen Sportbegeisterten zugänglich gemacht werden soll. »Es mögen Großprojekte sein, die nicht in fünf Jahren, aber vielleicht in zehn Jahren verwirklicht werden können«, sagt der Vorsitzende mit Blick auf die recht zahlreich zuhörenden Vertreter der politischen Gremien und aus der Verwaltung.

Der Musikraum - wohl ein Reinfall

Einige davon dürfen sich dann auch die Frage gefallen lassen, wie es passieren konnte, dass die Stadt für mehr als 250 000 Euro Räume im Casa Atrium gekauft hat, die von Anfang an auf Ablehnung stießen und dazu noch auf einem Konzept basieren, das in Teilen gar nicht umzusetzen ist. So sollte explizit ein Musikraum im zweiten Untergeschoss eingerichtet werden, in dem junge Bands proben können. Jedoch scheinen der fehlende Schallschutz und der unzureichende Brandschutz dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Unterstützung aus dem Rathaus

Den jungen Leuten ist dennoch bewusst, dass ihre Zukunft zunächst in den Räumen in der Eberhard-Bauner-Allee liegt. Deshalb wollen sie das Casa Atrium bewerben, es nach ihren Vorstellungen herichten. Dafür steht Geld im städtischen Haushalt zur Verfügung, das sofort abgerufen werden kann. »Wir haben zudem mit der Ersten Stadträtin Katja Euler (SPD) eine Frau im Rathaus, die uns unterstützt, uns machen lässt«, sagt Laura Blumenthal, die bei aller Kritik wie der gesamten Beirat dennoch optimistisch bleibt.

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