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Im Kloster Engelthal werden Museumsstücke aus dem Ahrtal restauriert

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Von: red Redaktion

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Schwester Johanna Stüer, Diplom-Restauratorin und Leiterin der Restauratorenwerkstatt des Benediktinerinnen-Klosters Engelthal, arbeitet an Skulpturen des Bistums Mainz. Das Bistum Mainz unterhält im Kloster quasi als Filiale seines Dommuseums eine Werkstatt. © pv

In aller Abgeschiedenheit widmet sich Schwester Johanna Stüer den beschädigten Werken. Besonders hat es ihr eine Christus-Figur angetan, die bereits die zweite Flutkatastrophe überstehen musste.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat der hölzernen Christus-Figur arg zugesetzt: Wasser, Schlamm, Schrammen. Nach ihrer Bergung aus dem überschwemmten Museumsdepot in Bad Neuenahr-Ahrweiler hat die Skulptur nun im Kloster Engelthal eine vorübergehende Bleibe gefunden. Schwester Johanna hat das Kunstwerk mit viel Sorgfalt in einer ersten Notversorgung vom Schlamm befreit und mit einem Mittel gegen Schimmelpilz behandelt. Nun muss das Kunstwerk in aller Ruhe trocknen. »Dafür muss man Zeit haben, das geht nicht unter Zeitdruck«, erklärt die Ordensfrau.

Zeitdruck ist in der Klosteranlage ohnehin ein Fremdwort. Das Bistum Mainz unterhält in Altenstadt quasi als Filiale seines Dommuseums eine Restauratorenwerkstatt. Geleitet wird sie von der 69 Jahre alten Johanna Stüer, die mit 14 weiteren Benediktinerinnen in dem Kloster lebt.

Da man sich in Engelthal die Zeit nimmt, die für alle Dinge des Lebens für nötig gehalten werden, ruht die Christus-Figur nach ihrer Erste-Hilfe-Behandlung nun in einem eigens dafür aufgebauten Zelt, das auf dem Dachboden eines Nebengebäudes untergebracht ist. Bei 9 Grad Celsius und 62 Prozent Luftfeuchtigkeit soll das Kunstwerk langsam trocknen, damit keine Risse entstehen. Im Frühjahr ist dann die zweite Anti-Schimmel-Prozedur fällig. Langeweile kommt bei Schwester Johanna und ihren Mitarbeitenden bis dahin nicht auf: Auch so warten viele Kunstwerke aus dem Besitz des Bistums auf einen neuen Anstrich und fachkundige Ausbesserungen im Kloster Engelthal.

Die Nothilfe nach der Sturzflut im Ahrtal unterbrach die Routine in der kleinen Werkstatt. Insgesamt 16 Teile aus dem in einer Tiefgarage untergebrachten Museumsdepot in Bad Neuenahr-Ahrweiler sind bislang in die Abtei gebracht worden. Sie alle werden in dem weißen Zelt schonend getrocknet. Doch die Christus-Figur - »eine qualitätsvolle Schnitzerei« - ist Schwester Johanna besonders ans Herz gewachsen. Es gebe die Überlieferung, dass die Skulptur bei einer Überflutung im Ahrtal vor über 200 Jahren angeschwemmt worden sei. »Sie hat jetzt zwei Hochwasser überlebt«, sagt die Ordensfrau. Vermutlich hat die Figur bereits damals ihren Bereich unterhalb der Hüfte verloren.

Was mit dem Kunstwerk einmal wird, ist noch unklar. Für die Diplom-Restauratorin im Ordensgewand geht es zunächst einmal um die Rettung. »Kunstobjekte stiften Identität. Es ist wichtig, dass sie für die Region erhalten bleiben«, betont sie.

Fast tragisch ist die Geschichte einer figürlichen Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria. Diese Holzschnitzerei war nach Angaben von Schwester Johanna bereits fertig restauriert und sollte in einer Kapelle im Bad Neuenahrer Stadtteil Bachem aufgestellt werden. Doch auch sie sei im Depot gelagert worden und dadurch ein Opfer der Überschwemmung geworden.

Völlig mit Schlamm verdreckt landete die Skulptur ebenfalls bei der Restauratorin, die die harte Kruste - so schwer es ihr auch fiel - erst einmal gründlich mit Wasser abspülte. Das sei etwas, was Restauratoren normalerweise nicht mit Kunstgegenständen aus Holz machten, erklärt sie. »Es gab aber keine andere Wahl«, sagt sie. Nach einer ersten Schimmelpilzbehandlung trocknet nun auch dieses Kunstwerk langsam in dem Zelt vor sich hin.

Dass die Kunstwerke aus dem Ahrtal überhaupt in die Wetterau kamen, geht auf ein Hilfegesuch des rheinland-pfälzischen Museumsverbandes an das Mainzer Dom- und Diözesanmuseum zurück, wie die stellvertretende Direktorin des Mainzer Dommuseums, Anja Lempges, erzählt. Angesichts der von der Flutkatastrophe angerichteten Schäden zählte schnelle Hilfe. »Das ging ganz unbürokratisch und pragmatisch«, betont sie. Die Kunstwerke seien an Restaurationswerkstätten in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen verteilt worden. »Eine einzige zentrale Stelle hätte das auch gar nicht bewältigen können,« sagt sie. Bad Neuenahr-Ahrweiler gehört zum Bistum Trier.

Depot des Museums in einer Tiefgarage

Was genau auf die Mainzer Museumsleute und ihre Helferinnen im Kloster Engelthal zukommen würde, war anfangs nicht klar. »Es wurde immer mehr«, berichtet Lempges. Und es waren auch oft Überraschungen dabei: »Was haben Sie im Lkw?«, habe sie einmal einen Fahrer bei einer Anlieferung gefragt. »Keine Ahnung. Wir können nur sagen: Es stinkt«, lautete die Antwort. Die Vizedirektorin des Dommuseums ärgert sich, dass das Depot des Museums in Ahrweiler in einer Tiefgarage untergebracht gewesen sei, was die Schäden bei der Überflutung sicherlich verschlimmert habe. »Das ist respektlos den Kunstgegenständen gegenüber«, sagt sie. »Da fehlt aus Sparsamkeitsgründen manchmal das Gespür für die besondere Verantwortung. Wenn man besonders sparsam mit der Kultur umgehen will, zahlen am Ende alle drauf.«

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Holzfiguren aus dem Ahrtal trocknen nach einer ersten Notversorgung auf einem Dachboden des Benediktinerinnen-Klosters Engelthal, damit vor einer zweiten Anti-Schimmel-Prozedur keine Risse entstehen. © pv

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