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Im Zeichen des Miteinanders

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leo_tag1_190922_4c © Oliver Potengowski

Bei sieben Aktionen engagierten sich Büdinger Bürger gemeinsam mit Geflüchteten aus der Ukraine am Freiwilligentag für die Allgemeinheit. Die Projekte waren vielfältig. Oft ging es um Sauberkeit. Über allem stand das Ziel, die Menschen in der Gemeinschaft näher zueinander zu bringen.

Zwei Jahre musste der Freiwilligentag pandemiebedingt ausfallen. Der Bereitschaft, sich jetzt wieder zu beteiligen, hat das keinen Abbruch getan. Die Ideen für die einzelnen Projekte entstanden vielfach aus Beobachtungen im Alltag.

Markus Gerlach, Ortsvorsteher in Michelau, berichtet, dass Kinder, die den Spielplatz an der Grillhütte nutzen, bisher ihre Fahrräder auf der Wiese kaum abstellen konnten. Es gab zwar einen Fahrradständer, aber der lag lose auf dem Gras. »Es war die ganze Zeit vom Ortsbeirat geplant, eine Fläche dafür zu pflastern«, erläutert Gerlach. »Da ist der Freiwilligentag ein guter Anlass.« Während Mitglieder des Ortsbeirats das Pflaster verlegen, bringt Regina Häring mit ihrem Sohn Lars die Hochbeete in Ordnung.

Gleich mehrere Gruppen beschäftigen sich mit Reinigungs- und Aufräumarbeiten in der Natur. In Rohrbach hat Ortsvorsteher Oliver Debus zum Müllsammeln und zu kleineren Reparaturen aufgerufen. Die Jugendfeuerwehr Aulendiebach reinigt das Ehrenmal auf dem Friedhof. Der Förderverein Wildpark kümmert sich um das Erholungsgebiet im Kälberbachtal.

Situation am Seemenbach

»Im vergangenen Jahr bin ich an Ostern hier lang gegangen«, erinnert sich Uwe Knecht von den Grünen an den Anstoß zur Aktion am Seemenbach. »Ich war erschrocken, wie es hier aussieht.« Die Gruppe aus Grünen, NABU, BUND, Bürgern und Helfern aus der Ukraine säubert vor allem einen Teil des Seemenbachs, der weniger von Spaziergängern genutzt wird.

Oberhalb der Furt durch das Bachbett gehen sie in Richtung Hammer. Dabei sorgen sie sich auch wegen zahlreicher Plastikplanen und -netze, die lose auf einer Rinderweide am Ufer liegen. Wenn der Pegel des Seemenbachs nur geringfügig weiter steigt, werden diese vom Wasser mitgerissen. »Leider gelangt einiges davon über Nidder, Nidda, Main und Rhein als Mikroplastik bis in die Nordsee«, erläutert Knecht im Faltblatt zum Freiwilligentag, weshalb die Sammelaktion wichtig ist.

Andere Mitglieder dieser Gruppe machen die Erfahrung, dass solche landwirtschaftlichen Abfälle aber auch Gegenstände, die in Gärten entlang der Ufer sorglos gelagert werden, den Bach im gesamten Stadtgebiet verunreinigen. Alexandra Bücking und Ulrike Glenski ziehen unter anderem ein Schwimmbecken,, Teile eines Spielhauses und auch große Teile eines Kunststoffgeflechts aus dem Wasser.

Mit Unrat muss sich die Gruppe, die auf Einladung der CDU ein Geotop reinigt, nicht beschäftigen. Denn die Steine mit ihren auffälligen Löchern liegen relativ versteckt im Wald. »Früher hat man die Löcher als Sprenglöcher interpretiert«, erläutert Jonathan König. Lothar Keil hat herausgefunden, dass die Steinbrocken bei einem Vulkanausbruch vor Millionen Jahren nach Düdelsheim geschleudert wurden. Durch die Löcher ist Gas aus dem damals noch flüssigen Magma entwichen.

Arbeitseinsatz am Geotop

»Nach drei Jahren war jetzt mehr zu tun«, stellt Heinz Martin Rüb fest. Denn seit der bislang letzten Reinigungsaktion haben Moose und anderer Bewuchs die Steine überwuchert, Die Entgasungsröhren, wie Fachleute die Löcher in den Brocken nennen, sind teilweise kaum noch zu erkennen. Sorgfältig reinigt die Gruppe die Steine mit Spachtel und Drahtbürste. Dabei gilt es aber auch, nicht zu viel Bewuchs zu entfernen, um die Atmosphäre des Geotops nicht zu zerstören.

Angesichts des wechselhaften Wetters mit immer wieder aufziehenden Regenschauern hat sich die Frauenselbsthilfe Krebs den angenehmsten Platz für ihr Projekt ausgewählt. Im Sälchen des Büdinger Kulturzentrums Oberhofs hat die Gruppe eine kleine Manufaktur für herzförmige Kissen eingerichtet. Die Kissen helfen durch ihre Form, den Wundschmerz nach einer Brustkrebsoperation zu lindern, erläutert Alexandra Prues im Faltblatt. Gemeinsam mit ukrainischen Frauen werden Stoffe zugeschnitten, zusammengenäht, mit Polstermaterial gefüllt und verpackt.

Jurgita Ott vom Malteser Hilfsdienst hat Flüchtlinge aus der Ukraine zu den einzelnen Gruppen gebracht. Mit Fleiß helfen diese mit und packen an, wo sie können. Im Café »La Porta« bereitet inzwischen eine Gruppe Frauen ein reichhaltiges Mittagessen für alle Helfer vor. Bei Borschtsch und Pelmeni (gefüllten Teigtaschen) findet sich ein großer Teil der Helfer zum Abschluss zusammen.

Dank des Bürgermeisters

Bürgermeister Benjamin Harris freut sich schließlich, dass der Büdinger Freiwilligentag, der zu einer Tradition geworden ist, endlich wieder stattfinden konnte. »Davon lebt das Miteinander in der Stadt«, stellt er fest. »Ich danke allen, die daran teilgenommen haben, und auch den ukrainischen Frauen für die Bewirtung der Helfer.«

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leo_tag3_190922_4c © Oliver Potengowski
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leo_tag4_190922_4c © Oliver Potengowski
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leo_tag5_190922_4c © Oliver Potengowski

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