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Imposante neue Bewohner im Bad Nauheimer Greifvogelpark

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Von: Hanna von Prosch

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Nach gutem Zureden fliegt Weißkopfseeadler Lisa auf Ernst Marschecks Handschuh. © Hanna von Prosch

Der Greifvogelpark im Bad Nauheimer Goldsteinpark hat Zuwachs bekommen: einen Weißkopfseeadler, einen Sakerfalken und einen Hochlandbussard. Alle drei sind Weibchen und kommen aus einer Falknerei in Norddeutschland. Nun gewöhnt Ernst Marscheck sie mit viel Gefühl an ihr neues Zuhause. An ihrem sechsten Geburtstag, dem 24. April, kam Lisa, die Weißkopfseeadler-Dame, nach Bad Nauheim.

Mit ihr zogen Hochlandbussard Lucie (elf Jahre) und das zweijährige Sakerfalken-Mädchen Mia im Greifvogelpark ein. »Der Besitzer hat die Vögel abgegeben, weil er aus beruflichen Gründen nicht mehr genügend Zeit für sie hat. Er hat sich unseren Park genau angeschaut und ist beruhigt, dass sie in gute Hände kommen«, sagt Marscheck. Seine Aufgabe ist es nun, sich viel mit den Vögeln zu beschäftigen, mit ihnen zu reden, dass sie seine Stimme erkennen und bald gut auf ihn hören.

Etwa vier Wochen wird es dauern, bis sie die Appellprüfung bestehen und dann frei fliegen und zurückkehren. Das lernen sie, indem der Falkner ihnen in immer weiteren Entfernungen von einem bis etwa 25 Meter zuruft. Dann fliegen sie auf seinen Lederhandschuh und bekommen eine Belohnung. Denn zu Hause lockt immer ein sicherer Futterplatz.

Adler-Ausflug sorgt für Suchaktion

Steppenadler Igor machte kürzlich einen Ausflug bis nach Ockstadt. Dann landete er aber an den Waldteichen in Bad Nauheim und konnte den Goldstein nicht mehr sehen. »Wäre er auf dem Johannisberg gelandet, wäre es kein Problem gewesen, denn Adler erkennen aus einem Kilometer Höhe noch ihre Beute«, erklärt Marscheck. So aber musste er den Ausflügler suchen, rufen und nach Hause bringen. Eigentlich wären alle Vögel mit einem 40 Kilometer reichenden GPS-Sender ausgestattet, um sie zu orten. Aber die Sendeanlage wurde bei einem Einbruch ins Vereinshaus gestohlen, und eine neue, Kostenpunkt 1700 Euro, ist noch nicht gekauft.

Peppi hat letztes Jahr 13 Eier gelegt

Marscheck hatte vom Vorbesitzer die Vorlieben und Marotten der Neulinge erfahren, nun beobachtet er ihr Verhalten genau. Um sie auch nachts unter Aufsicht zu haben, schläft er sogar im Greifvogelpark. Der Bussard-Dame Lucie scheint es hier schon gut zu gefallen. Jedenfalls hat sie bereits zwei Eier in eine Kuhle bei ihrer Nachthütte gelegt. »Die Eier sind natürlich unbefruchtet. Wir wollen ja nicht züchten. Wenn die Vögel merken, das sich nichts regt, hören sie auf sich draufzusetzen«, erklärt Marscheck. Peppi, der sieben Jahre alte Turmfalke, habe im vergangenen Jahr sogar 13 Eier gelegt. Falken seien keine Nestbauer, sondern Nestbenutzer, erfahren die Besucher.

Während Igor zur Stange vorwatschelt, will Lisa etwa zehn Meter entfernt ihr weißes Köpfchen durchsetzen und partout nicht auf den Block fliegen. Stattdessen senkt sie den Kopf und beguckt sich ihr Geschüh. Nein, sie sei nicht beleidigt, das machten Adler so. Aber der Falkner weiß auch, dass man Igor und Lisa auseinanderhalten muss, sonst würden sie zanken. Und dabei zöge Igor den Kürzeren. »Alle Adler sind Feiglinge«, bestätigt Marscheck schmunzelnd und berichtet, dass ein Weißkopfseeadler, das Wappentier der Amerikaner, bei seiner Geburt ganz braun sei. Auch bei Lisa sieht man trotz ihrer sechs Jahre noch einen dunklen Fleck am Ohr, und die Augen sind noch nicht gelb. So lange dauere es, bis sie ausgemausert seien.

Der Uhu ist doch ein Bub

Inzwischen ist auf der anderen Seite beim Sakerfalken Mia Geschrei. Sie hat einen Bussard in der Luft entdeckt und meint, sie müsse ihn vertreiben. Das stört den kleinen Turmfalken Peppi in seiner offenen Hütte gar nicht: Er hängt einfach entspannt ab und gibt dabei ein ziemlich komisches Bild ab. Und über noch etwas werden sich die Parkbesucher wundern: Die Uhudame »Lucie« hat sich als Bub entpuppt und heißt jetzt Luggi.

Wegen der Eingewöhnung des Zuwachses ist der Greifvogelpark im Goldsteinpark aktuell Montag und Dienstag geschlossen. An den anderen Tagen ist zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet.

HANNA VON PROSCH

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