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In der Niddaer Bibliothek: Bücher, Bots, binäre Bienen

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Eine Schachtel voller Ozo-Bots: Die kleinen Roboter sind in der Lage, farbige Linien auf dem Untergrund zu erkennen und können dadurch gesteuert werden. © Steffen Frühbis

Die Stadtbücherei startet mit einem modernen Bündel medialer Angebote in das neue Jahr. Hoch im Kurs steht eine Mischung aus Wachtelei und Star-Wars-Bekanntheit R2D2.

Aktuell öffnet die Stadtbibliothek Nidda unter Einhaltung der 2G-Regel dienstags, donnerstags und freitags. Drei festangestellte Mitarbeiter und fünf Ehrenamtliche kümmern sich mit Bibliotheksleiterin Kathleen Kmetsch jeweils nachmittags um das Publikum. Es geht dabei um deutlich mehr als lediglich um Bücher.

»Wir hatten diese Woche Dienstag zum ersten Mal im neuen Jahr geöffnet und wurden fast überrannt«, berichtet Kathleen Kmetsch mit einer Mischung aus Stolz und Erleichterung. »Da wir uns entschieden haben, nur acht Besucher gleichzeitig in die engen Räumlichkeiten einzulassen, war das Gedränge vor dem Gebäude groß.« Dass die Menschen nach der Feiertagspause selbst im Regen geduldig auf Einlass warten, scheint für die Beliebtheit der Einrichtung zu sprechen. »Wir mussten allein an jenem Nachmittag 650 Ausleihvorgänge abwickeln.«

Das gedruckte Buch bleibt wichtig

Schon lange werden nicht nur mehr Bücher ausgeliehen. »Das gedruckte Buch wird unstrittig einen großen Stellenwert behalten«, vermutet die Bibliotheksleiterin. CDs und DVDs, Hörbücher und Hörspiele, eBooks sowie Brettspiele machen einen großen Teil der Medien heutzutage aus. Games für Spielekonsolen und Tonies - eine Art kindgerechter Vorlesewürfel zum fantasieanregenden Eintauchen in die Hörspielwelt - ergänzen das Angebot.

»Was uns die Arbeit ein wenig erleichtert«, erklärt Kmetsch, »ist das inzwischen eingeführte bargeldlose Bezahlen.« Registrierte Kunden können ihre gewünschten Medien auf der Internet-Seite der Bibliothek oder per App auf dem Smartphone reservieren. Bezahlt wird mit PayPal. Wer sich am hessenweiten Portal »Onleihe« anmeldet, kann eBooks und Co zudem direkt via Internet herunterladen. Barzahlen geht freilich auch noch.

Wem das Audiosystem der Tonies oder der Internet-Download von digitalen Medien schon futuristisch anmutet, wird sich wundern. Kmetsch - aufgewachsen mit zahlreichen jüngeren Geschwistern, Cousins und Cousinen - scheint Geschick dafür zu haben, schon die Kleinsten sowohl an herkömmliche als auch an neuartige Medien heranzuführen. »Medienkompetenz vermitteln«, nennt die Leiterin schon lange ihr Konzept. Infolgedessen neu hinzugekommen: »Bee-Bots«. Bee-Bot setzt sich aus dem englischen Wort Bee für Biene sowie Bot als Abkürzung für Roboter zusammen. Die etwa handtellergroßen, schwarz-gelb gestreiften Bodenroboter können von Kindern ab vier Jahren mit einfachen Kommandos und großen Tasten programmiert werden. Die bienenähnlichen Roboterchen können damit beispielsweise durch einen Verkehrsparcours oder über eine Landkarten-Matte auf dem Boden gesteuert werden. Ziel des Lernsystems: Die Vermittlung von Logik, abstraktem Denken und räumlichem Vorstellungsvermögen. »Wir haben sechs Bee-Bots angeschafft. Das Interesse daran ist so groß, dass alle sofort an Niddaer Kindergärten verliehen waren.«

Gesellschaft bekommt die Bienenfamilie von einer weiteren Bot-Spezies: Dem sogenannten »Ozo-Bot«. Das rollende Döschen ähnelt entfernt einer Mischung aus Wachtelei und einer - Star-Wars-Freunden noch unter dem Namen R2D2 bekannten - Roboter-Variante. So groß wie ein Schnapsglas können Ozo-Bots mittels farbiger Linien über große Malunterlagen gesteuert werden. Die Bots erkennen selbstständig mittels Sensoren die Linienfarbe und fahren an dieser entlang. Eingesetzt in Kindergruppen kann hier Teamfähigkeit und Sozialkompetenz spielerisch vermittelt werden. Fünfzehn Ozo-Bots tummeln sich in der Stadtbibliothek. »Auch solche digitalen Spiel- und Lernsysteme gehören in ein modernes Medienkonzept«, nimmt Kmetsch die Antwort auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Bots und Bücherei vorweg.

Nicht umsonst heißt der Beruf des Bibliothekars im 21. Jahrhundert ›Master Of Library And Information Science‹. »Robotik und Digitalität sind Teil unseres täglichen Lebens geworden und sollten schon früh kritisch vermittelt werden. Darüber hinaus ist es ein weiterer Weg, die Kinder an die Bibliothek heranzuführen. Verstaubte Folianten wecken dabei nur selten kindliches Interesse.«

Ein konzentriertes Zuhören vermitteln

Etwas näher am Kernthema Lesen, aber nicht minder digital: kindliche Leseförderung per Podcast. Im Rahmen des bundesweiten Bibliotheksnetzwerks »Bücher-Alarm« stellen Bibliotheken wöchentlich neue Hörbücher vor. Per Podcast - eine Art aufgezeichneter Radiosendung - können Kids unabhängig von 2G oder 3G bequem von zu Hause aus per Internet ans aufmerksame Zuhören und letztlich ans Lesen herangeführt werden. Die Niddaer Bücherei wird im Mai an der Reihe sein.

»Eine große Hilfe wird das RFID-System sein, das wir im Laufe des Jahres anschaffen wollen«, beendet Kmetsch den Zukunftsrundgang. RFID steht für »Radio-Frequency Identification«. Ein kleiner Chip wird die heutigen Barcodes auf Medien und Mitgliedsausweisen ersetzen. Grundlegender Unterschied zwischen Barcode und RFID-Chip: Während ein Barcode-Scanner den schwarz-weißen Strichcode optisch abtastet, liest ein Lesegerät mithilfe von Magnetfeldern oder Radiowellen den RFID-Chip aus. Die codierte Information ist jeweils identisch: eine mehrstellige Zahl. Kmetsch erläutert den Vorteil: Die Kunden werden zukünftig in der Lage sein, ihre Medien selbst auszusuchen und an einer RFID-Scanstation - zusammen mit ihrem Mitgliedsausweis - zu scannen. Bezahlt wird automatisch bargeldlos. Das Medium wird hierbei zentral in der Bibliotheks-Software als »ausgeliehen und bezahlt« markiert.

Mit neuem System dann schneller

Wie in einem Kaufhaus gehen die Besucher beim Verlassen des Gebäudes durch ein »Gate«. Versucht jemand, ein Buch oder Ähnliches aus der Bücherei herauszuschmuggeln, erkennt dies ein im Gate verbauter RFID-Scanner und alarmiert die Mitarbeiter. Laut Kmetsch fördert der Bund über den Deutschen Bibliotheksverband die Investition von rund 40 000 Euro zu 90 Prozent. Lediglich zehn Prozent müsse die Stadt beisteuern. Im Gegenzug kann auch die Rückgabe von Medien durch den Kunden selbstständig ohne Personenkontakt vorgenommen werden.

Kathleen Kmetsch: »Mit diesem System hätte zum einen ein einziger Mitarbeiter einen Ansturm wie vergangenen Dienstag ohne Weiteres alleine bewältigt. Zum anderen schaffen wir ein Stück Privatsphäre für die Kunden. Denn weder Mitarbeiter noch Besucher, die zufällig am Tresen stehen, sehen auf den ersten Blick, was der Kunde ausleiht.«

Trotz allem Digitalen: Das altmodische Bücherausleihen mit Personenkontakt und Barzahlung steht nach wie vor jedem Kunden weiterhin zur Verfügung.

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