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In Ortenberg im Einsatz für ein unbeschwertes Badevergnügen

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Abkühlung an heißen Sommertagen verspricht ein Freibadbesuch. Doch um das Bad, wie hier in Ortenberg, in einem solch ansprechenden Zustand zu halten, ist einiges an Arbeit nötig. © Corinna Willführ

Abkühlung an heißen Sommertagen bedeutet für viele einen Freibadbesuch. Doch was alles an Arbeit notwendig ist für diese Urlaubsatmosphäre, zeigt ein Blick hinter die Kulissen.

V on ihrem »Wohnzimmer« haben Carsten Meißner und Peter Duvnjak beste Aussichten. Vor sich blicken sie auf jede Menge Wasser, hinter sich haben sie einen gepflegten Rasen mit schattenspendenden Bäumen und über sich den Himmel. Die scherzhafte Bezeichnung haben die beiden ihrem (Haupt)-Arbeitsplatz in den Sommermonaten selbst gegeben: dem Aufsichtsturm für den Badebetrieb im Ortenberger Freibad. Wohl auch, weil so mancher denkt: Es sei allein ein Wohlfühl-Arbeitsplatz in der Sonne. Doch das ist er mitnichten. Vielmehr ist er mit reichlich Verantwortung verbunden, erfordert viel Fachkenntnisse und menschliches Einfühlungsvermögen. Seit 15 Jahren ist Carsten Meißner Schwimmmeister in der Freizeitanlage, seit 2010 steht ihm Kollege Peter Duvnjak zur Seite.

Vor Öffnung: Putzen, putzen…

Noch bevor das Bad in der Rotlippstraße öffnet, sind die beiden schon gut eine Stunde im Einsatz. »Was wir da machen: putzen, putzen, putzen«, sagt Duvnjak. »Jeden Morgen und jeden Abend werden die Beckenumrandungen abgesprüht«, ergänzt Meißner. Über Nacht zieht ein Unterwasser-Bodensaugroboter seine Kreise im Schwimmerbecken, am frühen Morgen im Nichtschwimmerbecken. Das Planschbecken muss täglich ausgekehrt werden. »Ich lege viel Wert auf Sauberkeit«, betont Meißner. Rund um die Becken sind Essen, Trinken und Rauchen verboten. Etwa 50 Mülltonnen auf dem gut 10 000 Quadratmeter großen Gelände müssen kontrolliert und geleert werden - an heißen Tagen mit vielen Gästen täglich. »Am Brückenwochenende um Fronleichnam hatten wir vom Feiertag bis zum Sonntag etwa 10 000 Gäste.« Da fiel viel Abfall an. Die Besucher am Folgetag des bisherigen Rekordbesuchs haben davon nichts gesehen. Für die zwei ist selbstverständlich, egal, ob wenige oder viele Besucher, jeder soll das Gelände in bestem Zustand vorfinden.

Ein besonderes Augenmerk hat Meißner auf die Liegewiesen. Schließlich hat der 50-jährige Dauernheimer 40 Erlen und zwei Birken dort selbst eingepflanzt. »Den Rasen mähen Mitarbeiter des Bauhofs. Den Heckenschnitt und die Pflege der Pflanzen mache ich.« Das macht zwar viel Arbeit, aber auch viel Freude. Denn die Besucher schätzen die gepflegte Anlage. Nicht minder die Wasserqualität in den Edelstahlbecken. Die gilt es jeden Tag erneut zu kontrollieren - morgens, mittags, abends. Auch wenn die Werte computergesteuert sind: Eingestellt und überwacht werden sie von Carsten Meißner. Es versteht sich, dass auch Peter Duvnjak regelmäßig ein Auge auf sie hat. Ein Fingerdruck auf den Bildschirm am Morgen um 10 Uhr: Der ph-Wert liegt im Schwimmerbecken bei 7,04 (Richtwert zwischen 6,8 und 7,2). Der Chlorgehalt beträgt 0,43 mg/l und liegt damit im idealen Bereich zwischen 0,3 und 0,6 mg/l. Die Wassertemperatur beträgt 24,3 Grad. Tags zuvor entnahm ein Mitarbeiter des Instituts für Hygiene und Umwelt in Lollar für die monatliche Kontrolle Wasserproben. Alles im grünen Bereich. Auch vom Gesundheitsamt des Wetteraukreises »gab es noch keine Beanstandungen«, freuen sich die beiden.

»Die Anlage ist auf dem neuesten Stand der Technik«, schwärmen sie. Das Wasser in den Edelstahlbecken - rund zwei Millionen Kubikmeter - wird ständig durch Frischwasserzufuhr umgewälzt. Im Nichtschwimmer-Becken (mindestens) alle zwei Stunden komplett gefiltert. Und wo kommt das Wasser her? Direkt aus dem Stadtbrunnen in der Altstadt. Erwärmt wird es über ein komplexes technisches System. Dessen Basis steckt in einem »Keller voller Pumpen«. Von dort wird das erfrischende Nass zu Schläuchen auf dem Dach des Eingangsgebäudes geleitet. Mit Sonnenenergie lässt es sich so um drei, vier Grad aufheizen. Über Kollektoren auf dem Dach nebenan, die die Stadt 2019 installieren ließ, wird das Wasser der Duschen erwärmt.

Hohe Besucherzahl für Ferien erwartet

Der schrille Ton einer Trillerpfeife: »Bitte spielt mit dem Volleyball kein Fußball«, mahnt Meißner Jugendliche auf der Wiese. »Wir sind vor allem ein Familienbad«, sagt er. Etwa 80 Prozent der Besucher kommen mit Kindern.« In der Saison 2019 (vor Corona) vergnügten sich 90 000 Menschen in der Freizeiteinrichtung. Mit Beginn der Ferien rechnen die zwei an heißen Tagen im ersten Jahr nach der Pandemie mit hohen Besucherzahlen. Das können pro Tag dann mehrere Tausend Menschen sein. Gute Aussichten für die Einnahmebilanz des Bades - und anstrengende Zeiten für das Duo - insbesondere von ihrem »Wohnzimmer« aus.

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Die Technik unterirdisch der Becken macht viel, doch die »Überwachungsinstanz« ist noch immer ein Mensch, wie etwa im Ortenberger Freibad Schwimmmeister Carsten Meißner. © Corinna Willführ
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Ob morgens, mittags oder abends: Die Messerwerte müssen stets im »grünen Bereich« sein. Peter Duvnjak kontrolliert sie auf dem Bildschirm. © Corinna Willführ

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