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In Selters bildet man neue Vermittler für die Faszination Natur aus

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Voller Tatendrang, mit vielen kreativen Ideen und großem Lob für Frank Uwe Pfuhl, Leiter der Umweltwerkstatt Wetterau (vorne, l.), und Ortenbergs Nabu-Vorsitzenden Dietmar Wäß (letzte Reihe, 2. v. r.) starten die Naturführer-Anwärter ihre Ausbildung. © Corinna Willführ

Sich für die Natur begeistern, ist eine Sache. In anderen diese Begeisterung zu entfachen, eine ganz andere. In Selters startete die Ausbildung zu Nabu-Naturführerinnen und -führern.

E ine Gruppe aus 18 Frauen und Männer zwischen 19 und 66 Jahren mit den unterschiedlichsten Berufen aus der Region und sogar Frankfurt bilden das Team, das der Nabu Ortenberg in Kooperation mit der Umweltwerkstatt Wetterau in einer speziellen Ausbildung zu zertifizierten Naturführern qualifiziert. Der Lehrgang hat drei Schwerpunkte: Fließgewässer, Auenlandschaft und Salzwiesen. Also jene Themen, die im Fokus des Nabu-Zentrums »Haus an den Salzwiesen« in Selters stehen. Auftakt für ihren Unterricht, vornehmlich draußen im »grünen Klassenzimmer« des Geländes, war am Wochenende.

Wer eine Ausbildung für Gruppen anbietet oder sich als Teilnehmer für eine solche anmeldet, mag sich wohl bewusst sein, dass deren Erfolg für jeden Einzelnen wie für das Team sehr davon abhängt, dass Chemie und Wellenlänge stimmen. Auch wenn es um die Vermittlung von Wissen in und um die Natur geht. Prädestiniert dafür ist das Nabu-Informations- und Mitmachzentrum »Haus an den Salzwiesen«, liegt es doch direkt an der Nidder, inmitten der Wetterauer Auenlandschaft und grenzt unmittelbar an das Naturschutzgebiet Salzwiesen.

Spezialthemen verständlich machen

20 000 Quadratmeter groß ist das Gelände, das der Nabu Ortenberg seit 2013 von der Stadt gepachtet und seitdem mit Leader-Mitteln und ungezählten ehrenamtlichen Arbeitsstunden zu einem »Leuchtturm des Nabu Hessen entwickelt hat«, so Ortenbergs Nabu-Vorsitzender Dietmar Wäß. »Wir haben ein tolles Zentrum auf einem wunderbaren Gelände, doch uns fehlen noch mehr Menschen, die es betreiben und tragen können«, erzählt er. Denn die Anfragen interessierter Organisationen, Vereine und Firmen nach Führungen oder Vorträgen nehmen stetig zu.

So entstand die Idee, interessierten Menschen eine Weiterbildung zu den Spezialthemen anzubieten, um sie nach einer individuellen Abschluss-Präsentation als zertifizierte Naturführer in die (Bildungs-)Angebote einbinden zu können. Ersten Lernstoff vermittelte Frank Uwe Pfuhl, Leiter der Umweltwerkstatt Wetterau in Assenheim. Dazu gehörte auch alles Wissenswerte über den Nabu, dessen Geschichte, seinen Aufbau und seine Aufgaben. Es folgte ein erster kreativer Praxistest, der bereits zeigte, wie viel Potenzial im Team steckt.

Ein Gruppen-Vorschlag formuliert die Idee eines »Blumen-Kränzchens«. Über Sinneserfahrungen möchte man bei einer Veranstaltung die Erinnerungen von beim Sehen, Gehen oder Hören eingeschränkten Seniorinnen und Senioren reaktivieren. Beispielsweise durch Melodien, die mit den Jahreszeiten verknüpft sind, durch Gerüche wie den Duft von Flieder oder das Erkennen von Fundstücken aus Feld, Wald und Flur durch Fühlen.

Gruppe zwei möchte gerne die Ortenberger Stadtverwaltung, bei der Präsentation humorvoll als »Bürgermeisterin und ihr Gefolge« beschrieben, einladen, »die Würze des Lebens kennenzulernen«. Dazu böte sich ein halbtägiges Seminar vor Ort zum Thema »Salz« an. Ein solches könnte neben einem Spaziergang durch die Salzwiesen eine Kostprobe von selbst gesiedetem Salz enthalten. Ebenso auch eine Testverkostung, wie Speisen schmecken, wenn ihnen das »weiße Gold« fehlt.

Angebote für Familien

Im Fokus von Gruppe drei zum Auftakt: Familien. Ihr Ziel: Väter, Mütter, Kinder »fit für den Insektensommer« zu machen. So könnte man sie bei einer Führung auf dem Gelände damit vertraut machen, was auf der Blumenwiese, am Insektenhotel oder im Kräuterbeet kreucht und fleucht. Das Ziel: Anschließend im heimischen Garten bestimmen zu können, was dort Wespe oder Biene, was Spinne oder Schmetterling ist. Auch praktische Hinweise, wie man selbst ein Insektenhotel bauen kann oder was beim Kauf eines solchen zu beachten ist, will man den Familien mitgeben.

Größeres hatte Gruppe vier im Blick. Unter dem Motto: »Von dick und rund bis kunterbunt« wollten sie sich über einen längeren Zeitraum, etwa im Rahmen des Schulunterrichts oder am Lernort »grünes Klassenzimmer«, der Schmetterlingsentwicklung widmen.

In den nächsten Lerneinheiten konzentriert sich das Team an drei Samstagen ganztägig auf die Themen Auenlandschaft (21. Mai), Salzwiesen (18. Juni) und Fließgewässer (9. Juli). Im sechsten Modul (10. Juli) geht es abschließend um die konkrete Vorbereitung einer Führung.

Das bereits stattgefundene zweite Modul widmete sich Methoden und Möglichkeiten, wie mit Spielen Natur erfahrbar gemacht werden kann. Angeleitet von Umweltpädagogin Maxi Heuer verwandelten sich die Teilnehmer bei Rollenspielen in Räuber- und Beutetiere, bildeten eine Nahrungsketten-Pyramide und gestalteten »Visitenkarten« aus Blüten, Gräsern und Kräutern. »Wir freuen uns schon auf das nächste Treffen«, lautete das Teilnehmer-Fazit. »Weil alles super vorbereitet war, wir viel lernten und großen Spaß hatten.« Und nicht zuletzt, weil Chemie und Wellenlänge stimmten.

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