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In steigendem Maße Krisenmanager

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Von: red Redaktion

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Seit genau zehn Jahren ist heute der Vogelsberger Landrat Manfred Görig im Amt. FOTO: GALLE-SCHÄFER/VOGELSBERGKREIS © pv

»Der Vogelsbergkreis kann mehr«, zeigte sich Landrat Manfred Görig bei seiner Amtseinführung heute auf den Tag genau vor zehn Jahren überzeugt. Wie viel er tatsächlich kann und wie viel er letztendlich leisten musste - am 10. Juni 2012 war das kaum abzusehen.

Millioneninvestitionen in den Schulbau, Neuausrichtung des Rettungsdienstes, Neuordnung der Finanzen und nicht zuletzt drei große Krisen, die alle Kräfte bündelten, sind die Stichworte, die Vogelsberg-Landrat Manfred Görig anlässlich seines zehnten Dienstjubiläums nennt. Kreispressesprecherin Sabine Galle-Schäfer sprach mit Görig über seine Sicht auf die vergangenen zehn Jahre.

Herr Görig, vor genau zehn Jahren wurden Sie in Ihr Amt als Landrat des Vogelsbergkreises eingeführt. Mit welchen Gefühlen denken Sie an diesen Tag?

Mit gemischten Gefühlen. Zum einen überwog die Freude, in einem Amt angekommen zu sein, in dem man selbst entscheidende Weichen für die Entwicklung des Kreises stellen kann. Mir war klar, dass herausfordernde Aufgaben auf mich warteten. Zum anderen wusste ich natürlich auch um die äußerst angespannte finanzielle Situation unseres Kreises. Unsere Kassenkredite hatten sich auf 100 Millionen summiert. Das Land Hessen erließ uns zwar durch zwei Programme einen Großteil der Schulden. Einen Teil müssen wir aber immer noch zurückzahlen - noch 40 Millionen bis ins Jahr 2034.

Die finanzielle Situation war nicht die einzige Herausforderung, der Sie sich stellen mussten?

Mitnichten. Völlig neu aufgestellt habe ich zum Beispiel unseren Rettungsdienst. Alleine in unserer Leitstelle haben wir das Personal verdoppelt, und zahlreiche Rettungswachen neu gebaut. Hausintern haben wir das Amt für Gefahrenabwehr mit Rettungsdienst und Katastrophenschutz neu aufgebaut.

Bleiben wir beim Oberbegriff Gesundheit: Das Kreiskrankenhaus in Alsfeld beschäftigt Sie seit ihrem Dienstantritt?

In der Tat, da habe ich viele Enttäuschungen hinnehmen müssen. Wir wähnten uns schon mehrfach am Ziel und wurden auf den letzten Metern ausgebremst. Ich bin froh, dass der Kreistag den Weg frei gemacht und dem Neubau des Kreiskrankenhauses zugestimmt hat. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir von Kosten in Höhe von 75 Millionen Euro aus, was für uns einen enormen finanziellen Kraftakt darstellt. Das Land stellt uns einen Kredit über 13 Millionen Euro zur Verfügung. Da würde ich mir sehr viel mehr Engagement wünschen. Wenn man sieht, was das Rhönklinikum bekommt, da kann man schon neidisch werden: 500 Millionen in den nächsten zehn Jahren für eine Aktiengesellschaft!

Millionen sind auch nötig, wenn es um die Sanierung der Schulen geht.

Die Ausstattung unserer Schulen liegt mir besonders am Herzen. Seit 2012 haben wir 46,5 Millionen Euro ausgegeben, unser Eigenanteil liegt bei 29 Millionen. Allein aus Eigenmitteln finanzierten wir unter anderem die Komplettsanierung der Vogelsbergschule in Schotten, den Neubau der Vulkan-Sporthalle in Lauterbach und den Neubau der Gesamtschule in Schlitz. Alleine für den Neubau in Schlitz geben wir 19 Millionen Euro aus. Da spüren wir schon ganz deutlich die enorme Erhöhung der Baukosten. Geplant waren 2,7 Millionen, mittlerweile sind wir bei 3,7 Millionen angelangt. Vor allem aber wirken sich Preissteigerungen aus, wie das Beispiel Oberwaldschule in Grebenhain zeigt. Zunächst mit 15 Millionen geplant, gehen wir nun von 21 Millionen aus. Neun Millionen Euro haben wir zusätzlich in die digitale Ausstattung der Schulen investiert. Da sind wir im Vergleich zu anderen Kreisen ganz weit vorn. Wir haben sehr früh damit begonnen, unsere Schulen entsprechend auszustatten, die erste Generation unserer Aktivboards muss bereits ersetzt werden. In einem ersten Schritt werden 125 dieser interaktiven Displays angeschafft, alleine das kostet 900 000 Euro.

Blieb bei diesen Summen eigentlich noch Geld und Zeit für andere Dinge?

Wir haben in den vergangenen zehn Jahren viele Dinge angestoßen und umgesetzt - das reicht von der Fachstelle für gesundheitliche Versorgung, die auf meine Initiative hin hauptamtlich eingerichtet wurde, über die Sanierung der Kreisstraßen mit eigenem Geld bis zum geförderten Ausbau des Breitbandnetzes.

Und schließlich galt es drei große Krisen zu meistern - ein straffes Programm für zehn Jahre Dienstzeit?

Los ging es 2015 mit der Flüchtlingskrise. Wir mussten vier Sporthallen zu Unterkünften mit 1000 Betten umgestalten und für Absperrungen sorgen. Unser Krisenstab tagte damals mehrmals täglich, ich fuhr nachts zu den Unterkünften und nahm die ankommenden Flüchtlinge in Empfang. Im März 2020 hatten wir dann unseren ersten Corona-Fall. Und seit Februar schließlich noch der Krieg in der Ukraine.

Und zum Abschluss ein Blick in die Zukunft…

Der fällt schwer, nicht zuletzt die Krisen zeigen uns ganz deutlich, wie unvorhersehbar doch alles ist. Wir stehen vor großen Herausforderungen. Die vergangenen sieben Jahre haben gezeigt, dass wir als Behörde immer gefordert sind, wenn es um die Umsetzung von welchen Maßnahmen auch immer geht. Der Landrat ist immer mehr als Krisenmanager gefragt. Finanziell kommen hohe Belastungen durch steigende Kosten in vielen Bereichen auf uns zu, wie beim Bauen, bei der Energie oder bei den Tarifabschlüssen. Dazu sind höhere Anforderungen zu bewältigen, wie etwa beim Klimaschutz und beim Zivilschutz. Die Region Vogelsberg wird sich trotzdem weiter positiv entwickeln. Menschen entdecken das Landleben für sich und wir bieten ihnen attraktive Orte zum Leben und Arbeiten.

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