1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Innerhalb drei Wochen: Fünf Rehe gerissen

Erstellt:

Kommentare

myl_TotesRegGeisz-Nidda_2_4c
Eines von fünf toten Rehen, die in der Gemarkung Geiß-Nidda gerissen wurden. © pv

Die Vermutung liegt nahe, dass es ein oder mehrere Hunde waren: Innerhalb kurzer Zeit wurden in Geiß-Nidda fünf Rehe gerissen. Jagdpächter André Lehmer appelliert an die Vernunft.

Es ereignete sich innerhalb von drei Wochen. Zwei Rehe wurden relativ kurz hintereinander von Spaziergängern beziehungsweise vom Jagdpächter tot aufgefunden, nach einer Woche kam es zu weiteren Funden in der Gemarkung Dretsch, rund um den alten Sportplatz und in einer Obstbaumwiese in Geiß-Nidda.

Alle Kadaver hatten deutliche Bissspuren am Hals und auf der Keule. »Man konnte den kleinen Finger in die Wunde stecken, die von einem Gebiss beziehungsweise einem Zahn stammt«, sagt André Lehmer. Er ist seit fast 30 Jahren Jäger und hat seit 17 Jahren die Jagd in Geiß-Nidda gepachtet.

Kitze sind nun auf sich gestellt

Für ihn scheidet jede größere Raubtierart aus. Sicherlich könnte ein Reh von einem Wolf gebissen worden sein. Doch dieser würde seine Beute nicht auf freier Fläche liegenlassen und zumindest einen Teil davon fressen, eventuell etwas davon verstecken. Die Rehe seien auf freier Fläche gejagt worden. Für Lehmer liegt die Vermutung sehr nahe: Das waren ein oder mehrere größere Hunde. Solche, die mindestens über die Kniehöhe gehen.

Drei von den fünf Tieren waren führende Ricken, das heißt, sie haben im Frühjahr ein bis zwei Kitze gesetzt. Diese Kitze sind noch auf die Milch der Mutter angewiesen und nun auf sich allein gestellt. Der Jagdpächter hat in dem Gebiet Wasserfässer fürs Wild aufgestellt. »Wir hoffen, dass die Kitze sie auch annehmen«, sagt André Lehmer.

Die Aufnahme der Flüssigkeit erfolgt vorwiegend über die Äsung, das heißt auch durch das Knabbern an jungen Trieben, das Fressen von Gräsern, Blättern und Kräutern. Doch selbst für die älteren Tiere ist durch die Trockenheit das Nahrungsangebot dürftig. Auch hat die Trockenheit einen Einfluss auf die Entwicklung der Kitze. In einem geschwächten Zustand sind sie leichte Beute für jagende Hunde. Für das Wild sind die Zeiten ohnehin unruhig geworden. Während des Corona-Lockdowns nutzten zahlreiche Bürger Wald und Flur, um der Enge zu entfliehen. Susanne Lehmer, Frau des Jagdpächters: »Die Leute gehen Gassi, joggen und fahren mit dem Mountainbike noch spät abends in der Dämmerung durch den Wald oder am Waldrand und das nicht immer auf den vorgesehenen Wegen.«

Als wenn Fremde durchs Haus rennen

Das nehme man für sich in Anspruch. Sie bedient sich eines Vergleichs: »Wie würden Sie es empfinden, wenn spätabends ein Fremder durch ihr Wohn- oder Schlafzimmer rennen würde? Sodass ich mich zu Tode erschrecke und immer wieder flüchten muss.« Wald und Flur seien der Lebensraum des heimischen Wildes. Die Waldnutzer sollten wieder lernen, rücksichtsvoll zu sein.

In der Gemarkung Geiß-Nidda weisen zahlreiche Schilder auf die Brut- und Setzzeit hin. Sie beginnt am 1. April und endet am 31. August. Es wird empfohlen, die Hunde währenddessen anzuleinen. Eine generelle Anleinpflicht im Feld während der Brut- und Setzzeit gibt es in Hessen nicht. Diese kann jedoch individuell von Kommunen festgesetzt werden.

Wie ist die Leinenpflicht in der Stadt Nidda geregelt? Es gibt es eine Gefahrenabwehrverordnung. Darin steht: Hunde sind in den der Allgemeinheit zugänglichen umfriedeten oder anderweitig begrenzten Park-, Garten- oder Grünanlagen an der Leine zu führen. Es gelten die Regelungen der Hessischen Hundeverordnung, informiert die Stadtverwaltung. In der Verordnung ist unter anderem ausgeführt, dass sich Hunde stets nur im unmittelbaren Einwirkungsbereich bewegen dürfen. Das Hetzen von Wildtieren wird sanktioniert.

Die Stadt Nidda hat darüber hinaus keine weiteren Regelungen getroffen. »Zur artgerechten Hundehaltung gehört es auch, einen Hund mal unangeleint laufen zu lassen. Es darf aber nicht zum Nachteil von anderen oder von Wildtieren werden«, betont Uwe Bonarius, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste.

Die Hunde unter Kontrolle behalten

»Wenn ich meinen Hund nicht unter Kontrolle habe, ihn nicht in jeder Situation abrufen kann und weiß, er würde einem Reh hinterher laufen, muss ich ihn einfach anleinen«, betont Lehmer. Ein Hund mit Jagdinstinkt, der einmal Erfolg hatte, würde immer wieder jagen. Der Hundehalter müsse gemerkt haben, als sein Hund sich auf einmal absetzt hat. Vermutlich habe das Wild auch geschrien.

Jagdpächter und Ortslandwirt Thorsten Nagel geht es nicht darum, den verantwortlichen Hundehalter zu finden und anzuzeigen. Sie wollen zum Umdenken anregen.

Laut Jagdgesetz hätte ein Jäger sogar das Recht, wildernde Hunde zu schießen. »Aber da genau wollen wir nicht, da hat keiner einen Spaß dran«, betont Andé Lehmer. Der Jagdpächter ist gerne bereit, mit interessierten Hundehaltern oder Bürgern über solche Situationen zu sprechen und aufzuklären. Der Jagdpächter: »Sie dürfen sich gerne mit ihren Fragen an uns wenden.«

Auch interessant

Kommentare