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Innovation hat Tradition bei der IHK Gießen-Friedberg

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Die Beteiligten des Festakts der IHK (v. l.): Christoph Ullrich, Wolfgang Maaß, Sina Lupp, Iyalode Alaba Lawson, Volker Bouffier, Matthias Leder, Kikelomo O. Longe, Rainer Schwarz und Stephen Awoyele. © BAC

Seit 150 Jahren vertritt die IHK Gießen-Friedberg die Interessen von Unternehmen der Region. Ein guter Zeitpunkt, um beim Festakt auf das Erreichte zurückzuschauen und in die Zukunft zu blicken.

Wetteraukreis (bac). 150 Jahre Industrie und Handelskammer Gießen-Friedberg - das ist ein Grund zu feiern. Deshalb lud die Kammer jetzt zum Festabend in die Kongresshalle Gießen ein, in der sie mit Filmbeiträgen, einem Festvortrag des ehemaligen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Diskussionsrunden sowie Ideen und Konzepten die rund 800 Teilnehmer unterhielt und vor allem informierte.

Neben Gästen aus der Region und den über 50 000 Mitgliedsunternehmen begrüßten Geschäftsführer Dr. Matthias Leder und IHK-Präsident Rainer Schwarz auch Teilnehmer aus diversen Ländern, u. a. Delegationen aus Nigeria, Kongo, Namibia Brasilien, Angola, China, Portugal und den USA. Souverän führte Werner D’Inka, ehemaliger Herausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung, durch den Abend.

Mehr Aufstieg durch Bildung

Festredner Bouffier ging auf die wechselvolle Geschichte der IHK Gießen-Friedberg ein und erinnerte an bedeutende Namen und Firmen der Vergangenheit und Gegenwart. Er betonte, dass sich nur aus einer starken Wirtschaft heraus notwendige Innovationen für die Zukunft herausbilden würden. Hierfür brauche man Zuversicht und den Glauben daran, erfolgreich sein zu können. In puncto Zukunftsgedanken regte er an, ideologische Hindernisse wie den Widerstand gegen das Freihandelsabkommen mit Kanada zu überwinden. »Unser Wohlstand gründet auf Export.«

Dabei sparte er nicht an klaren Worten: Man müsse die Sorgen der Jugend ernst nehmen, aber auch den Mut zum Widerspruch haben, wenn politische Forderungen mit einer moralischen Erhabenheit vorgetragen würden, die alles andere nicht mehr gelten lasse. »Es kann nicht nur der Klimaschutz sein. Nur durch das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Arbeitsplätzen haben wir die notwendige Substanz.« Diese könne man nur durch eine passende Ausbildung erreichen. Daher sehe auch er den Mangel an Fachkräften als problematisch an und forderte, akademische und berufliche Bildung als gleichwertig anzuerkennen. Man dürfe den Aufstieg durch Bildung nicht allein auf Hochschulbildung beschränken.

Hierfür erntete er besonders viel Zustimmung, denn sämtliche in der IHK vertretenen Betriebe kämpfen mit Facharbeitermangel und fehlenden Auszubildenden, was auch Sina Lupp (Adolf Lupp GmbH + Co. KG aus Nidda) vorab als besonders kritisch bewertete hatte.

Die erste Diskussionsrunde war dem Thema des Abends gewidmet: »Innovationen gestern-heute-morgen«. Matthias Leder, Rainer Schwarz, Sina Lupp, Wolfgang Maaß (IHK-Ehrenpräsident) und Regierungspräsident Christoph Ullrich besprachen Entwicklung und Zukunftsperspektiven der Kammer. Dabei betonte man die gelungene Fusion der IHKs Gießen und Friedberg besonders und verwies auf deren strategische Bedeutung. Mittlerweile ist die IHK Gießen-Friedberg nach Frankfurt, Darmstadt und Kassel die viertgrößte Kammer Hessens. Und seit einigen Jahren knüpft man erfolgreich Geschäftsbeziehungen in alle Welt.

IHK engagiert sich in Afrika

Ein besonderes Projekt stellte Leder vor: Die IHK Gießen exportiert die Idee der dualen Ausbildung nach Afrika. Erfolgreich wurde damit in Nigeria begonnen. Diese Chancen und Möglichkeiten wurden in einer zweiten Gesprächsrunde zwischen der nigerianische Unternehmerin Iyalode Alaba Lawson, Stephen Awoyele (Langzeitexperte der IHK Gießen-Friedberg, Nigeria), Leder und Schwarz vorgestellt. Lawson nannte dieses Projekt »The missing link« (zu Deutsch: die fehlende Verbindung) für ein besseres Leben für ihre Bevölkerung. »Ein solches Projekt ist eine Generationenaufgabe von mindestens 30 Jahren. Wer mit unseren Zeitvorgaben dort hineingeht, der betreibt kulturellen Imperialismus«, sagte Leder mit Nachdruck, denn ihm liege dieses Projekt besonders am Herzen. Daher soll dieses Modell demnächst noch in weiteren afrikanische Länder implementiert werden. »Wir brauchen die Märkte in Afrika und dort gut ausgebildetes Personal. Das ist eine Win-Win-Situation.«

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