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Investor kauft Hotel mit Kultstatus in Bad Salzhausen

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Das große »J« an der Eingangstür erinnert noch ans ehemalige Luxushotel Jäger. Die später folgende asiatische Heilkunst vergammelt indes schon im Schriftzug. Im Innenbereich ist noch sehr viel in Ordnung. © Michael Giers

In den 90er Jahren genoss das Hotel Jäger in Bad Salzhausen Kultstatus: 2003 hieß es: Aus der Traum, wirtschaftlich war Endstation. Nun hat ein bekannter Niddaer Investor die Immobilie gekauft.

Der Mann, der früher mal erfolgreicher Banker in einem großen deutschen Geldinstitut war und als bekennender Niddaer schon länger im Pensionärsdasein sein Wirtschaftswissen einbringt, hat ein besonderes Faible für Bad Salzhausen entwickelt: Hans-Jürgen Eckhardt kaufte dort bereits das Kurhaushotel und die anliegenden Barockhäuser. Objekte, die er geschickt anschob, was unspektakulär, aber effizient über die Bühne ging und nicht ganz frei war von belastenden Widrigkeiten der Vergangenheit. Jetzt hat Eckhardt das ehemalige Hotel Jäger gekauft, was Hoffnung aufkeimen lässt auf wieder bessere Zeiten für das Objekt.

Eckardt ist Optimist mit langem Atem, denkt nicht zu kurz, sondern plant über größere Distanz. Beim Erwerb solcher Immobilien steht für den 74-jährigen Investor nicht der reine Kaufpreis im Fokus der Berechnungen, sondern insbesondere das, was als Folgekosten im Renovierungsbereich zu berücksichtigen ist.

Hardy Krüger und Günter Grass zu Gast

Das gilt auch für das ehemalige kleine Grandhotel Jäger. Eckhardt: »Hier ist zu registrieren, was allgemein Gültigkeit hat: Hochwertige Materialien halten länger.« Der damalige Besitzer Adi Jäger habe vor der Eröffnung Ende der 80er Jahre eine richtig tolle und teure Einrichtung installieren lassen, die zwar mittlerweile in die Jahre gekommen sei, aber keineswegs völlig ersetzt werden müsse.

So ist auch noch jetzt Standard, was zu jener Zeit in dem relativ kleinen aber feinen 30-Betten-Haus Gültigkeit hatte: Dicke Teppiche mit Mustern dämpfen die Schritte in den Gängen, die Wände sind mit Echtholz bestückt, in den Zimmern hat die Innenarchitektur Sofa- und Wandstoffe sowie Vertäfelungen aufeinander abgestimmt. Es gibt viel Rüschen sowie Pastellfarben. Kronleuchter und Doppel-Wandlampen geben ein gedämpftes Licht ab und Intarsien zieren die Aufzugstüren.

Die Hotelbar ist legendär, Kirschbaumholz bestimmt hier das Interieur. Eckhardt schmunzelnd: »Die Sitzmöglichkeiten an der Bar musste ich erst mal zusammensuchen und dort wieder aufstellen. Nun steht aber wieder alles an seinem Platz.« Es scheint wenig kaputtgegangen in unruhigen Zeiten mit wechselnden Besitzern. Nachdem 2003 Alteigentümer Jäger die Segel streichen musste, erwarb zu jener Zeit vom Insolvenzverwalter nach längerer Schließung eine dreiköpfige Investorengemeinschaft das Hotel. Unter ihnen der hessische Kran-Unternehmer Klaus Eisele und ein Disco-Betreiber aus Friedberg. Ihr Interesse am Hotel war wohl eher zweitrangig. Nach kurzer Zeit der Wiedereröffnung machten die Pforten erneut dicht.

Danach bestimmten kauffreudige Asiaten die Geschicke im ehemaligen gastronomischen Aushängeschild von Bad Salzhausen, wo in den 90er Jahren eine Spitzenküche vorgehalten wurde und die Prominenz ein- und ausging.

Der just verstorbene Weltstar Hardy Krüger hat dort übernachtet, ebenso wie die nicht weniger bekannte Schauspielerin Senta Berger. Was auch daran lag, dass der renommierte FAZ-Literaturredakteur Jochen Hieber die Serie »Nidda literarisch« auf die Beine gestellt hatte und bedeutende Persönlichkeiten, die mit Büchern zu tun hatten, gleich reihenweise in die Provinz holte.

Sogar Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass war da, übernachtete im Hotel Jäger, fuhr von dort zur Frankfurter Buchmesse und schwärmte später von diesem »unglaublich faszinierenden Hotel«, wo er noch spät nachts von Besitzer Adi Jäger in trauter Runde mit dem allerfeinsten Rotwein verwöhnt wurde. Aber auch Künstler anderer Ausrichtung gaben dort ihre Visitenkarte ab, wie etwa Starpianist »Paulchen« Kuhn, Schauspielerin und Schlagersängerin Conny Froboess, Schauspieler und Regisseur Veit Relin oder Schauspielerin Thekla Carola Wied. Das Hotel Jäger konnte damals alle Erwartungen erfüllen. Das legendäre Gästebuch befindet sich noch immer im Besitz der Familie Jäger.

Als letzter Besitzer, der jüngst das Objekt an Hansi Eckhardt veräußerte, fungierte der malayische Investor Charlie Chuah. »Durch ihn bin ich ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde an das Hotel gekommen«, lacht der Käufer jetzt und begründet das mit Geschehnissen der Vergangenheit. Damals habe er das Kurhaushotel in Bad Salzhausen erworben. Im Zuge dieses Geschäfts hätten sich auch die vier asiatischen Gesellschafter des Parkschlösschens (so war das Hotel Jäger im Zuge der Neuausrichtung umbenannt worden) bei ihm gemeldet. Sie wandelten die Immobilie in ein Medizinzentrum mit asiatischer Heilkunst um. »Der Charly ist mir dabei gar nicht so recht in Erinnerung geblieben«, konstatiert der Neu-Besitzer jetzt.

Vertrag in Bangkok unterzeichnet

Doch Charly Chuah brachte sich aktuell nachhaltig in Erinnerung, fragte in direkter Ansprache nach, ob Eckhardt das Hotel Jäger kaufen möchte. Der Deal ging dann im Hürdenlauf über die Bühne. Weil Charly Chuah Deutschland mied, musste der Vertrag in Bangkok in der deutschen Botschaft unterzeichnet werden.

Nun kann der 74-jährige Pensionär das Traditionshaus sein Eigen nennen. Dabei bewahrt er die ihm eigene Gelassenheit. »Ich habe schon mit zwei infrage kommenden potenziellen Betreibern gesprochen, doch die mussten aus verschiedenen, auch gesundheitlichen und familiären Gründen passen.« Im Zeichen von Corona sei es ohnehin nicht einfach, einen Gastronomen zu finden, der mit voller Zuversicht ans Werk geht. Er selbst, werde die Voraussetzungen schaffen, dass im Hotel gute Bedingungen für eine Fortführung vorherrschen. VON MICHAEL GIERS

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