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Jede Maßnahme für den Klimaschutz zählt, mahnen Förster in Altenstadt

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Revierförster Werner Uhrig beantwortet geduldig die Fragen der Waldrundgang-Teilnehmer. An dieser Buchen-Schonung war früher ein Flugplatz der Amerikaner. © Jürgen W. Niehoff

Bei der Waldbegehung der Kommune ging es nicht nur um den aktuellen Baumbestand, sondern auch um die Pflege und die Nutzung des Waldes in den nächsten zehn Jahren.

Am Samstag hatten Gemeindevertreter, Jagdpächter und Mitglieder des Jagdvorstandes sich auf Einladung des Vorsitzenden der Gemeindevertretung Altenstadt, Christian Keim (CDU), zur Waldbegehung getroffen. Es war die Erste seit 2018, wie Revierförster Werner Uhrig berichtete. Und notwendig war sie, weil nach zehn Jahren turnusmäßig im nächsten Jahr eine Forstinventur fällig wird, die nicht nur Auskunft über den aktuellen Baumbestand gibt, sondern auch die Pflege und die Nutzung des Waldes für die nächsten zehn Jahre festlegt.

360 Hektar umfasst der Altenstädter Wald. Davon sind 87 Prozent Laubholz und 13 Prozent Nadelholz. Haupt-baumart ist die Buche. Das soll nach Ansicht von Bernd Reißmann, Leiter des Forstamtes Nidda, auch weiterhin so bleiben, wenn auch zukünftig zusammen mit der Eiche und mit weiteren fremden Baumarten wie der Douglasie, der Rotbuche oder der Libanon-Zeder. Sie alle kommen mit der Hitze und der Trockenheit besser zurecht. Und dass die Forstverwaltung jetzt sehr schnell reagieren müsse, das sollte auch der Rundgang durch den heimischen Wald belegen.

Behutsame Bewirtschaftung

»Fichtenbestände gibt es so gut wie keine mehr. Da haben Trockenheit und der Borkenkäferbefall ganze Arbeit geleistet«, so Uhrig. Seit der letzten Eiszeit habe sich neben der Eiche vor allem die Buche in den deutschen Wäldern mehr und mehr durchgesetzt. Die Fichte sei erst vor rund 200 Jahren im Zuge der Industrialisierung dazu gekommen, als viel Bauholz benötigt wurde. »Die Entdeckung der Kohle und des Erdöls als Brennstoff haben sehr wahrscheinlich unsere Wälder gerettet, sonst wären sie längst verfeuert worden«, so Reißmann.

Nun machten der rapide CO2- Anstieg und der damit zusammenhängende Klimawandel zu schaffen. Deshalb sei es entscheidend, welche Richtung bei der Waldnutzung und -pflege eingeschlagen werde. Von der immer mehr um sich greifenden Auffassung, den Wald sich selbst zu überlassen, riet Reißmann ab, denn dann würde er sein äußerliches Bild ändern.

Er plädierte deshalb für eine vorsichtige, behutsame Bewirtschaftung. Durch die Forstarbeit würden zwar biologische Vorgänge gestört, nicht aber zerstört.

Weil die Temperaturen voraussichtlich weiter steigen und Extremereignisse wie Dürreperioden und Stürme zunehmen würden, sei eine gesunde Mischung von Baumarten wichtig. Reißmann kritisierte in diesem Zusammenhang vor allem die Politik. Sie gebe zu viele Vorschriften und setze zu wenig Vertrauen in das Wissen der Fachleute vor Ort. So müsse seiner Meinung nach dringend die FFH-Richtlinie geändert und den heutigen Umständen angepasst werden, denn mit ihr sei eine zukunftsgewandte Waldbewirtschaftung mittlerweile nicht möglich. »Heute müsste Forstwirtschafts-Management eigentlich in Risiko-Management umbenannt werden. So haben sich unsere Aufgaben verändert«,

Das bestätigte auch Uhrig als zuständiger Revierförster. Er müsse sich beispielsweise bei den Neuanpflanzungen auf Flächen, auf denen vor kurzem noch Fichten standen, sehr genau überlegen, welche Baumart dem Wald auf Dauer nützen werde.

Risiko für Kommunen

Experimente seien dabei kaum möglich, denn da die Aufzucht des Waldes staatlich gefördert werde, müsse nach zehn Jahren der Erfolg nachgewiesen werden. Anderenfalls müssten die Fördergelder zurückgezahlt werden. Für die Waldbesitzer, wie etwa die Kommunen, ein erhebliches Risiko, denn die Förderung beträgt bei Laubholzkulturen bis zu 80 Prozent und bei Waldschutzkosten bis zu 50 Prozent. Trotzdem ist aber auch er sich sicher: »Die Zeit der Monokulturen ist vorbei. Die Zukunft gehört dem Mischwald«.

Zu der abschließend Frage eines Bürgers nach der Versorgung mit Brennholz konnte Uhrig nur sagen, dass er gar nicht so viel bereitstellen könne, wie trotz der erheblich gestiegenen Holzpreise Nachfrage bestehe.

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