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Jugend ohne Bütt: In Lorbach und Michelau herrscht beim Nachwuchs coronabedingt Funkstille

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Im Februar 2020 hat’s mit dem Fasching gerade noch so geklappt: Alle Kinder- und Jugendgarden des Michelauer Carneval Clubs »Die Sandhoase« hatten großen Spaß auf der Bühne. ARCHIVFOTO: EICHENAUER © Monika Eichenauer

Dass die Nachwuchsarbeit in vielen Vereinen pandemiebedingt ins Stocken gerät, ist zweifelsohne bitter. In Lorbach und Michelau kämpfen die Karnevalisten dagegen an.

In Lorbach und Michelau haben die Kindersitzungen zur Faschingszeit seit Jahrzehnten Tradition. Beim Kinder Carneval Verein (KCV) stehen in Lorbach in der Regel etwa 70 Kinder und Jugendliche auf der Bühne. Beim Michelauer Carneval Club (MCC) »Die Sandhoase« sind es um die 60 Mädchen und Jungen zwischen 4 und 16 Jahren, die aktiv sind. Zum zweiten Mal in Folge fällt nun der Fasching für den Nachwuchs pandemiebedingt flach. »Zurzeit geht null«, beschreibt der Michelauer Manfred Bretthauer die Situation. Wie halten die Vereine ihre jungen Leute dennoch am Ball? Der Kreis-Anzeiger hat mit dem MCC-Präsidenten und mit Sonja Arnold vom KCV-Vorstand gesprochen.

Kontakte per E-Mail

Der Lorbacher Kinder Carneval Verein wurde 1982 gegründet. Aus ihm gingen später auch die Fremdensitzungen für Erwachsene hervor. Vorsitzende Silke Hohs, Sonja Arnold und der weitere Vorstand des 250 Mitglieder starken Vereins halten per Brief und mit E-Mails Kontakt zu den Kindern. Als es noch möglich war, haben die Trainerinnen »hier und da« Proben abgehalten, aber seit die Wolfgang-Konrad-Halle durch die Sitzungen städtischer Gremien belegt ist, ist das nicht mehr möglich. In umliegenden Gemeinschaftshäusern auch nicht, denn die sind coronabedingt schon seit Monaten geschlossen.

»Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass es alles ein bisschen eingeschlafen ist.« Unüberhörbar klingt das große Bedauern in Sonja Arnolds Stimme mit. Geplante Aktivitäten, etwa ein närrischer Eltern- und Kindernachmittag, mussten aufgrund höherer Inzidenzen abgesagt werden. Sie fügt an, dass es für den Vorstand, die Betreuerinnen und Trainerinnen, die diese Aufgaben alle ehrenamtlich übernehmen, in dieser schwierigen Situation zeitweise durch Berufstätigkeit und vermehrtes familiäres Engagement nicht einfach sei, das Vereinsleben aufrechtzuerhalten. »Homeoffice, zeitweise der Online-Unterricht der Schulen, oft mehrere schulpflichtige Kinder in der Familie - die meisten Menschen sind durch die Pandemie privat viel mehr eingespannt als vorher.« Trotzdem halten die Verantwortlichen des KCV so gut es geht den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen, die sie bei jeder Begegnung auf der Dorfstraße fragen: Wann geht’s denn wieder los?

Ihnen fehlen die Proben und das Miteinander sehr und sie würden gerne tanzen und auftreten. »Das ist halt leider nicht machbar.« Vergangenes Jahr haben einige Aktive in Lorbach im Zuge eines kleinen Rosenmontagszugs jedem im KCV aktiven Kind an der Haustür ein kleines Geschenk überreicht. Jetzt überlegt der Verein erneut, wie er den Nachwuchs bei der Stange halten kann. »Auf jeden Fall werden Orden und Präsente verteilt, das muss einfach sein«, hält Sonja Arnold fest, der wie dem gesamten Team auch die heiße Vorbereitungsphase für die Sitzungen fehlt. »Wir wären jetzt im Endspurt. Bei aller Arbeit ist das immer klasse. Und wenn die Kinder dann ihren Auftritt absolvieren, freuen wir uns riesig mit ihnen.«

Was Kindern derzeit entgeht

So geht es auch den Michelauer Kollegen. »Die Arbeit mit den Kindern macht einfach großen Spaß«, sagen Manfred Bretthauer und das Betreuerteam. Der Vorsitzende der Michelauer Feuerwehr, zu der der MCC gehört und dessen langjähriger Sitzungspräsident er mittlerweile gemeinsam mit Nadja Häring ist, sprechen ebenso wie der Lorbacher KCV noch einen weiteren Aspekt der monatelangen Probenarbeit für den Nachwuchs an: den nicht unwesentlichen Einfluss auf das Sozialverhalten: »Die Kinder genießen das Zusammensein bei den Proben, das gemeinsame Hinarbeiten auf ein Ziel. Sie sind mit vollem Herzblut dabei, lernen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, entwickeln Teamgeist. Der Erfolg der Gruppe steht im Mittelpunkt. Außerdem stärken die Auftritte die eigene Persönlichkeit«

Auch den Michelauer Karnevalisten liegt die Verbindung zu den Kindern und Jugendlichen sehr am Herzen. Die Sitzung »Jugend in der Bütt« bildet normalerweise stets den Auftakt zum Fasching auf der Alm. Im vorigen Jahr haben die Betreuer dem Nachwuchs aus Michelau und den umliegenden Ortschaften am Karnevalswochenende kleine Geschenke an die Haustür gebracht und am Faschingssonntag sind Florian Groß und Nadja Häring mit Bollerwagen, Konfetti und Helau durchs Dorf gezogen. »So etwas in der Art ist auch für das diesjährige Faschingswochenende angedacht, aber ansonsten ist nix möglich«, sagt Manfred Bretthauer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Pläne fürs Jubiläum 2023

Zum Kampagneauftakt 2021/2022 haben sich die kleinen und großen MCCler am Feuerwehrhaus zu Kaffee und Kuchen getroffen, dann sind einige mit den Kindern zu einem Faschingsumzug mit Handwagen durchs Dorf gezogen, bei der Rückkehr gab es Deftiges vom Grill. Im Dezember war definitiv klar, dass es bei den hohen Inzidenzen 2022 keine Veranstaltungen geben kann, auch draußen nicht. Geprobt werden konnte ohnehin schon die ganze Zeit nicht, weil die Bürgerhäuser bekanntlich geschlossen sind. Geplant für den Sommer ist ein Grillfest für die kleinen und großen Aktiven, »aber wir müssen abwarten, ob das dann möglich sein wird«. Der MCC hofft, dass das närrische Jubiläum »55 Jahre MCC« gefeiert werden kann, das für die nächste Kampagne 2023 ansteht. »Die Sandhoase« planen das auf alle Fälle ein.

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