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Justus-Liebig-Therme in Bad Salzhausen: Was bliebe nach Schließung?

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Der Thermenbereich und der Eingang zum Kurhaus-Hotel aus der Vogelperspektive. © pv

Hans-Jürgen Eckhardt, Eigentümer des Kurhotels und des Jungbrunnens, und Thomas Bruschinsky von der Klinik Rabenstein kritisieren die geplante Schließung der Justus-Liebig-Therme in Bad Salzhausen.

Die von Niddas Bürgermeister Thorsten Eberhard und den Fraktionsvorsitzenden zum 30. September dieses Jahres aus Kostengründen verkündete Schließung der Justus-Liebig-Therme in Bad Salzhausen (der Kreis-Anzeiger berichtete) hat eine breite Gegenwehr erzeugt. Die Vorgehensweise wird von vielen als schwerer Schlag für den Fortbestand des Kurorts gewertet, denn ohne Therme sei ein Sterben dieses schmucken Fleckchens kommunaler Tradition vorprogrammiert. An der Stelle der Justus-von-Liebig-Therme soll ein kleines Vital- und Gesundheitszentrum entstehen.

Qualifizierung für den Kurbegriff

»Bei realistischer Betrachtung bleibt nur festzuhalten, dass bei einem Abriss des Bades allein der Kurpark mit alten Bäumen aus aller Welt sowie ein kleines Gradierwerk noch Anziehungspunkte wären. Ob das für eine namentliche Qualifizierung für den Kur-Begriff reicht, darf in Zweifel gezogen werden«, fasst Hans-Jürgen Eckhardt zusammen. Eckhardt ist Niddaer Urgestein, einst erfolgreicher Banker. In Bad Salzhausen nennt er unter anderem das Kurhaushotel und auch das ehemalige Luxushotel Jungbrunnen sein eigen.

Auch der Ortsbeirat von Bad Salzhausen ist außer sich. Stellvertretender Ortsvorsteher Udo Franzke fasst die Stimmung in diesem Gremium so zusammen: »Wir sind erschüttert. Insbesondere auch darüber, dass die Schließung zunächst mal im stillen Kämmerlein erfolgte und wir als direkt Betroffene gar nicht gehört oder informiert wurden.« Dennoch, so Franzke, wolle man jetzt in Gesprächen mit Niddas Bürgermeister und anderen städtischen Entscheidungsträgern nicht die rhetorische Axt rausholen, sondern auf sachlicher Ebene Argumente vertreten.

Denn dies sei auch deswegen unumgänglich, weil ganz Bad Salzhausen ein Rückschlag ins Bodenlose drohe. Schließlich sind derzeit drei bemerkenswerte Baugebiete in der Pipeline, die eine immense Vergrößerung des Stadtteils zur Folge hätten. Ein solcher Zuwachs sei aber nur realistisch, wenn alle Teile der Infrastruktur mitwachsen.

Kritikern fehlen belastbare Zahlen

Den meisten Kritikern fehlen belastbare Zahlen, um einen derartigen Schritt zu rechtfertigen. Wie steht es eigentlich um das Blockheizkraftwerk, welches die Wärme in der Therme, aber auch in den umliegenden Gebäuden wie etwa dem Kurhaushotel, ermöglicht? Dies wurde einst von der Ovag errichtet. Deren Vorstand Joachim Arnold gab im Gespräch mit dieser Zeitung zu verstehen, dass der kommunale Energieversorger auch bei einer künftigen Lösung gerne mit im Boot sitzen wolle.

In diesem Boot sitzt ebenfalls schon lange Thomas Bruschinsky, Chef der örtlichen Klinik Rabenstein. Er führt die anerkannte Reha-Einrichtung seit Jahrzehnten mit großem Erfolg, konnte bei äußerlichen Widrigkeiten immer wieder geschickt gegensteuern. Auch er sucht keinen öffentlichen Schlagabtausch, aber trotzdem eine Erörterungsebene, die nicht auf eine kleine Runde beschränkt werden dürfe, wie das bisher der Fall war.

Eine Petition gegen die Thermen-Schließung auf change.org findet viele Mitstreiter. In kurzer Zeit sind schon über 3200 Unterschriften gesammelt worden. Und das nicht nur aus dem Ostkreis. Auch Apotheker Bernd Ulrich aus Friedberg ist beispielsweise mit dabei: »Ich unterstütze die Petition mit allen Kräften. Außerdem habe ich sie an meine Mitarbeiter weitergeleitet.«

Viele Auswärtige unterschreiben

Sogar von kirchlicher Seite gibt es Anschub: Äbtissin Mutter Elisabeth Kralemann von der Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal in Altenstadt setzt sich für die Petition ein. Und auch ehemalige Patienten aus der Klinik Rabenstein lassen nicht locker. Wie Gisela Rieck aus Königstein im Taunus: »Nein, bitte nicht schließen«, lautet ihre klare Botschaft. Gerhard Potuschek, ehemaliger Landesgeschäftsführer der Barmer in Hessen, Bayern und Sachsen, gelangte zur Erkenntnis: »Da scheint doch etwas richtig schiefzulaufen. Ich hoffe für alle Beteiligten, dass man den Zug wieder auf die Gleise bringt und die Schließung abgewendet werden kann, denn das wäre ein Verlust, dessen Tragweite vonseiten der Stadt Nidda wohl nicht zu Ende gedacht wurde.«

So gehen die Kritiker der Schließung davon aus, dass Bürgermeister und Politik Bad Salzhausen mit allen 17 weiteren Niddaer Stadtteilen gleichsetzen würden, was ein fataler Fehler sei. Der besondere Ort mit vier verschiedenartigen Heilquellen könne als Treffpunkt für viele ältere und kranke Menschen bei entsprechender Vermarktung eine Top-Adresse von Rhein-Main sein. Und als Standort für Beschäftigung halten die beiden Kliniken Asklepios und Rabenstein knapp 500 Arbeitsplätze vor. VON MICHAEL GIERS

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Das kleine Blockheizkraftwerk versorgt mit seiner in Spitzenzeiten gewonnenen Energie auch zahlreiche andere Gebäude im Ort. © Michael Giers

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