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Justus-von Liebig-Therme: Viele sind betroffen

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Von: Myriam Lenz

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Die Plätze im Saal im Kurhaushotel sind besetzt. Viele Betroffene, Vertreter des Magistrats, der Verwaltung und der politischen Parteien hören sich die Ausführungen an. © Myriam Lenz

Die Beteiligung an der Info-Veranstaltung des Ortsbeirats Bad Salzhausen und der Interessengemeinschaft »Die Therme soll leben« im Kurhaushotel übertraf die Erwartungen der Organisatoren.

D ie Sitzplätze im Kursaal des Kurhaushotels in Bad Salzhausen waren am Mittwochabend belegt, zahlreiche Gäste tummelten sich noch an den Stehtischen. Viele der Zuhörer nutzen offenbar Reha-Kurse in der Justus-von-Liebig-Therme, wie zum Beispiel von der Rheuma-Liga oder des Kneipp-Vereins Bad Nauheim-Friedberg-Bad Salzhausen. Anwesend waren auch Gewerbetreibende, die Vertreter der Parteien, des Magistrats und der Verwaltung.

Die Therme soll, so der Beschluss des Magistrats und nach Meinung der Fraktionsvorsitzenden, zum 30. September geschlossen, zum Teil abgerissen und spätestens bis zur Landesgartenschau 2027 durch ein kleines Vital- und Gesundheitszentrum ersetzt werden. In Nidda soll ein Hallenbad entstehen. Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet am kommenden Dienstag, 13. September. Im kommenden Jahr wird voraussichtlich die neue Therme in Bad Nauheim eröffnet. Bis dahin fehlen vielen Nutzern die Alternativen.

Dass die marode Therme in Bad Salzhausen in dieser Form nicht fortbestehen kann, war klar. Doch die Art der Kommunikation, das fehlende Angebot für den Übergang und die Frage, was stattdessen entstehen wird, bestanden. Ebenso bangen Betriebe und Kliniken um ihre Existenz. Denn diese brauchen die Gäste von außerhalb, und die Therme ist ein, wenn auch mäßiger, Frequenzbringer.

Der Ortsbeirat wurde bei der Entscheidungsfindung entgegen der Inhalte der neuen Geschäftsordnung übergangen. Ortsvorsteher Hans Joachim Schwarz erinnerte zudem an die Statements der großen Parteien vor der Kommunalwahl, die sich für den Erhalt der Therme ausgesprochen hatten. Schwarz: »Man hatte für Gutachten viel Geld ausgegeben. Was wurde damit gemacht, wurden sie umgesetzt?« Die hohen Energiekosten und der Investitionsstau seien durch die Untätigkeit der vergangenen Jahre verursacht worden.

Laut Verwaltung sei die Therme für keinen Betrieb in Bad Salzhausen wichtig. Der Ortsbeirat hatte in einer Umfrage bei den Geschäftsinhabern ein anderes Ergebnis erhalten (diese Zeitung berichtete). Ortsbeiratsmitglied Ingo Heller warf die Auswertung und die Geschehnisse der vergangenen Monate an die Wand. »Bad Salzhausen hat keine Lobby mehr in Nidda«, sagte Schwarz.

Die Therme hatte Bürgermeister Thorsten Eberhard, der zu Beginn auch Buh-rufen ausgesetzt war, während der Pressekonferenz mit einem Intensivpatienten verglichen, bei dem sich keiner traue, den Stecker zu ziehen. Für diesen Vergleich entschuldigte sich der Rathauschef. Dieses Zitat sei unpassend und respektlos vor allem für die Leute, die davon betroffen sind, gewesen.

Die Entscheidungsträger erhielten jedoch auch viel Zustimmung. Und: Mit dem neuen Hallenbad gebe es wieder Schul- und Sportschwimmen. Eberhard betonte: »Egal, ob Neubau oder Modernisierung, eine Schließung der Therme über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren wird kommen.« Eberhard versprach: Sofern der Beschluss am Dienstag abgesegnet werden würde, wollten sich alle Verantwortlichen zu 100 Prozent dafür einsetzen, dass in Bad Salzhausen etwas vernünftiges Neues geschaffen werde und die beiden Projekte so schnell als möglich umgesetzt werden.

Es gab viele Wortmeldungen. Nina Repp aus Bad Vilbel kritisierte die mangelnde Partizipation, die zu einem enormen Vertrauensverlust geführt habe. »Es geht nicht um Wellness, sondern um Anwendungen für stark eingeschränkte Leute oder solche mit chronischen Krankheiten.« Warum habe man nicht gewartet, bis der Shuttlebus von Bad Salzhausen in die neue Therme nach Bad Nauheim fahren könne?

Eberhard entgegnete: Nidda müsse für 2023 mit einem jährlichen Defizit von 1,6 bis 2,5 Millionen Euro rechnen. »Alle politischen Vertreter haben die Verantwortung für den Haushalt der Stadt Nidda für 18 000 Einwohner.« Die Beteiligten seien deswegen nicht einbezogen worden, um Unsicherheit bei den 31 Mitarbeitern der Therme zu vermeiden.

Ärger und Ängste vorgebracht

Zahlreiche weitere Wortmeldungen auch von Immobilienbesitzern brachten den Ärger und die Ängste zum Ausdruck. Thomas Bruschinsky, Inhaber der Klink Rabenstein, berichtete über die Bemühungen seiner Klinik für seine 186 Mitarbeiter und die Reha-Patienten, die aus ganz Deutschland kämen. »Die sechs Quellen von Bad Salzhausen sind ein kostbares Gut, deren Wirkung wissenschaftlich erwiesen ist.« Er bot den Entscheidungsträgern seine Hilfe an, private Investoren zu finden.

Die Wortbeiträge gingen weit über die vorgesehene Zeit hinaus. »Wenn Sie die Therme schließen, können Sie in Bad Salzhausen die Bürgersteige hochklappen«, fasste Ortsvorsteher Hans Joachim Schwarz zum Abschluss der Veranstaltung zusammen.

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myl_BadSalzhausen_090922_4c © Myriam Lenz

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