So sah es früher in Groß-Karben aus. 
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So sah es früher in Groß-Karben aus. 

Geschichte von Karben 

Rückblick: Als die Bahnhofstraße die Einkaufsmeile in Karben war

Die Bahnhofstraße in Groß-Karben war in früheren Zeiten weitaus mehr als nur ein Verkehrsweg.

Karben - Über 30 solcher Lokalitäten gab es entlang der Hauptstraße in Groß-Karben. Und die Betrachtung liegt hier nur auf dieser einen Straße. Angeboten wurde alles, was die Einwohner zum Leben brauchten. Sogar ein richtiges Kaufhaus mit Auto-Reparaturwerkstatt und Tankstelle hatte Groß-Karben vorzuweisen. 

Karben: Über 30 solcher Lokalitäten gab es entlang der Hauptstraße

In einer Zeit ohne Autos waren die Menschen auf ihre Art mobil – es wurde im Tante-Emma-Laden um die Ecke eingekauft, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das Einkaufen war damals in der Regel reine Frauensache. Gerne teilte man bei der Gelegenheit den neuesten Dorftratsch. 

Anfang der 70er-Jahre läuteten zwei Ereignisse den Niedergang der kleinen Geschäfte ein: Die Gründung der Stadt Karben, die sich bald zum fünfzigsten Mal jährt, und der Bau des Toom-Marktes, heute Rewe-Center, am Warthweg. Hinzukam, dass der Kreis von Führerschein- und Autobesitzern immer größer wurde. Man hatte plötzlich neue Möglichkeiten. 

1974 gab es den ersten Supermarkt in Karben

An die Eröffnung des ersten Supermarktes in Karben erinnert sich Herbert Dietz noch ganz genau. "Das war 1974, während die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland lief. Da kam der Brasilianer Pelé sogar zur Eröffnung." 

Ab dann sei es mit den Läden bergab gegangen, sagt er. Was das angeht, habe auch die Bahnhofstraße nach und nach an Bedeutung verloren. "Die Masse an Geschäften, die es in den 50er-Jahren dort gegeben hat, ist für Neubürger nur schwer zu fassen. Man glaubt nicht, was sich in so einem kleinen Ort alles abgespielt hat." Häuser später umgebaut Gerade diese Veränderungen möchte Ortschronist Dietz dokumentieren. Das gelingt ihm vor allem durch seine umfangreiche Sammlung alter und neuer Fotografien aus Groß-Karben. Zu sehen gibt es Läden mit Schaufenstern, die heute nicht mehr existieren. Viele dieser Häuser sind irgendwann umgebaut worden, haben jetzt ein anderes Erscheinungsbild. Andere erkennt man wieder. 

Karben: In Gaststätte "Zum Adler" trank man gerne Ebbelwoi 

Das Gebäude der ehemaligen Metzgerei und Gastwirtschaft Barth in der Bahnhofstraße 1 ist eines davon. Hier wurde vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis ins Jahr 1990 Metzger-Tradition gelebt. Karl Barth war der Gründer, sein Sohn Karl Barth junior eröffnete das Geschäft 1950 neu. Beliebt war auch die angeschlossene Gaststätte "Zum Adler", wo man gerne Ebbelwoi trank. 

Im Kaufhaus Werner Sänger in der Bahnhofstraße 10 – 12 gab es laut einer Werbeanzeige Nützliches "für die Badezeit, für die Einmachzeit und für die Reisezeit". Zum Angebot zählten Koffer und Taschen in großer Auswahl, Fahrräder, Spielsachen, Schreibwaren und alle möglichen Haushaltsgegenstände. Für 35 Pfennig pro Kilometer konnte man außerdem einen Kleinbus mieten, in dem acht Personen Platz fanden. 

Nostalgisch sind auch die Erinnerungen an das Kolonialwarengeschäft in der Bahnhofstraße 25. Es befand sich von 1890 bis zur Schließung 1976 ununterbrochen im Besitz der Familie Taschner. Waren für den täglichen Bedarf Im Landwirtschafts- und Heimatmuseums können Besucher den wieder aufgebauten Kaufladen anschauen. Emma Taschner verkaufte in den 50er-Jahren Lebensmittel und Dinge für den täglichen Bedarf, zum Beispiel Mehl, Mäusefallen und Senf aus dem Fass. Oder, wenn es etwas Besonderes sein durfte, den "Aechten Goethe und Schiller Likör". "Bei Franz Czakert in der Bahnhofstraße 34 konnte man Fisch und Spirituosen kaufen", erzählt Dietz. "Da gab es irgendwann auch die ersten halben Hähnchen in Groß-Karben. Und beim Radio-Vieth standen wir staunend am Schaufenster vor den Fernsehgeräten." Man könne Vergangenheit und Gegenwart schwer miteinander vergleichen. 1958 sei seine Mutter zum Einkaufen gegangen, ohne die Tür hinter sich abzuschließen. Solche Zeiten sind wohl auch Geschichte.

Von Jürgen Schenk 

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