Der langjährige Pfarrer der katholischen Pfarrgruppe Karben wird nicht wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat ermittelt und sieht keinen hinreichenden Tatverdacht.
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Der langjährige Pfarrer der katholischen Pfarrgruppe Karben wird nicht wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat ermittelt und sieht keinen hinreichenden Tatverdacht.

Entscheidung

Staatsanwaltschaft erhebt keine Anklage gegen Geistlichen wegen sexuellen Missbrauchs

Die Staatsanwaltschaft erhebt keine Anklage gegen einen langjährigen Geistlichen in Karben wegen sexuellen Missbrauchs.

Karben - Der Schock kam für viele Gemeindemitglieder im Pfingstgottesdienst. Da wurde ein Brief des Bistums Mainz verlesen, in dem es hieß, der Pfarrer sei "von allen dienstlichen Verpflichtungen freigestellt". Es stünden Vorwürfe im Raum, die durch die Behörden überprüft würden. "Den Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bereich der Bischofskonferenz entsprechend bleibt der Pfarrer bis zur Klärung dieser ... Vorwürfe vorläufig beurlaubt." Der Name wird zu Beginn dieser offiziellen Mitteilung zweimal erwähnt. Die Zuhörer zeigten sich schockiert. "In der Kirche herrschte fast Totenstille, man hätte eine Stecknadel fallen hören können", berichtet eine Gottesdienstteilnehmerin. Egal, wen man in diesen Tagen fragt: "Die Leute stehen unter Schock", beschreibt es ein Senior, der die Gemütslage innerhalb der 4700 Mitglieder starken Gesamtgemeinde kennt. 

Karben: Schock für die Gemeindemitglieder

Denn zweifelsohne sei der 64-jährige Pfarrer "sehr beliebt" gewesen. Kein hinreichender Verdacht Als die Nachricht aus dem Bistum veröffentlicht wurde, war der Pfarrer schon nicht mehr in der Gemeinde, wo er auch gewohnt hatte, sein Briefkasten war zugeklebt. Wie Recherchen ergeben haben, soll der Pfarrer Anfang Juni nach Mainz einbestellt worden sein, wo ihm die Vorwürfe und seine Beurlaubung mitgeteilt worden sein sollen. 

Am Donnerstagabend, also gut ein halbes Jahr nach der Beurlaubung, erreichte die Redaktion ein Schreiben des Anwalts des Geistlichen, in dem es heißt, die Staatsanwaltschaft Frankfurt habe das Ermittlungsverfahren gegen den Karbener Pfarrer wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines jugendlichen Gemeindemitglieds eingestellt. Die Sprecherin der Staatswaltschaft Frankfurt, Oberstaatsanwältin Nadja Niesen, bestätigte, die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen gegen den Pfarrer mit Verfügung vom 21. November mangels eines hinreichenden Tatverdachts eingestellt. "Nach Abschluss der Ermittlungen konnte dem Beschuldigten weder ein sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen noch sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses oder sexueller Missbrauch von Jugendlichen mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden. 

Karben: Tatbestandsvoraussetzungen nicht erfüllt

Die Tatbestandsvoraussetzungen der entsprechenden Strafvorschriften waren nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht erfüllt." Anwalt Hein: "Wir freuen uns natürlich sehr über dieses Ergebnis." Er informiert darüber, dass die Strafprozessordnung eine Einstellung von Verfahren "wegen erwiesener Unschuld leider nicht kennt, sonst müsste man sie hier aussprechen." Laut Anwalt ist der Pfarrer erleichtert über die Verfahrenseinstellung. Er wird folgendermaßen zitiert: "Das war eine sehr belastende Zeit für mich. Vor allem, als ich wegen dieser Vorwürfe meine Gemeinde verlassen musste und mich aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht äußern durfte.

" Pfarrer bleibt beurlaubt Der Bad Vilbeler Anwalt weist auf die Folgen für seinen Mandanten hin. Aufgrund der Vorwürfe bleibe "ein Makel am Leumund des Geistlichen". Das sei umso ärgerlicher, "weil man ihm beim besten Willen kein strafbares Verhalten vorwerfen kann. Selbst dann nicht, wenn man alles, was das vermeintliche Opfer in der Vernehmung behauptet hat, als wahr unterstellen würde." Da seine Stelle inzwischen anders besetzt sei, sei eine berufliche Neuorientierung nötig. Ob die in der Kirche kommen wird, steht allerdings in den Sternen. 

Denn der Sprecher des Bistums Mainz, Alexander Matschak, teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit, das Bistum Mainz nehme das Ende der staatsanwaltlichen Untersuchungen zur Kenntnis. Man werde jetzt "zunächst das kirchenrechtliche Verfahren fortführen." Bis zum Abschluss des kirchenrechtlichen Verfahrens bleibt der Pfarrer weiterhin beurlaubt. 

Info: Definition Definition "Hinreichender Tatverdacht" 

Ein sogenannter hinreichender Tatverdacht liegt laut Juristen dann vor, wenn die Verurteilung des Beschuldigten in der Hauptverhandlung aufgrund der Aktenlage wahrscheinlich ist. Gemäß Strafprozessordnung ist der hinreichende Tatverdacht Grundvoraussetzung für die Erhebung einer öffentlichen Klage. Liegt ein solcher hinreichender Tatverdacht vor, muss die Staatsanwaltschaft Anklage erheben. Ist dies nicht der Fall, befasst sich das Gericht nicht mehr weiter mit dem Fall. Für die katholische Kirche ist die Sache gleichwohl nicht beendet.

Von Holger Pegelow

Schock in der katholischen Pfarrgruppe Karben. Das Bistum Mainz hat deren langjährigen Pfarrer freigestellt. Denn die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den Geistlichen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Viele Gemeindemitglieder sind fassungslos.

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